The Dematerialised und Lukso Co-Founderin über die New Creative Economy

Die Marketplace für digitale Mode-NFTs und die dahinter liegende Blockchain-Technologie stellen die traditionelle Modebranche in Frage

Im Interview mit Marjorie Hernandez, Co-Founderin The Dematerialised und Lukso

Digital NFT The Demerialised
Quelle & Copyright by The Dematerialised - ICE CYBAIR

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Autor: Haus von Eden

The Dematerialised ist ein Web3-Erlebnismarkt für NFT-Mode, welcher auf der Lukso-Blockchain basiert. Der digitale Marketplace vereint die physische und digitale Welt und bietet dabei eine Plattform für kreative Digital Fashion Designer*innen und Marken. Die Plattform stellt traditionelle Geschäftsmodelle der Modeindustrie, von der Produktion über den Konsum bis hin zum Eigentum, in Frage und liefert dabei einen transparenteren, effizienteren und gerechteren Ansatz für die Modewelt.

Wir sprechen mit Co-Founderin Marjorie Hernandez darüber warum The Dematerialised einen besonders nachhaltigen Ansatz verfolgt und räumen dabei mit allen Vorurteilen gegenüber digitaler Mode auf. Die facettenreiche Innovations- und Produktexpertin ist zu gleichen Teilen Unternehmerin und Art Designerin.

"Wir erleben eine digitale Renaissance und die New Creative Economy wird Menschen auf der ganzen Welt neue Möglichkeiten, Einnahmequellen und kulturelle Veränderungen bieten"
 

The Dematerialised und Lukso Co-Founderin Marjorie Herandez

The Dematerialised und Lukso Co-Founderin Marjorie Hernandez

The Dematerialised ist Vorreiter in Sachen nachhaltiger digitaler Mode. Was sind die Anforderungen an ein NFT, um nachhaltig zu sein?

Nachhaltigkeit und Transparenz sollten Hand in Hand gehen. Eigentümer müssen in der Lage sein die nachhaltigen Anforderungen der Designer*innen und Marken nachvollziehen zu können. Damit NFTs nachhaltig sind, ist es wichtig zu wissen auf welcher Blockchain sie basieren. Ob sie auf dem Proof-of-Work (PoW) oder Proof-of-Stake (PoS) basieren, denn das macht einen gewaltigen Unterschied.

The Dematerialised NFTs laufen auf der Lukso-Blockchain, welche PoS und Ethereums Core-Technologie-Stack verwendet, einschließlich Ethereum Protocol und Ethereum Virtual Machine (EVM). Im Vergleich zu Blockchains, die PoW verwenden, welche große Mengen an Energie verbrauchen, verbraucht PoS nur einen Bruchteil seiner Energie - nämlich 99 % weniger.

Wir sind sehr stolz auf unsere Nachhaltigkeit im Unternehmen. Daher sind wir auch auf dem Clean NFTs Marketplace gelistet. Darüberhinaus starteten wir im November 2021 eine interne Studie zum Thema Nachhaltigkeit Wir verpflichten uns zur Messung, Berichterstattung, Reduzierung und Kompensation, um die Treibhausgasemissionen auf netto null zu reduzieren. Des Weiteren planen wir auch die Gründung der Digital Fashion Alliance, welche darauf abzielt: Wissen, Best Practices und Industriestandards auszutauschen.

Digital NFT Karl Lagerfeld on The Dematerialised

Quelle & Copyright by Karl Lagerfeld

Wie sieht es mit den sozialen und gesellschaftlichen Auswirkungen aus, viele Menschen haben Angst vor einer zweiten Realität ohne klare Grenzen?

Indem wir die Grenzen zwischen verschiedenen Realitäten verschmelzen, schaffen wir eine nahtlose Verbindung zwischen allen Dimensionen der Selbstdarstellung, Wahrnehmung und Erfahrung der Benutzer. Durch das Metaverse schaffen wir es Welten zwischen unserer physischen und digitalen Realität zu kombinieren. Ein offenes Ökosystem ermöglicht es uns Kultur, Innovation und Kreativität, aber auch neue Standards und Tools zu entfalten. Diese machen wir bei Lukso für die allgemeine Einführung und Anwendung zugänglich. Wir erleben eine digitale Renaissance und die New Creative Economy wird Menschen auf der ganzen Welt neue Möglichkeiten, Einnahmequellen und kulturelle Veränderungen bieten. Eine Zukunft mit unbegrenzten Möglichkeiten für Entwickler*innen, Benutzer*innen und Branchen.

