KPM Chefdesigner Thomas Wenzel über zeitloses und sinnliches Design

Im Dialog mit Chefdesigner der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin -  Herausforderungen der modernen Tischkultur

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Thomas Wenzel Chefdesigner & Creative Director KPM

Seit 250 Jahren steht die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin für feinstes Porzellan und handgefertigten Luxus mit einem stilprägendem Design. In den Worten "made to stay" drückt sich der Anspruch der KPM aus, ihre Tradition zu pflegen, beständige Werte zu schaffen und stilbildend zu wirken.

Thomas Wenzel, Leiter der künstlerischen Entwicklungsabteilung spricht mit Haus von Eden über innovative Dekor- und Fertigungstechniken und die Herausforderungen der modernen Tischkultur.

Sie entwickeln und entwerfen seit 1993 Designs für die KPM. Was war die größte Veränderung, die Sie seither miterlebt haben?

Für mich war die größte Veränderung die Privatisierung des Unternehmens. Ich habe unter staatlichen Zeiten in der KPM Berlin angefangen. 2006 hat dann der Bankier Jörg Woltmann die Manufaktur gekauft. Seitdem hat sich natürlich vieles verändert. Auf der einen Seite musste die KPM nun als Unternehmen in der freien Wirtschaft agieren.

So wurde das Kostenbewusstsein geschärft und die Effizienz gesteigert. Auf der anderen Seite sind die Vorteile eines Familienbetriebs sichtbar geworden. Es ist weniger anonym, vielmehr vertraut und eben familiär geworden. Und ein echtes Wir-gefühl ist entstanden.

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Von Hand bemaltes Porzellan CADRE Vasen & ZEN Schälchen Set

Äußerst moderne KPM Serien wie BERLIN und LAB gehen auf Ihre Entwicklungsarbeit zurück. Welche Bedeutung spielen Innovation und die moderne Tischkultur bei Ihren Designs und wie bringen Sie diese in Einklang mit der Tradition von KPM? 

Im Laufe der Zeit lernt man die Marke und ihre DNA immer mehr kennen. Die Prozesse der Manufaktur, die Produkte und die Geschichten hinter den Produkten. Man hat eine große Aufgabe das königliche Erbe weiterzuführen, darf dabei aber nicht stehen bleiben und muss sich entwickeln.

In diesem Spagat zwischen Tradition und Moderne besteht für mich der besondere Reiz bei der Entwicklungsarbeit. Am Ende geht es darum ein zeitloses und sinnhaftes Design, das nachhaltig ist, zu schaffen.

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Coffee to go Becher

Als Chefdesigner sind Sie der Intermediär zwischen Manufaktur und Geschäftsführung. Sie stehen quasi zwischen Künstlertum und Gewinnmaximierung. Inwiefern stellt dies eine Herausforderung dar?

Gerade diese Rolle als Intermediär ist sehr spannend für mich. Es geht nicht nur um die kultur-künstlerische sondern auch um die wirtschaftliche Seite der Produktentwicklung. An der Stelle, wo es zu Einschränkungen kommt, muss man clevere Lösungen finden. Wenn man beispielsweise ein Kind mit einem fertigen Spielzeug konfrontiert, verliert der Gegenstand schnell seinen kreativen und spielerischen Reiz.

Konfrontiert man es aber mit einem Baukasten, aus dem es sich selbst ein Spielzeug bauen muss, so wird lange getüftelt und kreativer Input gegeben. So ähnlich geht es mir bei meiner Arbeit auch. Ich muss in die Tiefe gehen und sowohl das Problem kennen als auch eine Lösung erarbeiten. Am Ende kommen manchmal auch Lösungen heraus, die mich selbst überraschen.

Zu welchem der von Ihnen entwickelten Objekte haben Sie die größte emotionale Verbindung und was ist die Story dazu? 

Die größte emotionale Bindung habe ich an die LAB Serie. Hier stecken viel Herzblut und auch Kopf meinerseits hinter. Auf der einen Seite geht es dabei um das ganzheitliche Konzept. Die Serie ist dafür ausgelegt nicht als klassisches Service mit allen Teller- und Tassengrößen auf einen Schlag lanciert zu werden, sondern sukzessive in Einzelstücken zu erscheinen. Somit ist das wirtschaftliche Risiko minimiert.

Diese „kleinen“ Neuerscheinungen bringen uns auch in einen engen Dialog mit unseren Kunden, wir bekommen Feedback und auch Wünsche, auf die wir eingehen können. Aber auch die reine Funktionalität der Produkte hat mich sehr beschäftigt. Mein Ziel war es Produkte zu entwickeln, die durch ihre Anwendung rein in die Küche und damit in den Alltag kommen.

Es geht um komplett neue Produkte, die die KPM Berlin in ihrer Geschichte noch nie im Portfolio hatte, wie den Kaffeefilter, aber auch den spannenden Materialmix zwischen Glasur- und Biskuitporzellan in Kombination mit warmem Eichenholz oder präzisem Stahl. Wir haben damit eine ganz neue und junge Zielgruppe erreichen können und am Ende des Tages konnte und kann ich mir damit einen großen Wunsch erfüllen.

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LAB Starter Set

Vielen herzlichen Dank Herr Wenzel für das Interview.

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