Vom Bitcoin zum BIO-Coin? So nachhaltig kann Krypto sein

Blockchain und Krypto werden aktuell als die „grüne“ Kapital-Anlage für eine ökologische Zukunft gehandelt - ist Krypto nachhaltig? 

Krypto nachhaltig

Autor: Sarah Marie Lau

Seit seinem Launch in 2009 ist Bitcoin zur wohl bekanntesten sowie relevantesten Kryptowährung avanciert und wird mittlerweile sogar als "Bargeld des Internets" tituliert. Während dieses Potenzial zur Gründungszeit der digitalen Währung noch weitgehend unerkannt war, ist es heute nicht mehr zu leugnen: Ende Januar 2022 ergossen sich rund 18.95 Millionen Bitcoins in dezentralisierten, digitalen Geldströmen.

Kein Wunder also, dass Bitcoin einen Börsenwert von 801.8 Millionen Dollar hat. Und somit mit Abstand die ertragreichste aller verfügbaren virtuellen Währungen ist. Doch wie so oft hat auch diese Erfolgsgeschichte ihre Schattenseiten - vor allem aus ökologischer Sicht. Vielen stellen sich die Frage: Ist Krypto nachhaltig? Tatsächlich gibt es gibt Lösungen, mit ETH 2.0 und weiteren nachhaltig orientierten Kryptowährungen.

Krypto Krux: Mangelndes Commitment zu Ressourcenschonung

Grund für die Bedenken, die Bitcoin im Bereich der Nachhaltigkeit auslöst, ist vor allem die Herstellung der Kryptowährung. Das sogenannte Mining findet meistens unter erheblichem Energieverbrauch statt. Bis dato wird diese Energie allerdings nur zu einem gewissen Teil aus erneuerbaren Ressourcen generiert. So ermittelte die University of Cambridge für Bitcoin einen Energieverbrauch von 130TWh im Jahr. Praktisch entspricht das etwa einem kontinuierlichen Stromverbrauch von 15 Gigawatt für die Herstellung der digitalen Geldeinheiten.

Bedeutet: Für das Mining der Kryptowährung werden wertvolle Ressourcen verschwendet. Und das, obwohl es schon lange nachhaltige Alternativen wie erneuerbare Ressourcen sowie Energien gibt, die im Einklang mit der Kreislaufwirtschaft stehen. Problematisch ist demnach insbesondere das mangelnde Commitment der Krypto Branche, Produktionsprozesse auf erneuerbare Energien umzustellen, um die Umweltauswirkungen der Industrie zu minimieren und ein nachhaltiges New Normal zu etablieren.

Zu wenig Transparenz als Sicherheitsgefahr

Allerdings sind es nicht nur nachhaltige Ansprüche, denen die meisten virtuellen Währungen nicht gerecht werden können. Auch in Sachen Sicherheit und Kriminalität gibt es mehr und mehr Bedenken. Grund dafür ist zum einen die fehlende Transparenz auf Seiten der Krypto Unternehmen sowie andererseits ihre Verwendung dezentral organisierter Buchungssysteme wie Blockchain, die sich jeglicher Staatskontrolle entziehen. Dass die digitalen Währungen oft mit Cyberkriminalität sowie dem Darknet in Verbindung gebracht werden, ist also keine Überraschung.

Gesellschaftlicher Wandel als Treiber von Green Tech

Positive Entwicklung: Tatsächlich gehen Zeitgeist sowie die stets steigende Nachfrage umweltbewusster Konsument*innen auch an der Krypto Szene nicht spurlos vorbei. Immer mehr Companies für digitale Währungen, beispielsweise Chia, Nano, Bitteren oder Solarcoin, integrieren Corporate Social Responsibility in ihre Unternehmensphilosophie. Und setzen somit auf nachhaltiges Engagement, Umweltschutz und Verantwortung gegenüber dem Planeten sowie den Menschen.

Besonders wichtig ist es aktuell, die Pionierarbeit weniger Unternehmen in den Mainstream zu bringen und ihn perspektivisch als solchen zu etablieren. Bevor das passieren kann, braucht es allerdings einen Change of Mindset. Heißt: Die Industrie muss für die Richtigkeit und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung der Kryptowährungen sensibilisiert werden. Erst dann wird es genug Bereitschaft geben, das abstrakte Krypto Netzwerk technisch sowie konzeptionell auf eine holistisch nachhaltige Strategie umzustellen.

PoS: Zukunftsmodell für Krypto Transaktionen mit weniger Energiebedarf

Wie die Transition zu nachhaltigeren Modellen funktionieren kann, zeigt sich beispielsweise in der Einführung von Ethereum 2.0. Dabei handelt es sich um eine Reihe von Upgrades, die die Blockchain basierte dezentrale Softwareplattform skalierbarer, sicherer und umweltfreundlicher machen soll. Wie? Die modifizierte Version stellt das Netzwerk auf eine Proof-of-Stake-Blockchain um. Und senkt somit den Energieverbrauch, erhöht die Geschwindigkeit sowie die Anzahl möglicher Transaktionen und sorgt dafür, dass das Netz sicher und dezentral bleibt.