Die Covid-Pandemie hat den Aufstieg des Metaverse deutlich beschleunigt. Was ist erforderlich, damit digitale Mode in großem Maßstab funktioniert?

Digitale Mode ermöglicht es den Designer*innen zum ersten Mal, sich von den Grenzen unserer physischen Welt zu befreien. Durch die Schaffung eines einzigartigen digitalen Eigentums wird eine neue Welt des Sammelns und Darstellens virtueller Kreationen eröffnet. Damit sich digitale Mode und innovative Blockchain-Technologie tatsächlich entwickeln, ist der Zugriff auf die entsprechenden Tools und Standards mit einem vereinfachten Onboarding-Prozess sowie einer einheitlichen digitalen Basisebene erforderlich.

Mit Lukso haben wir genau das Geschaffen. Wir ermöglichen vereinfachte Onboarding-Prozesse und Integration für Mainstream-Anwendungsfälle mit universellen Profilen. Durch universelle Profile ermöglichen wir einen Standard, der zuvor  in diesem Bereich fehlte, nämlich die Identität. Das macht Assets und Eigentum vereinbar und überprüfbar. Schließlich kann der oder die Besitzer*in eines digitalen Modeartikel (NFTs) ihre Sammlungen in einem digitalen Schrank organisieren. Darüberhinaus können sie diese erkunden, als auch präsentieren.

Digital NFT MCQ on The Dematerialised

Quelle & Copyright by MCQ

Wo tragen Menschen heutzutage hauptsächlich digitale Kleidung und wie können sie diese bei The Dematerialised kaufen?

Digital Fashion NFTs können in verschiedenen Metaverse-Umgebungen getragen werden, wenn sie mit den richtigen Tools und Standards erstellt werden. The Dematerialised ermöglicht es Menschen, digitale Mode und Phygitals mit Kryptowährung oder mit Fiat (per Kreditkarte und Apple Pay) zu kaufen. Diese digitalen Kleidungsstücke können mit AR und VR präsentiert, freigeschaltet, erlebt, anprobiert, sowohl getragen als auch erfasst werden. Durch AR können Menschen digitale Modekleidung tragen oder ihre physischen Outfits mit digitalen Modestücken ausstatten. Wie dies vor kurzen beim Institute of Digital Fashion zu sehen war und somit digitale Mode-NFTs und das Metaverse auf den roten Teppich brachte.

Digitale Mode kann aber auch in VR auf Avataren getragen oder ähnlich wie ein digitaler Schrank in universellen Profilen gesammelt und angezeigt werden. Über unsere Plattform gekaufte Assets werden auf der Lukso-Blockchain erstellt. Damit wird ihnen ermöglicht, dieses multiverse Dienstprogramm, die plattformübergreifende Interoperabilität sowie die Authentifizierung digitaler Assets zu nutzen. Diese werden direkt von Marken und Designer*innen mit ihren eigenen universellen Profilen genutzt.

Führt die digitale Mode zum Verlust von Tradition und Handwerk?

Kreative Arbeit vereint die Grenzen zwischen physischer und virtueller Realität. Traditionelle Designarbeit bleibt bestehen, Künstler*innen können aber neue Bereiche des digitalen Designs erkunden. Zum Beispiel ihre Kreationen teilen und ihre Arbeit digitalisieren. Digitale Designer*innen sind ebenso in der Lage ihr Image, durch die Schaffung von Stücken ohne physische Einschränkungen, mit digitaler Mode und digitaler Kunst zu stärken.

Die physischen und virtuellen Bereiche des Produktdesigns werden überschritten. Dadurch wird die Nachfrage nach einheitlichen und hyperrealistischen Erlebnissen etablierte Herstellungsprozesse neu definieren. Ehemals getrennte Silos der kreativen Produktion kommen in der neuen Kreativwirtschaft zusammen, regen sich gegenseitig an und verschmelzen zu einer gemeinsamen und transdisziplinären Lifestyle-Arena.

Digital NFT RFTK und The Fabricant on The Dematerialised

Quelle & Copyright by RTFKT & THE FABRICANT

Wie unterstützt ihr junge Designer und wie werden diese digitalen Designer aktuelle Modesysteme brechen?

