COP28 in Dubai: Weltgemeinschaft ringt um entscheidende Klimamaßnahmen

Die COP28 steht vor der Herausforderung, dringende Klimaschutzmaßnahmen zu beschließen, während Spekulationen über den Konferenzpräsidenten Zweifel an den Ergebnissen wecken

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Autor: Haus von Eden

  • Vom 30. November bis zum 12. Dezember 2023 wird in Dubai die 28. UN-Klimakonferenz (COP28) abgehalten
  • Es ist von entscheidender Bedeutung, dass auf der Konferenz dringend zusätzliche und schärfere Maßnahmen zum Klimaschutz beschlossen werden, um die vordefinierten Ziele zu erreichen
  • Die Tatsache, dass der Präsident der Konferenz gleichzeitig CEO einer Ölgesellschaft ist, gibt Anlass zu Spekulationen und lässt in der Öffentlichkeit Zweifel an den zu erwartenden Ergebnissen der COP28 aufkommen

Vom 30. November bis zum 12. Dezember versammelt sich die Weltgemeinschaft in Dubai, den Vereinigten Arabischen Emiraten, zur 28. Klimakonferenz der Vereinten Nationen, der COP28. Die Einladung von Präsident Muhammad bin Zayid Al Nahyan an alle Staats- und Regierungschefs verdeutlicht die Dringlichkeit der Thematik. Die Leitung der Konferenz obliegt Sultan Ahmed Al Jaber, dem Vorstandsvorsitzenden der nationalen Ölgesellschaft Adnoc. Seine Rolle löste unter Umweltschützer:innen Bedenken hinsichtlich möglicher falscher Intentionen aus. Die bevorstehende COP28 markiert einen entscheidenden Moment für die Welt, da sie gemeinsam Maßnahmen zur Bewältigung der Klimakrise erarbeiten muss. Der Fokus liegt darauf, Fortschritte nicht in Jahrzehnten, sondern in Monaten zu messen.

Was ist die COP?

Die COP, oder Konferenz der Vertragsparteien (Conference of the Parties), ist ein jährliches Treffen, bei dem sämtliche UN-Mitgliedsstaaten zusammenkommen, um gemeinsam einen Plan für Maßnahmen zum Klimaschutz zu entwickeln. Die erste COP fand 1995 in Berlin statt, während die letzte Veranstaltung im vergangenen Jahr in Sharm El Sheikh, Ägypten, stattfand. Der Ursprung der Konferenz liegt in dem Bestreben, den Klimawandel einzudämmen.

Die Verfolgung dieses Ziels erfolgt durch Diskussionen und Bewertungen von Fortschritten in der Bekämpfung des Klimawandels sowie durch die Erstellung von Plänen für Klimamaßnahmen, die im Einklang mit den Richtlinien des UNFCCC (Übereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen) stehen.

Die UN-Mitgliedstaaten entsenden ihre Vertreter:innen zu diesen Verhandlungen. Zusätzlich zu den offiziellen Delegationen nehmen Beobachterorganisationen, Industrievertreter:innen und Lobbyist:innen teil. Innerhalb des UN-Systems verfügen alle Länder, unabhängig von ihrer Größe oder Macht, über das gleiche Stimmrecht. Entscheidungen können nur durch den Konsens aller Vertragsparteien und einstimmige Zustimmung getroffen werden.

Entscheidungen vergangener COPs

Im Verlauf der Jahre hat die COP zunehmend an Bedeutung und Aufmerksamkeit gewonnen. Zahlreiche bedeutende Entscheidungen wurden getroffen, und Maßnahmen wurden ergriffen, um Fortschritte bei der Eindämmung der Klimasituation zu erzielen. Zwei herausragende Meilensteine in diesem Prozess waren das Kyoto-Protokoll von 1997 und das Pariser Abkommen von 2015.

Auf dem 3. COP im Jahr 1997 in Kyoto, Japan, wurden erstmals rechtlich bindende Ziele und Fristen für Treibhausgas-Emissionshöchstmengen für Industrienationen festgelegt. Strategien und Maßnahmen wurden im Rahmen des Kyoto-Protokolls dokumentiert. Auf der 18. COP im Jahr 2012 wurde das Protokoll für weitere acht Jahre bis 2020 verlängert.

Die wohl bekannteste Konferenz der Vertragsparteien war die COP21, die 2015 in Paris stattfand und die Geburtsstunde des Pariser Abkommens markierte. Im Fokus dieses Abkommens stand die Verpflichtung jedes Landes, Umweltanstrengungen zu verfolgen, darüber zu berichten und alle fünf Jahre im Rahmen einer globalen Bestandsaufnahme die Fortschritte zu bewerten. Ein entscheidender Aspekt war die Vereinbarung, den globalen Temperaturanstieg auf 2°C zu begrenzen. Bei der COP26 im Jahr 2021 wurde dieser Grenzwert auf 1,5°C gesenkt, da ihm eine noch größere Bedeutung beigemessen wurde.

Auf der COP27 im letzten Jahr wurde festgestellt, dass die Zielmarke von 1,5°C mit den gegenwärtigen Maßnahmen noch nicht erreichbar ist. Um die Emissionen ausreichend zu reduzieren, müssen Staats- und Regierungschefs sowie ihre Organisationen zusätzliche, dringliche Maßnahmen zur Emissionsreduktion und -eliminierung ergreifen.

