Dodds & Shute: Eine Plattform verändert die Designbranche nachhaltig

"Wir haben 2017 damit begonnen, unser Unternehmen als Fallstudie für nachhaltigen Wandel zu nutzen - Die Idee treibt uns an, dass wir einen echten Wandel in der Designbranche anstoßen können"

Im Interview mit Stefan Dodds und Nick Shute, Founder von Dodds & Shute

dodds & shute
© Dodds & Shute - The Department Store Office in Brixton | Photography by James Jones

Autor: Haus von Eden

Die Gründer von Dodds & Shute möchten nachhaltige Design-Produkte an die Öffentlichkeit bringen. Stefan Dodds and Nick Shute haben Dodds & Shute 2015 gegründet - ein Unternehmen was sich auf Beratung hinsichtlich Design und Einkauf von nachhaltiger Möbel für Architektur und Inneneinrichtung fokussiert.

Dabei werden alle ihre Lieferanten einer strengen Nachhaltigkeitsprüfung unterzogen und dessen Ergebnisse auf der Plattform transparent dargelegt sowie in einer Sustainability Study öffentlich zugänglich gemacht. Zudem ermitteln die Design Berater den CO2-Fußabdruck ihrer eigenen Projekte, um diesen mit entsprechenden Maßnahmen nachhaltig zu minimieren.

Im Interview mit Haus von Eden berichten die zwei Kreativen wie sie "auch als kleines Unternehmen durch positive Aktionen einen nachhaltigen Welleneffekt in der Designbranche auslösen möchten, um einen kollektiven Wandel zu bewirken".

© Dodds & Shute | Photography by Beth Crockatt

Die Nachhlatigkeitsprüfung von Dodds & Shute durchleuchtet die Lieferkette der Möbelbranche auf eine neue Weise

Wir waren der Meinung, dass wir in der Designbranche mit gutem Beispiel vorangehen müssen. Es braucht Menschen in unserer Position, die schwierige Fragen stellen und auf der Grundlage dieser Informationen handeln. Nur so können wir versuchen, einen breiteren Wandel zu beeinflussen. Der Kern des Projekts war es, neue Informationen ans Licht zu bringen und die Hersteller auf eine Art und Weise zu durchleuchten, wie es in unserer Branche derzeit nicht gemacht wird. Das halten wir für wichtig, um unsere Lieferkette besser zu verstehen.

In unserer Branche gibt es derzeit so viel Unbekanntes darüber, was ein Unternehmen ethisch oder verantwortungsbewusst macht. Wir haben jetzt Daten und Belege und müssen Unternehmen nicht mehr nur beim Wort nehmen. Diese ermöglichen es uns, zu vergleichen, wie Hersteller im Sinne der Nachhaltigkeit arbeiten.

Die Begutachtung der Lieferkette soll als Fallstudie einen Welleneffekt des Wandels bewirken

Wir haben 2017 damit begonnen, unser Unternehmen als Fallstudie für nachhaltigen Wandel zu nutzen. Die Idee treibt uns an, dass wir einen echten Wandel in der Designbranche anstoßen können. Wir glauben, dass positive Aktionen einen starken Welleneffekt haben und sich weit verbreiten können. Je mehr unsere Bemühungen anerkannt werden, desto mehr Druck wird auf andere Unternehmen ausgeübt, ihr Verhalten ebenfalls zu ändern. Wir glauben auch, dass der kollektive Einfluss von kleinen und mittleren Unternehmen enorm ist. KMUs repräsentieren 99% aller Unternehmen in Großbritannien und der EU, so dass wir als Kollektiv einen unglaublichen Wandel bewirken können.

© Dodds & Shute - Birch Hotel in Cheshunt Hertfordshire | Photography by Adam Firman

Schwedische Möbelunternehmen haben Nachhaltigkeit als Kernstück ihrer DNA

Schwedische Unternehmen haben unglaublich gut abgeschnitten in der Studie, denn Nachhaltigkeit ist ein Kernstück ihrer DNA und ein Baustein ihrer Unternehmen. Eben nicht nur eine hastig formulierte, hohle Politik, wie wir sie vielleicht bei einigen anderen Unternehmen sehen. Vor allem in Sachen lokale Fertigung schneiden die schwedischen Unternehmen aufgrund ihrer existierenden Infrastruktur besonders gut ab. Obwohl nicht immer ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen lokaler Fertigung und Nachhaltigkeit hergestellt werden kann, ist es etwas, das uns besonders wichtig ist und das wir mit Leidenschaft unterstützen.

