The Future is Now – 3D-Druck Designinnovation revolutioniert die Mode

Die österreichische Ausnahme-Designerin Julia Körner spricht über die Zukunft des 3D-Drucks als Verbund zwischen Design, Innovation und Nachhaltigkeit

Im Interview mit Julia Körner, Founder JK Design

Julia Körner Hy Clutch 3D-Druck
Julia Körner Black Panther Collaboration with Ruth Carter - Photo by Marvel Disney

Autor: Haus von Eden

Sie ist preisgekrönte Pionierin für Design im 3D-Druck. Als Architektin ist Julia Körner in die Welt der Mode eingetaucht und hat mit ihren 3D-Designs die Haute-Couture revolutioniert. Ihre Designs für Iris van Herpen waren die ersten 3D-gedrucken Kleider auf der Pariser Fashion Week. Ihre Kostüme für die Marvel Filmreihe Black Panther wurden sogar mit dem Oscar prämiert und sind weltweit in internationalen Museen ausgestellt.

Die österreichische Designerin agiert an der Konvergenz von Architektur, Produkt- und Modedesign. Unter der Brand JK3D hat sie nun ihre eigene Clutch lanciert: Pflanzenbasiertes Material, on-demand, lokal und individuell produziert. Ist das die nachhaltige Zukunft der Mode? Darüber sprechen wir mit Julia Körner ganz persönlich. Sie erzählt uns zudem warum die Natur ein Vorbild für ihre 3D-Designs sind und wie diese zukunftsträchtige Technologie massentauglich werden kann.

"Wir müssen so nachhaltig produzieren, dass wir einen Kreislauf zusammen bringen, in dem nicht nur wir überleben können, sondern auch alle Tiere und Pflanzen"

Julia Körner Portrait

Julia Körner - Photo by Ger Ger

Welcher Schlüsselmoment hat deine Passion für die 3D-Druck Technologie geweckt?

Mit 18 Jahren wollte ich unbedingt zwei Berufe erlernen: Modedesignerin und Architektin. Das war vor allem dem Einfluss meiner Großeltern geschuldet. Meine Großmutter war Schneiderin und wollte mich stets für Modesachen begeistern. Während mein Großvater, als Ingenieur, mir vor allem Ansätze der Technologie nahelegte. Daher wollte ich Architektur und Mode studieren, aber habe dann in Wien die Aufnahmeprüfung für Mode nicht bestanden. Daraufhin begann ich mit der Architektur. Heute bin ich für diesen Moment extrem dankbar, weil ich glaube, dass ich mit einer normalen Modeausbildung nicht das tun könnte was ich heute tue.

Ich hätte mir nie erträumt, dass ich dann 10 Jahre später wieder zurück zur Mode komme und mit den bekanntesten Modehäusern in Paris zusammenarbeite. Denn ohne meine Architektur-Ausbildung, hätte ich die Technologien und Methoden des 3D-Druckes wahrscheinlich nie gelernt. Als ich mit Ross Lovegrove in London das erste Mal Produktdesigns mit der 3D-Druck Technologie entwickelt habe, wusste ich das dies die Zukunft sein wird. Ich begann zu überlegen, wie ich meine eigenen Designs verwirklichen könnte.

Wie kamst Du dann von der Architektur zur Mode?

Ich habe bereits während meines Studiums an der Universität für angewandte Kunst in Wien regelmäßig mit Modedesigner*innen zusammengearbeitet. Nach meinem Studium habe ich mir gute Verbindungen mit 3D-Druck-Firmen aufgebaut. Ich habe sehr eng mit der Firma Materialise in Belgien zusammengearbeitet. Es gab dann einen Moment, wo die niederländische Haute-Couture Designerin Iris van Herpen für die Pariser Modewoche etwas mit 3D-Druck inszenieren wollte und Materialise hat mich an sie empfohlen.

Julia Körner Re-Fream

Julia Körner ARID Collection Re-FREAM - Photo by Ger Ger

Diese Designs waren die ersten 3D-Druck-Kleider überhaupt, die auch medial extrem viel Aufmerksamkeit bekommen haben und jetzt in Museen wie dem Metropolitan Museum in New York oder dem Phoenix Art Museum international vertreten sind. Daraufhin hatte ich weitere Kollaborationen mit Marina Hoermanseder, Swarovski und dem ältesten Embroidery Haus in Paris. Aber diese Kollaborationen waren immer sehr kurzläufig und es ging immer um den Show-Effekt. Ich wollte dann unbedingt mehr mit den Materialien und Geometrien ausprobieren und Recherche betreiben.

Das habe ich kürzlich auch im Rahmen des EU-Projektes Re-FREAM gemacht. Rund 9 Monate habe ich neue Technologien erforscht und dabei an ökonomischen Herstellungsmethoden gearbeitet. Zum Beispiel haben wir getestet wie man Personen 3D-scannen kann, damit sich dann der Algorithmus direkt an den Körper addiert. Das fertige Produkt wird dann lokal aus nachhaltigen Materialien gedruckt, sodass diverse Arbeitsschritte an verschiedenen Standorten vermieden werden. Mit diesen innovativen Technologien lassen sich gänzlich neuartige Produkte entwickeln.

Woher schöpfst Du Inspiration?

Eine riesige Quelle meiner Inspiration ist die Natur und die Wissenschaft. Wenn ich mich inspirieren lasse, dann schaue ich mir immer Naturphänomene an. Derzeit setze ich mich intensiv mit dem Wachstum von Pilzen auseinander. Ich forsche und züchte sogar selbst welche und lasse mich von den Geometrien und Designs inspirieren sowie von den Mustern und Wachstumsstrukturen. Das habe ich auch in eines meiner neuesten Designs eingearbeitet - Der HY Clutch.

