Minimalistisch wohnen: so einfach geht der Trend zu Hause

Was verbirgt sich hinter dem minimalistisch wohnen Trend? Wir räumen auf mit Klischees wie strelies wohnen und radikales Ausmisten

minimalistisch wohnen ein Stuhl von Kovac Familie
Quelle & Copyright by Kovac Family

Autor: Katharina Heilen

Was bedeutet minimalistisch wohnen?

  • Minimalistisch wohnen bedeutet, sich auf klare Formen, Farben und das Wesentliche zu beschränken
  • Die minimalistische Wohnung kann zu mehr geistiger Klarheit, Achtsamkeit und Dankbarkeit verhelfen
  • Bei Minimalismus geht es nicht um radikales Ausmisten, sondern um bewusstes Leben

Längst ist das Thema Minimalismus von der unbekannten Nische in den Mainstream gewandert. Millionen Menschen genießen es, ohne unnötigen Ballast zu leben, sich auf das Wesentliche zu beschränken und nur einige ausgewählte Besitztümer ihr Eigen zu nennen.

Der Minimalismus Lifestyle

Unter Minimalismus versteht man einen Lebensstil, der sich auf das Wesentliche beschränkt, indem Unnötiges reduziert wird. Minimalismus bezieht sich zum Beispiel auf die Garderobe, wenn nur wenige, hochwertige und zeitlose Kleidungsstücke im Schrank hängen, statt sich ständig ändernden Trends hinterherzujagen.

Immer beliebter wird aber auch der Minimalismus, der sich auf den Lebensraum bezieht. Die Wohnung bzw. das Haus ist dann nur mit den Dingen ausgestattet, die wirklich zum Leben notwendig sind. Dekoration wird sehr bewusst und gezielt eingesetzt, auch Formen und Farben sind klar und unaufgeregt.

Materiellen und geistigen Ballast verbannen

Wer minimalistisch lebt, möchte materiellen und geistigen Ballast verbannen und Raum schaffen für Dinge, Menschen und Erlebnisse, die wirklich bedeutsam sind. Viele Minimalisten sind außerdem auch abenteuerlustige Reisende, weshalb es für sie von Vorteil ist, wenn sich der Besitz auf lediglich ein paar Gegenstände beschränkt.

Viele überzeugte Minimalisten berichtet davon, dass ein rundum entrümpeltes Zuhause ihnen geistige Klarheit verschafft, die Achtsamkeit und Dankbarkeit fördert. Sie sind davon überzeugt: Wahres Glück hat absolut gar nichts mit Besitz zu tun. Nicht zuletzt kann ein minimalistischer Lebensstil auch eine ganze Menge Geld sparen. Geld, das man statt in Gegenstände in Erfahrungen investieren kann, in Geschenke an die Liebsten oder in Spenden an Organisationen, die Gutes tun.

Was ist Minimalismus nicht?

Um zu Beginn gleich einmal ein viel besprochenes Klischee aus der Welt zu räumen: Minimalistisch zu wohnen bedeutet nicht, dass das Heim steril, kalt und ungemütlich aussieht. Minimalismus hat auch keine starren Regeln, denen sich jeder fügen muss, der sich für Minimalismus interessiert. Minimalismus steht nur für ein Wort: Weniger.

Weniger Klamotten, weniger Möbel, weniger Schnickschnack. Dafür gibt es mehr Zeit (weil zum Beispiel das Aufräumen schneller geht), mehr Geld (weil man keinen unnötigen Unsinn mehr kauft) und mehr Lebensfreude (weil nicht an Altem festgehalten wird, sondern Raum für Neues geschaffen wird).

5 Tipps für eine minimalistische Wohnung

Jeder sollte mit dem Thema Minimalismus so umgehen, wie es sich für ihn richtig anfühlt. Das bedeutet, dass die folgenden Tipps für ein minimalistisches Zuhause nicht blind befolgt werden sollten. Sie dienen lediglich als Inspiration und sind keine Regeln.

1. Ausmisten

Ausmisten ist der erste Schritt in Richtung eines minimalistischen Lebens. Minimalistisch zu wohnen, das setzt erst einmal eine Auseinandersetzung mit den Dingen voraus, die man bereits besitzt. Viele Möbel und Dekorationsobjekte sammeln sich über die Jahre einfach so an, wurden teilweise noch aus dem Kinderzimmer übernommen oder waren ein Geschenk. Sind wirklich so viele Sofakissen notwendig? Braucht es tatsächlich nicht zwei, nicht drei, sondern vier verschiedene Beistelltische im Wohnzimmer?