Die Herstellung vor Ort hat alle möglichen Vorteile: Die Unterstützung der lokalen Gemeinschaft und Wirtschaft über die Sicherstellung, dass wertvolle handwerkliche Fähigkeiten nicht verloren gehen, ist das eine. Eine strengere staatlichen Regulierung, die ein hohes Maß an Arbeitsschutz, Arbeitsbedingungen, Mindestlohn und Gleichberechtigung gewährleistet, das andere. Es ist zwar teurer, vor Ort zu produzieren, aber die allgemeinen Vorteile sind enorm. Es sollte daher mehr getan werden, um diese Unternehmen zu feiern und sie gegenüber anderen zu fördern, die nach höheren Gewinnspannen streben, indem sie billige Arbeitskräfte im Ausland einkaufen.

© Dodds & Shute - Sustainability Report

In Zukunft wird von Unternehmen transparentes Handeln erwartet

Ich hoffe, dass durch die Ergebnisse unseres Berichtes Marken weltweite erkennen, dass sich die Erwartungen verschieben und dass ihre Unternehmen mit der Forderung konfrontiert werden, transparenter zu handeln. Es gibt eine Nachfrage nach einer anderen Art von Informationen, die vorher nicht erforderlich waren. Dazu gehört zum Beispiel, wo die Waren hergestellt werden, welche nachhaltigen Materialien verwendet werden oder welche Chemikalien sie bei diesen Prozessen verwenden.

Das Enttäuschendste, was wir während des Evaulierungsprozesses herausgefunden haben, war die Zurückhaltung einiger Unternehmen. Sie lassen sich auf unsere Umfrage gar nicht erst ein. Außerdem haben viele Unternehmen da draußen nicht einmal eine Nachhaltigkeitspolitik. Allerdings gab es auch so viele positive Dinge, die wir über die Leidenschaft von Kleinunternehmern erfahren haben. Die gehen über das hinaus, was von ihnen erwartet wird, um in ihrem Bereich innovativ zu sein.

Die Designbranche als Vorreiterrolle in Sachen nachhaltige und soziale Praktiken

Obwohl die Designbranche die Umwelt nicht so stark belastet wie die Modeindustrie, kommen wir nicht um einen Vergleich umhin. Es gibt gemeinsame Probleme mit übermäßigem Konsum und Besessenheit von Trends, die angegangen werden müssen. Kunden geben beträchtliche Summen für Designerstücke aus. Das Mindeste, was sie erwarten sollten, ist, dass sorgfältig und mit Bedacht darauf geachtet wird, wie, wo und warum etwas hergestellt wird. Wir sind eine Luxusindustrie und bei den Preisen, die verlangt werden, gibt es für uns alle keine Entschuldigung, es nicht besser zu machen.

© Dodds & Shute - Kerb Seven Dials Restaurant London | Photography by Andy Stagg Studio

Die Verbraucher haben noch ein weniger ausgeprägtes Bewusstsein

Hinsichtlich des Verbraucherverhaltens denke ich, dass es im Moment eher langsam voran geht. Das Bewusstsein ist weniger ausgeprägt als bei anderen Aspekten des Konsumlebens wie Lebensmittel, Mode, Mobilität, Kosmetik und Energie. Die Menschen kümmern sich im Moment mehr darum, was sie in ihren Körper stecken oder auf ihren Körper auftragen. Es gibt aber ein langsames, aber wachsendes Bewusstsein für die Dinge, die wir in unsere Häuser stecken. Wir erwarten, dass sich dies in den kommenden Jahren noch beschleunigen wird.

Dodds & Shute hat in Zukunft einige spannende Dinge vor

Wir beginnen, mit einigen besonders ambitionierten Kunden zusammenzuarbeiten. Diese wollen unsere Metriken für die nachhaltige Beschaffung von Hotels und großen Büros übernehmen. Wir arbeiten auch an einer Berechnung für einen Nachhaltigkeitsindex. So können wir jedes unserer Projekte bewerten. Außerdem würden wir gerne eine Art finanziellen Anreiz bieten, um Kunden zu ermutigen, den Score ihres Projekts zu verbessern. Wir stellen auch eine Liste mit schädlichen Materialien und Prozessen zusammen, die in unserer Branche immer noch weit verbreitet sind. Damit wollen wir große Einzelhändler und Architekturbüros dazu auffordern, sich zum Boykott zu verpflichten.

Vielen Dank für das Interview, Nick und Stefan 

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