Wir arbeiten mit phänomenalen jungen Designer*innen und aufstrebenden Marken wie Mutani und Roberts | Wood zusammen. Durch das offene, interoperable Ökosystem konnten eine direkte On-Chain-Beziehung zu ihren Communities aufzubauen. Designer*innen sind nicht mehr an körperliche Einschränkungen gebunden. Wir entwickeln außerdem einen DMAT Digital Fashion Incubator, der ein Ort für Wissensaustausch und Community-Unterstützung ist.

Unter anderem arbeiten wir mit einer außergewöhnlichen Designschule in Mexiko, CEDIM, an einem 10-monatiges Bildungsprojekt.  Bei welchem die Student*innen digitale Mode entwerfen und ihren Fokus auf kulturelle Nachhaltigkeit legen. Dies ist ein globaler Wandel, welcher derzeit in der Modebranche stattfindet.  Es wird sehr interessant zu sehen sein, wie sich große Marken dem digitalen Universum nähern. Vielmehr  freue ich mich aber auf die neuen Talente, welche künftig im digitalen Mode-Ökosystem auftauchen. Ferner wird dies vielen jungen Schöpfern auf der ganzen Welt ermöglichen, sich zu entfalten.

Viele Luxusmarken arbeiten mit Gaming-Plattformen zusammen, ist digitale Mode Luxus?

Luxus ist nicht an die physische Dimension gebunden. Mode ist mehrdimensional, digitale Modeerlebnisse werden Teil der Entwicklung von weltweit bekannten und aufstrebenden Luxusmarken und Designer*innen in einer zunehmend digitalen und entmaterialisierte Welt sein. Durch neue Standards und Tools sind Echtheits- und Eigentumsnachweise auch bei Luxusgütern leicht prüfbar.  Karl Lagerfeld, Vogue, Rebecca Minkoff und andere haben auf unserer Plattform digitale Modekleidung mit ihren eigenen Blockchain-basierten Profilen veröffentlicht.

Mit dem Lukso-Netzwerk können Lifestyle-Besitzer*innen ihre Stücke auf verschiedenen Ebenen der Realität tragen. Dadurch können sie ihren spezifischen Kontext und Besitz bewahren. Außerdem können Marken einheitliche Erzählungen rund um ihre Produkte bilden, die ihre Realitätsdimensionen sogar auf Spielplattformen überschreiben. Der Wert der hergestellten Stücke ist durch ihre Einzigartigkeit, Geschichte und Seltenheit bestimmt. Aber auch die Blockchain-Technologie kann diese Eigenschaften nachweisen.

Digital NFT on The Dematerialised

Quelle & Copyright by Vogue Italia

Sehen Sie eine Schnittstelle zwischen virtueller und physischer Mode oder wird digitale Mode diese in Zukunft ersetzen?

Ich glaube, dass die Zukunft immer mehr entmaterialisiert wird. Auch wenn wir in eine zunehmend digitale Welt eintauchen, physische Materialien werden immer noch eine gewisse Relevanz wahren. Physische Mode-Kleidungsstücke können tatsächlich gleichzeitig verbessert werden. Physische Fashion können authentifiziert und mit digitalen Modestücken überlagert werden, die sie mit AR-Filtern verbessern und diese Stücke zum Leben erwecken. Mit der Digitalisierung werden die kreativen Möglichkeiten der Mode grenzenlos.

Phygitals sind eine weitere Option, bei der ein Modeartikel eine physische Version und einen digitalen Zwilling (NFT) haben kann und ermöglicht es Sammler*innen den Artikel physisch als auch digital (AR/VR) zu tragen. Wenn ein Artikel ein Phygital ist, ermöglicht er auch einen Echtheitsnachweis, einen Eigentumsnachweis, direkte On-Chain-Beziehungen und andere Dienstprogramme, die der Emittent wählen kann. Bei The Dematerialised sehen wir bereits weltweit bekannte Marken, aufstrebende Marken und Designer*innen, die die vielfältigen Potenziale von digitaler Mode, NFTs und Phygitals erforschen. Bedeutet, dass digitale und physische Mode co-existieren können, aber ich glaube, dass die Zukunft wirklich entmaterialisiert ist.

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