Warum ist der COP28 wichtig?

Nachdem in den vergangenen Jahren die entscheidenden Details des Pariser Klimaschutzabkommens verhandelt und festgelegt wurden, rückt die COP28 nun in den Fokus der Umsetzung dieses Abkommens und der Steigerung von Ambitionen und Maßnahmen.

Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten Nationen verdeutlichen, dass die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 43 % gegenüber dem Stand von 2019 reduziert werden müssen. Diese Reduktion ist von entscheidender Bedeutung, um den Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen und die schwerwiegendsten Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern.

Die COP28 bietet die Gelegenheit, globale Lösungen zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad zu erarbeiten. Dabei soll sie unterstützen, dass Länder ihre Vorbereitungen, für die bis 2025 anstehenden überarbeiteten und ambitionierteren Nationalen Klimapläne vorantreiben, den bereits im Gange befindlichen grünen Wandel beschleunigen und letztlich die Ziele des Pariser Abkommens erfolgreich umsetzen.

Was kann von der COP28 erwartet werden?

Die bevorstehende COP28 bietet der Welt die Chance, den globalen Fortschritt im Bereich Klimaschutz und -wachstum voranzutreiben.

Für die anstehende Konferenz in Dubai wird mit einer Teilnehmerzahl von rund 70.000 gerechnet. Dieses vielfältige Spektrum umfasst Staats- und Regierungschefs der UN-Klimarahmenkonvention, Wirtschaftsführer:innen, Klimawissenschaftler:innen, indigene Völker, Journalist:innen und weitere Expert:innen und Interessenvertreter:innen. Sogar Papst Franziskus wird erwartet. Neu ist, dass Stakeholder wie emissionsintensive Sektoren und privatwirtschaftliche Unternehmen aus dem Öl- und Gasbereich erstmals in die Konferenz einbezogen werden.

Das Hauptziel der diesjährigen COP28 besteht darin, konkrete Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels abzustimmen. Die Diskussionen auf der Konferenz müssen in mehreren Arbeitsbereichen voranschreiten. Dazu gehört die Ausarbeitung von Finanzierungsdetails für Verluste und Schäden, um gefährdete Gemeinschaften bei der Bewältigung unmittelbarer Klimaauswirkungen zu unterstützen. Ebenso soll ein globales Finanzierungsziel vorangetrieben werden, um die Bemühungen von Entwicklungsländern bei der Bewältigung des Klimawandels zu finanzieren. Weitere Schwerpunkte sind die Beschleunigung der Energiewende und eines gerechten Übergangs, die Schließung der Emissionslücke und andere relevante Themen. Die COP28 wird sich darüber hinaus auf Initiativen zur Anpassung an den Klimawandel und zur Eindämmung des Klimawandels konzentrieren. Diese Initiativen sind in vier Untergruppen unterteilt: Gesundheit, Wasser, Nahrung und Natur.

Die erste globale Bestandsaufnahme

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der ersten globalen Bestandsaufnahme, die durch das Pariser Abkommen initiiert wurde. Dabei handelt es sich um einen Bericht, der eine umfassende Bewertung der Fortschritte seit Inkrafttreten des Pariser Abkommens enthält. Dieser zweijährige Prozess soll im Fünf-Jahres-Rhythmus stattfinden und begann erstmals im Jahr 2022.

Die Auswertung der ersten vollständigen Bestandsaufnahme steht nun auf der COP28 an. Gleichzeitig wird angestrebt, die nächste im Jahr 2028 durchzuführen. Das Ziel dieser Premiere ist es, die Fortschritte seit dem Pariser Abkommen zu dokumentieren und zu bewerten. Die bereits im Oktober 2023 veröffentlichten Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Welt noch nicht den angestrebten Weg eingeschlagen hat. Dies gibt Anlass für die UN-Mitgliedsstaaten, auf der COP28 über ihre Reaktionen auf diese Ergebnisse zu verhandeln und notwendige Anpassungen zu diskutieren.

Könnte der diesjährige Präsident die COP28 ‚sabotieren‘?

Jedes Jahr wird für die Konferenz der Vertragsparteien (COP) eine Präsidentin oder ein Präsident vom Gastgeberland ernannt – eine Repräsentantin oder ein Repräsentant des Landes, der oder die die Konferenz leitet. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich in diesem Jahr für Sultan Ahmed Al Jaber, den CEO der Nationalen Ölgesellschaft Adnoc, entschieden. Es gibt Spekulationen, dass mit ihm als Präsident möglicherweise ein Interessenkonflikt auftritt.

Auf der COP27 im Jahr 2022 lag der Schwerpunkt der Verhandlungen auf der konkreten Umsetzung des Kohle-, Gas- und Ölausstiegs, wie im Klimapakt von Glasgow vereinbart. In der Abschlusserklärung haben sich die teilnehmenden Staaten darauf geeinigt, einen gemeinsamen Fonds zur Bewältigung klimabedingter Schäden zu schaffen. Gleichzeitig haben sie ihren Entschluss bekräftigt, schrittweise aus der Kohle auszusteigen. Gemeinschaftlich haben sie sich dazu bekannt, das Ziel zu verfolgen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Ob das Ziel in der diesjährigen Konstellation weiterhin mit vollem Einsatz verfolgt wird wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

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