Die Clutch ist inspiriert von dem Hymenium, also der Struktur auf der Unterseite des Portobello Mushrooms. Die Natur ist nicht nur von der Ästhetik sehr inspirierend, sondern auch von der Funktion, beispielsweise wie Dinge einfach von selbst wachsen und sich selbst erneuern und dabei auch noch sehr energieeffizient sind. In Sachen Persönlichkeiten sind für mich die Kollaborationen mit der Kostümbildnerin Ruth E. Carter immer wieder eine Quelle der Inspiration. Die Welt von Hollywood ist einfach eine ganz andere und gerade im Marvel Universe gibt es noch sehr viel zum Neuerfinden.

Julia Körner Setae-Jacket for Chro Morpho Collection by Stratasys

Was hat Dich in der Welt der Mode besonders überrascht?

In der Architektur war ich es gewohnt immer im Team zu arbeiten. Jeder hat seinen eigenen Stil, aber ist auch Experte in einer gewissen Sache. Dabei wird die Arbeit des anderen immer sehr wertgeschätzt. In der Mode habe ich nie wirklich für ein Modehaus gearbeitet, sondern es waren immer Kooperationen, wo ich quasi mein Wissen und mein Design miteingebracht habe. Da fehlt es dann manchmal aber an dieser Wertschätzung. Die Modewelt ist sehr egozentrisch und es geht immer um den einen Namen.

Bei den Modeausstellungen wurde meine Arbeit teilweise mystifiziert, zum Beispiel wurde gesagt „die Maschine hat das generiert“ oder „der Laser hat das gedruckt“. Es ist aber immer der Mensch, der den Code schreibt. Das finde ich sehr schade. Daher wissen auch viele Leute möglicherweise nicht, dass ich an manchen Projekten beteiligt war. Ich bin seit 15 Jahren in dieser Industrie tätig und war bereits bei den ersten 3D-gedruckten Kleidern involviert. Mir persönlich ist mein Team extrem wichtig, ohne die geht gar nix.

Wie kann 3D-Design Nachhaltigkeit fördern?

Der 3D-Druck ist ja schon per sé eine nachhaltige Herstellungsmethode: Weil man nur das Material verbraucht, was tatsächlich benötigt wird. Es gibt also keinen Verschleiß. Zudem gibt es die Möglichkeit pflanzliches Druckmaterial zu verwenden. Biologisch abbaubare oder pflanzenbasierte Materialien. Was ich auch extrem wichtig finde ist, dass man mit dem 3D-Druck auf Anfrage produzieren kann. Bei unserer HY Clutch produzieren wir für Kunden aus den USA in unserem Studio in L.A. und für Europa in Wien. Somit ist auch eine lokale Produktion gewährleistet und der Shipping Footprint wird reduziert. Unser Studio in L.A. arbeitet außerdem mit Solar Power und ist Low Energy Efficient.

Julia Körner Hy Clutch

JK3D HY Clutch - Photo by Elena Kulicova

Die gesamte Tasche ist aus dem selben pflanzenbasierten Material und somit vollständig vewertbar - auch wenn es ohnehin eher ein hochwertiges Langzeitprodukt ist. Darüber hinaus lässt sich das Design auch ganz einfach personalisieren. Zum Beispiel die Farben oder es lassen sich Initialen hineindrucken. Man kann jedes Design individuell anpassen, indem man den Code oder den Algorithmus leicht verändert.
Die Clutch ist das erste Produkt, was wir in Serie produzieren und sie kann innerhalb von einem Tag gedruckt werden. Ich hoffe, dass es genug Traction geben wird, sodass wir die Möglichkeit haben weitere Serien zu entwerfen. Ich sehe eindeutig das Potential, diese Methode auch auf Kleidungsstücke zu übertragen.

Was braucht es noch bis zur Massentauglichkeit des 3D-Drucks?

Es hat sich in den letzten 10 Jahren schon sehr viel getan. Man kann heute bei jedem Baumarkt einen 3D-Drucker für Zuhause erwerben. Das ist bereits ein Riesenschritt hinsichtlich der Verfügbarkeit. Je mehr Leute sich mit dieser Technologie beschäftigen, desto günstiger wird es dann natürlich auch. Es gibt aber noch nicht so viele Designer, die sich wirklich mit der Technologie auseinandersetzen. Daher mache ich auch viele Kooperationen, um mein Wissen zu teilen. Förderungen und Investitionen sind natürlich auch sehr wichtig, um Designer*innen zu helfen in diese Richtung weiter zu forschen. Unsere kreativen Projekte in Wien werden derzeit von der Wiener Wirtschaftsagentur gefördert.

Was ist Deine Design Message und Vision für die Zukunft?

Meine Message ist: “The Future is Now”. Wir müssen einfach jetzt denken, was wir jetzt machen können, was wir jetzt mit unseren Möglichkeiten haben und wie wir das jetzt umsetzen - am liebsten noch vorgestern. Ich glaube nicht an Vorhersagen, sondern mehr an die direkte Umsetzung. Dabei spielt die Natur für mich eine große Rolle. Denn wenn wir uns anschauen wie die Natur auf natürliche Art und Weise Wunder hervorbringt, können wir davon lernen, um in Zukunft Dinge so wachsen zu lassen wie die Natur es tut. Wir müssen so nachhaltig produzieren, dass wir einen Kreislauf zusammenbringen, in dem nicht nur wir überleben können, sondern auch alle Tiere und Pflanzen. Hierbei spielt 3D-Druck meiner Meinung nach eine große Rolle.

Vielen Dank für das Interview Julia Körner

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