Natur Kunst – die jahrhundertelange Beziehung vom Land Art zur Moderne

Seit jeher verbinden Künstler Natur und Kunst - Vom Land Art zur Moderne, das sind die kreativen Ansätze

landart, Kunst und Natur die Verbindung
Quelle & Copyright by Chris Maynard

Autor: Elisabeth Kolkar

Thematisch gesehen haben Kunst und Natur eine lange, gemeinsame Geschichte. Von der Landschaftsdarstellung auf altägyptischen Gräbern über römische Fresken bis zu Werken des Mittelalters. Besonders ab der Renaissance übte die Natur eine besondere Faszination auf Künstler aus. Ob Malerei, Bildhauerei oder Architektur, die Natur wurde als Ideengeberin zu einer Konstante. Während sie aber die Jahrhunderte zuvor inhaltlich bearbeitet wurde, fungiert sie seit der Mitte des zwanzigsten Jahrhundert durch die "Land Art" Bewegung selbst als Leinwand.

Kunst und Natur: Land Art und die Nutzung von natürlichen Ressourcen

Die aus den USA stammende Kunstrichtung Land Art, auch "Earth Works" genannt, bringt Nachhaltigkeit und Kunst in Einklang. Sie entwickelte sich in den 1960er Jahren und verkörperte zunächst einen gesellschaftlichen Aufbruch, indem sie als Gegenbewegung der konsumorientierten Kunstszene verstanden wurde. Die Kunstwerke selbst wurden zur Landschaft. Sie waren weder transportabel, noch waren sie im herkömmlichen Sinne verkäuflich. Verwendet wurden ausschließlich natürliche Materialien wie Holz, Erde und Sand sowie Steine und Wasser. So entstand ein harmonisches Zusammenspiel von Kunst und Natur, wobei der geografische Raum als Grundlage des Kunstwerkes funktionierte. Damit  leistete die Kunstform Pionierarbeit für die heutige nachhaltige Kunst Kultur und fungiert als wichtige Nachhaltigkeitsbotschaft für unser Verständnis von Natur Kunst.

landart

Copyright Diana Scherer

Bekanntes Beispiel der Land Art

Robert Smithson baute im April 1970 innerhalb von drei Wochen eines der bekanntesten Land Art-Kunstwerke genannt "Spiral Jetty". Dabei handelt es sich um eine riesige Skulptur in der Wüste von Utah, gebaut aus 5.000 Tonnen Basalt. Diese wurde spiralförmig in den Großen Salzsee hineingebaut. Wie der Rest der produzierten Land Art, wird auch Spiral Jetty von der Landschaft beeinflusst, ist Wind sowie Wetter ausgesetzt und verändert sich dementsprechend stetig. Ein Paradebeispiel für das Zusammenspiel von Natur und Kunst.

Die Beziehung zwischen Kunst, Natur und Nachhaltigkeit beschränkt sich jedoch nicht nur auf physische Medien, seien es Skulpturen aus natürlichen Materialien oder Gemälde aus umweltschonenden Rohstoffen. Es geht darüber hinaus und berührt auch das Design und interdisziplinäre Sparten, wie unser Querschnitt durch zeitgenössische Positionen zeigt.

Natur und Kunst im Einklang - Nachhaltige Kunstprojekte der Moderne

  1. Pannaphan Yodmanee
  2. Chris Maynard
  3. Hiroyuki Nishimura
  4. Diana Scherer

1. Pannaphan Yodmanee

In seinen nachhaltigen Kunstprojekten kombiniert Pannaphan Yodmanee verschiedene Materialien, die von gefundenen Objekten bis hin zu organischen Elementen reichen. Die Werke erinnern an traditionelle thailändische Kunst und Architektur. Felsen, Mineralien sowie Wracks aus Beton werden übermalt und zu schönen abstrakten Formen rekonstruiert. Diese Arbeiten versuchen Themen rund um die buddhistische Philosophie und Kosmologie zu erforschen. Gepaart mit natürlichen Phänomenen von Zeit, Verlust, Verwüstung und Tod. Sie zwingen den Betrachter über den Fluss und die Fluidität des Lebens nachzudenken.

2. Chris Maynard

Seit seinem zwölften Lebensjahr ist Chris Maynard von Federn fasziniert - die Inspirationsquelle für seine Natur Kunst. Als Mitglied der „Artists for Conservation“ verbindet der Künstler Biologie und Ökologie in seinen Kunstwerken, für die er ausschließlich auf natürliche Weise abgeworfene oder weggeworfene Federn verwendet.

BRAND-GUIDE

Die Erhaltung steht im Mittelpunkt von Maynards Praxis. Er glaubt, dass eine Feder, auch wenn sie ihr Leben mit einem Vogel beendet hat, immer noch etwas Besonderes ist und demnach wiederverwendet werden sollte. Durch seine Kunst feiert er die Natur und nutzt dieses Medium als universelles Symbol für Flug, Transformation, Leistung sowie Hoffnung.

3. Hiroyuki Nishimura

Der japanische Bildhauer Hiroyuki Nishimura verwendet für seine Land Art unbrauchbar deklariertes oder weggeschmissenes Holz. Holzblöcke, die für Möbel oder architektonische Zwecke ungeeignet sind, werden durch ihn zu skurrilen Skulpturen geschnitzt. Alle seine Werke wirken bizarr, indem er es darauf anlegt, dass sie einem surrealistischen Traum entsprechen. Gleichzeitig haben sie die Kraft, jeden neutralen Raum mit einem „natürlich-künstlichen“ Charakter zu versehen.

4. Diana Scherer

Die Künstlerin Diana Scherer arbeitet im Spannungsfeld von Design und Nachhaltigkeit sowie Natur und Kunst. Dabei liegt ihr Interesse im Domestizieren von Pflanzenwurzeln hin zu neuen und vertrauten Formen. Aus dem „gemusterten“ Wurzelwachstum kreiert sie anschließend Objekte, wie etwa ein Kleid.

„In meiner Arbeit erforsche ich die Beziehung des Menschen zu seiner natürlichen Umgebung und seinen Wunsch, die Natur zu kontrollieren. Mich hat das Wurzelsystem mit seinen verborgenen, unterirdischen Prozessen fasziniert; es wird von Pflanzenneurobiologen als das Gehirn der Pflanze angesehen“.

So beschreibt sie selbst ihre künstlerische Herangehensweise. Scherer stellte unter anderem im V&A London aus.Materialforschung, das Testen verschiedener Pflanzenarten wie Gräser und Körner sowie die Überprüfung der Wachstumsumgebung – dieser Prozess kann bis zu einem Jahr dauern. Doch die Kontrolle ist begrenzt und jedes Wachstum öffnet die Tür zur Unvorhersehbarkeit der Biologie, etwa Unregelmäßigkeiten sowie Asymmetrien.

Land Art oder Natur Kunst - kreative Designs rücken die Umwelt in den Vordergrund

Heutzutage denken immer mehr Kreative über nachhaltige Kunst sowie Designs nach. Die Umwelt rückt in den Vordergrund – im Einklang von Natur und Kunst entstehen so neue Wege, wie mit und für sie gearbeitet werden kann.

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elisabeth klokar

Text: Elisabeth Klokar

Elisabeth ist Autorin und freie Journalistin. Sie studierte in Graz Kunstgeschichte, an der Akademie für bildende Künste Wien Kunst & Kommunikation und Moden & Styles und Fine Arts am Central Saint Martins College, University of the Arts London. Seit mehr als zehn Jahren schreibt sie für unterschiedlichste Print- und Online-Medien über moderne und zeitgenössische Kunst, Mode und Architektur. 

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