Damit markiert die Introduction der grüneren Blockchain Version den Übergang von einem Proof-of-Work-Konsens (PoW) zu einem Proof-of-Stake-Modell (PoS). Während PoW sich auf das dezentrale System, das die Blockchain antreibt, bezieht und große Energiemengen zum Validieren von Transaktionen sowie zur Prägung neuer Token benötigt, minimiert PoS den Energieverbrauch. Das System erlaubt es Minern Transaktionen basierend auf der Menge an Münzen zu schürfen und zu validieren. Das Resultat: PoS stellt deutlich geringere Anforderungen als PoW an die Hardware, sodass auch ein deutlich geringerer Energieaufwand entsteht.

Solange der Großteil an Buchungssystemen noch von komplizierten Rechenleistungen abhängt, ist es also schwierig, bessere Umweltbilanzen entlang der gesamten Industrie zu erreichen. Interessant ist allerdings die Erkenntnis, dass das internationale Finanzsystem deutlich mehr Energie als das Bitcoin Netzwerk verbraucht. So lautet die übergreifende Frage wohl eher, ob die Blockchain Technologie mit seinen Fortschritten einen Grundstein für eine nachhaltige Zukunft der Finanzwelt legt. Und seine Entwicklung insofern stärker gefördert werden sollte, um Kryptowährungen sicher, umweltfreundlich sowie in großem Maßstab zu etablieren. Somit wird Krypto nachhaltiger.

Top 5 Kryptowährungen mit Anspruch an Nachhaltigkeit

Wer sowohl in Krypto nachhaltig investieren möchte, als auch Umweltschutz hohe Priorität beimisst, hat bereits einige Optionen. Das sind die Top 5 Kryptowährungen, die innovatives Finanzmanagement mit Nachhaltigkeit harmonisieren.

    1. Cardano
    2. BitGreen
    3. IOTA
    4. Solarcoin
    5. Chia

1. Cardano

Cardano nutzt das PoS System Ouroboros. Dieses erfordert den Kauf von Token, um dem Netzwerk überhaupt beitreten zu können. Und zwar mit dem Ergebnis einer beachtlichen Energieersparnis. Im Gegensatz zu Bitcoin kann Cardano darüber hinaus knapp 1.000 Transaktionen mehr pro Stunde durchführen, ist auf globale Anforderungen skalierbar und genügt hohen Standards der Sicherheit sowie Nachhaltigkeit.

2. BitGreen

Die grüne Version des Bitcoin nutzt nicht nur PoS, sondern fördert Nachhaltigkeit darüber hinaus durch Anreize. Bedeutet: Benutzer*innen werden für umweltfreundliches Verhalten belohnt, beispielsweise für das Nutzen von Fahrgemeinschaften oder Konsumverzicht. Durch das Konzept will BitGreen sich als Anlaufstelle für NGOs und ESG-Unternehmensgruppen, die das Potenzial der Blockchain nutzen möchten, etablieren.

3. IOTA

IOTA verwendet eine alternative Technologieform, den "Tangle". Dieser kommt ohne Miner aus, sodass die Wartung auch von kleineren Geräten möglich ist. Bedeutet: Weniger Energiebedarf durch innovative Technology und nachhaltge Krypto.

4. Solarcoin

Wer Solarenergie nutzt, wird mit Solarcoins belohnt. Genauer vergütet das nachhaltige Krypto Unternehmen jede erzeugte Megawattstunde mit einem Solarcoin, um ein Incentive für die Nutzung erneuerbarer Energien zu bieten.

5. Chia

Energieentlastung durch PoS. Chia verzichtet auf Mining oder PoW Modelle und gilt so als nachhaltige Krypto. Es ist sogar möglich, Chia Coins auf dem heimischen Laptop oder PC zu speichern sowie anzubauen - was erheblich weniger Energie als herkömmliches Mining verbraucht. Als problematisch gilt allerdings die damit einhergehend steigende Nachfrage nach Hardware und somit Menge an Elektroschrott.

Ist Krypto nachhaltig?

Wie manche Unternehmen beweisen, ist die grüne Entwicklung der Krypto Technologie bereits auf dem richtigen Weg. Was es nun braucht, ist ein systematischer Wandel in der gesamten Branche. Ein global angelegter Wandel, der Nachhaltigkeit durch Investition, Innovation und wissenschaftliche Entwicklung fördert. Dass das möglich ist, zeigen immer mehr erfolgreiche Ansätze für erneuerbare Energien und Green Tech. Um es möglich zu machen, braucht es allerdings Commitment. Und ob die Industrie dieses bald aufbringt und mit seinen Green Pioneers gleichzieht, bleibt abzuwarten.

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