Future Living – Die 15 Minuten Stadt

Alles in einer Viertelstunde erreichbar - kann die 15 Minuten Stadt funktionieren?

15 Minuten Stadt Oslo

Autor: Sidney Kadziolka

Eine Stadt in der man alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad in nur 15 Minuten erreichen kann. Ist das umsetzbar? Die Kernidee der 15 Minuten Stadt liegt darin, die Stadt welche einst mit einer Funktionstrennung erbaut wurde wieder zu einem Erholungsort zu gestalten. Denn durch die Trennung von Wohn- Versorgungs- und Arbeitsgebieten entstehen lange Pendelzeiten, was nicht nur unvorteilhaft für die Bewohner ist, sondern auch gesundheitsschädlich.

Vielmehr aber ist eine Stadt mit kurzen Wegen nicht nur Kinder- Senioren-, Familien und behindertengerecht, sondern auch gesünder, denn die Feinstaubbelastung und die Luftverschmutzung nehmen ab. Damit wohl ein paar der größten Faktoren, die sich negativ auf unsere Gesundheit Auswirken. Außerdem fördert das Wohnen auf kleinen Räumen das soziale Miteinander und die allgemeine Lebensqualität wird verbessert.

Die 15 Minuten Stadt soll nicht nur zum Arbeiten sein, sondern auch als Erholungsort dienen, ohne lange Fahrten. Demnach muss die Qualität des eigenen Stadtviertels verbessert werden. Daher soll die Mobilität zum Wohle des Menschen und der Natur gefördert werden. Das heißt: mehr Partizipation durch Begegnung, ganz nach dem Motto "Jeder kennt Jeden".

Pop-Up Projekte für die richtige Umgestaltung

Zur Zeit hapert es noch größtenteils an verfügbaren Fläche, vor allem sind diese in Großstädten ziemlich begehrt. Aber seit der Pandemie starteten in Hamburg und Berlin einige Pop-up Projekte. Demnach wurde der Hamburger Jungfernstieg größtenteils für Autos gesperrt, genauso wie zwei Straßen in der Innenstadt Berlins, die nur noch für Radfahrer nutzbar sind. Folglich können solche Projekte dauerhafte Lösungen aufzeigen. Zunächst einmal kann durch diese Projekte Praxiserfahrung gesammelt werden. Damit Probleme schnell erkannt werden können und somit bei einem zukünftigen Umbau berücksichtigt werden.

Tatsächlich hat die Idee viel Potential und ist auch realistisch umsetzbar. Als größte Herausforderung steht hier aber die neue Einteilung der Flächen, denn diese müssen anders verteilt sein. Beispielsweise wäre die Umgestaltung von Parkraum und Straßen zu Parks und Wohnraum möglich. Schließlich kann dies auch eine Herausforderung für den Immobilienmarkt bringen, aber auch die Möglichkeit den Markt neu zu beleben. Neue Immobilienpreise wären hierbei vorstellbar. Ein Gebäude soll künftig multiple Nutzungen haben.

Doch wie kann so eine 15 Minuten Stadt aussehen?

Das Konzept ist kein Neues, wie sich an folgenden Beispielen sehen lässt, aber post-Corona ein wachsender Trend, da viele im Lockdown ihre Nachbarschaft völlig neu entdeckt haben. Paris macht es vor und hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2024 eine grünere Stadt zu haben sowie die Radwegenetze so zu gestalten, dass sie die „Stadt der kurzen Wege“ wird. Städte wie Hamburg und Berlin ziehen nach und haben sich ebenfalls Ziele gesetzt.

15 Minuten Stadt Paris

Man nehme sich außerdem ein Beispiel an Vorreitern wie Norwegen. In der Hauptstadt gibt es seit 2015 immer weniger Autos, der öffentliche Nahverkehr wurde ausgebaut und unzählige Leihfahrräder stehen für Jedermann zur Verfügung. Aber auch in der Spanischen Hauptstadt Madrid sind seit 2018 im Zentrum nur noch Autos von Anwohnern und Fahrer von Hybrid-, Elektro- und Gasfahrzeugen erlaubt. Ein weiteres Beispiel bietet die spanische Stadt Ponteventra, welche seit 20 Jahren autofrei ist. Hier sind Autos höchstens für essentielle Fahrten zugelassen. Die Straßen sind nur noch von Fußgängern und Radfahrern nutzbar. Außerdem gilt ein Tempolimit von 30 und Fußgänger haben immer Vorrang. Italien fördert den Fahrradkauf mit Kaufprämien.

Genauer bedeutet das: Wege kürzen und das Viertel lebenswerter machen

Man muss sich an dem Bild damaliger Städte orientieren. Die wichtigsten Einrichtungen wie Arbeit, Einkaufen, Kindergarten und Schule, sowie Ärzte, Parks, Kulturangebote und Sport sollen dezentral verstreut sein. Sowie in kürzester Zeit zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein. So kann jedes Viertel wie eine kleine eigene Stadt fungieren, vielmehr aber kann auch der Einzelhandel von solch einer Umstrukturierung profitieren, da mehr Geschäfts- und Wohnräume entstehen.

Hiebei geht es um eine Stadt, die den Menschen und seine Lebensqualität in den Vordergrund stellt. Das Sprichwort „never waste a good crisis" ist hier passend. Denn die Pandemie hat der Stadtplanung einen zweiten Denkanstoß gegeben, diese nach einem ökologischem und nachhaltigem Konzept zu gestalten. Unrealistisch ist das nicht, denn der Trend zum Home-Office und dank der stetig wachsenden Digitalisierung nimmt die Notwendigkeit weit zu reisen ab. In einem Satz zusammengefasst liegt der Fokus der 15 Minuten Stadt darauf: Wege zu verkürzen statt sie auszubauen und das eigene Viertel lebenswerter machen.

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