Tipp: Objektiv darüber nachdenken, welche Möbel wirklich notwendig sind, um sich in seinen eigenen vier Wänden wohlzufühlen. Was wird tatsächlich benutzt? Dazu kann man die Marie Kondo Methode gut einsetzen.

minimalistisch leben

Quelle & Copyright by Marie Kondō

2. Verstauen

In einer minimalistischen Wohnung hat alles seinen Platz. Kleinigkeiten verschwinden in Schubladen und Boxen, Textilien in Schränken und Kommoden. Beispiel Schreibtisch: Bei den allermeisten Menschen gleicht der Schreibtisch einem bunten Sammelsurium aus allerlei Dingen. Das lenkt ab und blockiert im schlimmsten Fall kreative Gedanken. Der Minimalist hingegen setzt auf aufgeräumte Klarheit, um sich besser konzentrieren zu können.

Tipp: Alles bekommt einen festen Platz. Nur ausgewählte Objekte, mit denen besondere Gefühle verbunden werden, erhalten einen sichtbaren Ehrenplatz.

3. Gemütlichkeit nicht vergessen

Minimalismus bedeutet nicht, dass alles klinisch rein sein muss. Im Gegenteil. Bewusst gesetzte Behaglichkeits-Akzente wirken viel gemütlicher als überbordende Gemütlichkeits-Gefühle.

Tipp: Dazu kann man mit Textilien gut spielen. Zum Beispiele mit (Kunst-)fellen, dezenten Überwürfen und ausgewählten Dekokissen. Auch Pflanzen schaffen eine wunderbare Wohlfühl-Atmosphäre.

4. Klare Formen bevorzugen

Klare Formen sollten schnörkeligen unbedingt vorgezogen werden. Sie bringen eine entspannte Ruhe mit sich und ermöglichen ein optisches Durchatmen. Es entsteht zudem ein unverwechselbarer Stil, der gleichzeitig geordnet und trotzdem heimelig wirkt.

Tipp: Skandinavisches Möbeldesign ist dafür bekannt, auf klare Formen zu setzen und diese mit Farb- und Formakzenten ein wenig aufzubrechen.

5. Auf eine einheitliche Farbpalette setzen

Zu viele verschiedene Farben und Muster wirken sehr schnell chaotisch und lassen einen Raum unruhig wirken. Besser ist es, auf Farben wie Weiß, Grau und Beige zu setzen. Farbige Highlights machen sich gut, sie sollten allerdings wohldosiert sein.

Tipp: Der Vorteil einer hellen Farbpalette ist, dass ein Raum dadurch viel größer wirkt, als er eigentlich ist. Ideal für kleine Wohnungen ist also zum Beispiel, wenn sämtliche Möbel und Wände weiß sind.

Was tun gegen Möbel von denen man sich nicht trennen mag

Fast jeder dürfte ein Möbelstück besitzen, von dem er sich trennen möchte, dies aber nicht über das Herz bringt. Vielleicht ist es der Kleiderschrank der Großmutter, der Nachttisch, den man sich von seinem ersten eigenen Geld gekauft hat. Vielleicht ist es die Lampe, die einem der Partner zum Geburtstag überreichte, vielleicht der Teppich, den die Mutter zum Einzug schenkte. In solchen Situationen geht es nicht darum, das betreffende Möbelstück auf Teufel komm raus loszuwerden.

Vielmehr sollte man sich fragen, welche Erinnerungen damit verbunden sind. Ist es die Erinnerung an einen lieben Menschen, an einen tollen Urlaub, an eine fantastische WG? Marie Kondo würde in diesem Fall sagen: “This sparks joy”. Anstatt das Möbelstück auszumisten, könnte es beispielsweise in einem anderen Raum platziert oder sogar zweckentfremdet werden. So wird zum Beispiel aus einem alten Bilderrahmen ein hinreißendes Schlüsselbrett oder aus einer alten Vase ein hübsches Pflanzengefäß.

Manchmal sind mit einem Möbelstück aber auch keine positiven Erinnerungen im Speziellen verbunden, sondern ein Pflichtgefühl. Etwa dann, wenn man das Stück geerbt hat, wenn ein ehemaliger Mitbewohner es beim Umzug dagelassen hat oder weil es ein Geschenk war. In diesem Fall hilft es, sich bewusst zu machen, dass die Beziehung zu der Person, die einem das Möbelstück überlassen hat, nicht davon beeinflusst wird, ob der Gegenstand weiterhin in der eigenen Wohnung verbleibt oder nicht. So fällt es eventuell leichter, sich davon zu trennen.

Fazit: Minimalismus ist kein Dogma

Ausmisten, Platz schaffen für die wirklich wichtigen Dinge, davon kann jeder profitieren. Das heißt jedoch nicht, dass man sich von liebgewonnen Dingen trennen muss, um dem trendigen Minimalismus-Stil nachzueifern. Vielmehr geht es beim Minimalismus darum, sich über den Wert von Gegenständen bewusst zu werden, diese als bedeutsam (oder auch nicht) wahrzunehmen und Ungenutztes auszusortieren, um Körper und Geist von Ballast zu befreien.

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