Wie Urban Mining eine abfallfreie Zukunft verspricht

Urban Mining steht für nachhaltige und zukunftsfähige Rohstoffgewinnung. Alles rund um die innovative Strategie zum Ressourcenschutz

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Autor: Haus von Eden

Schon seit einiger Zeit ist der Begriff Urban Mining in der deutschen Recyclingwirtschaft kein Fremdwort mehr. Doch kann diese Art der Rohstoffgewinnung im urbanen Raum wirklich das notwendige Moment erzeugen, um den gesellschaftlichen Blick auf Materialien sowie ihre Zusammensetzung grundlegend zu verändern? Wichtig wäre dieser Perspektivenwechsel auf jeden Fall. Immerhin führen der globale Rohstoffbedarf sowie die Knappheit natürlicher Ressourcen zu dringendem Handlungsbedarf, neue Stoffkreisläufe und Wirtschaftsmodelle zu etablieren.

Wieso Ressourcenschutz heute eine Frage sozialer Verantwortung ist

Seit dem Urknall sind 13,8 Milliarden Jahre vergangen und unsere Gesellschaft befindet sich im Anthropozän. Dem neuen geologischen Zeitalter, in dem die Menschheit den dominanten geophysikalischen Einfluss auf das Erdsystem hat. Und somit auch für die Zukunft des Planeten verantwortlich ist. Immerhin hat ihr Handeln die atmosphärischen Prozesse, Landschaften und Ökosysteme innerhalb dieser vergleichsweise kurzen Epoche gravierend verändert. Und zwar negativ.

Die komplexen Auswirkungen dieser Entwicklung zeigen sich besonders deutlich in unseren Städten. Täglich werden Tonnen an Material bewegt, verändert, verbaut oder weggeworfen, sodass wertvolle sowie begrenzte Ressourcen verschwendet werden. Die Konsequenz: Ressourcenknappheit mit sozialen und ökologischen Folgen. Gerade rohstoffarme Länder wie Deutschland stehen daher in der Pflicht, natürliche Ressourcen zu schützen und Rohstoffe so oft wie möglich zu verwenden. Es gilt Materialien wie Beton, Basismetalle oder Kunststoffe wiederzuverwenden sowie zu recyceln, um unsere Lebensgrundlage zu sichern, im internationalen Wettbewerb mitzuhalten und den Energiebedarf zu senken. Allein das Recycling von Kupfer, Stahl und Aluminum spart in Deutschland 406 Petajoule an Primärenergieaufwand ein - das macht fast 3% des gesamten Jahresaufwands aus.

Trotz dieser Erkenntnis ist es wichtig, den Status quo nicht zu verzerren: Aktuell dominieren monetär-motivierte Wirtschafts- und Konsummodelle, reproduziert von den Industrien und Konsument:innen. Umso wichtiger ist es also, dass neue Ansätze die Gesellschaft für ihren Einfluss auf den Planeten sensibilisieren und neue Perspektiven eröffnen. Menschgemachter Abfall muss nicht gleich Umweltverschmutzung bedeuten. Vielmehr kann dieser Abfall als wertvolle Ressource verstanden werden und unsere Städte als Lagerstätten für diese. Genau auf dieser Annahme basiert Urban Mining.

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Urban Mining - Das hat es mit dem innovativen Konzept auf sich

Urban Mining, also "Stadtschürfung" oder "Bergbau im urbanen Raum", gilt als innovative und zukunftsweisende Methode, um Sekundärrohstoffe auf umweltverträgliche Weise zu gewinnen. Anstatt natürliche Ressourcen auszubeuten geht es bei dem Ansatz nämlich darum, Rohstoffe, die sich bereits in Form langlebiger Güter in den Städten befinden, im Wirtschaftskreislauf zu halten sowie wiederzuverwenden. Laut Umweltbundesamt fallen darunter Konsumgüter wie Elektrogeräte oder Autos aber auch Infrastrukturen, Gebäude und Ablagerungen auf Deponien. Und zwar unabhängig davon, ob sie noch aktiv genutzt werden oder bereits das Ende ihres Lebenszyklus erreicht haben.

Bedeutet: Städte funktionieren als anthropogene Lager für wertvolle Rohstoffe, sodass ein kreislauffähiger Fluss von der Rohstoffgewinnung bis zur Abfallbewirtschaftung entsteht. Ob Haus-, Sperr-, Sonder-, Industrie- oder Technikmüll - unser unmittelbarer Lebensraum wird zur Quelle für Rohstoffe wie Plastik, Papier, Glas und Metall. Dazu braucht es allerdings das notwendige Know-How in Bezug auf Sourcing und Recycling. So kann beispielsweise die konsequente Trennung von Müll einen relevanten Beitrag zu einer Abfallpolitik, die Urban Mining ermöglicht und fördert, leisten.

Vom konventionellen zum Urban Mining: Nachhaltige und lokale Wertschöpfung

Was jetzt klar sein sollte: Beim Urban Mining geht es um das Aufsuchen, das Gewinnen und das Aufbereiten von Bodenschätzen. Ähnlich wie beim konventionellen Bergbau. Allerdings sind der Ertrag und Explorationsgrad hier deutlich höher, da geologische Lagerstätten im Vergleich zu anthropogenen wesentlich besser dokumentiert sind. Der Grund: Getrieben von wirtschaftlichen Interessen werden jährlich mehrere Milliarden Dollar in die Exploration von natürlichen Lagerstätten investiert.

Dafür steht Urban Mining im Hinblick auf den Wertstoffgehalt der Lager gut da. Während viele Metalle in ihren natürlichen Erzlagerstätten in geringen Konzentrationen vorkommen, liegen dieselben Stoffe in anthropogenen Güterlagern wie Bauteilen, Gusselementen oder Maschinen überwiegend in Reinform oder hochlegiert vor. Außerdem bietet das innovative Prinzip Vorteile in Bezug auf die Transportentfernung der Lagerstätten. Da sich geologische Lager häufig in Gegenden mit extremen Klimabedingungen und mangelhafter Infrastruktur ohne Nachfrage oder adäquaten Produktionsstätten befinden, können urbane Minen nämlich zum Klimaschutz, zur Emissionsreduktion und zur Versicherung ethischer Arbeitsbedingungen beitragen.

Was die Zukunft noch für Urban Mining bringen kann

All in all gilt Urban Mining als Hoffnung, die die Recyclingeffizienz und Kreislaufwirtschaft systematisch sowie interdisziplinär stärken kann. Sie steht für die richtungsweisenden Buzzwords Nachhaltigkeit, Langlebigkeit und Second Life. Trotz des Bedeutungszuwachses des Ansatzes braucht es allerdings noch mehr Förderung, Forschung und technologische Entwicklung. Oft werden Materialien vermischt und kontaminieren sich dadurch gegenseitig, sodass der Recyclingprozess gehindert wird. So braucht es hochtechnologische Verfahren zur Sortierung und Aufbereitung. Ein möglicher Ausweg wäre es somit, schon die Produktentwicklung im Hinblick auf Wiederverwendung, Rückgewinnung und Wiederverwertung zu gestalten.

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