Weltklimabericht: IPCC spricht Warnung aus und fordert Sofortmaßnahmen

Beispiellose Klimaextreme und eine Intensivierung der Erderwärmung alarmieren - Das zeigt der Weltklimabericht des IPCC. Dafür aber auch, was jetzt zum Schutz des Planeten getan werden kann 

Umweltbelastung Fabrik
    • Weltklimarat IPCC spricht Warnung aus, menschgemachter Klimawandel fast unumkehrbar
    • Wetter- und Klimaextreme verschärfen sich weltweit
    • Trotz prekärer Situation ist es möglich, den Verlauf des Klimawandels  zu beeinflussen

Es passiert, was eigentlich schon alle wussten

Menschliche Aktivitäten haben das Klima vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum vergangenen Jahrzehnt um 1,07 Grad Celsius erwärmt. Das deklariert der erste Teil des sechsten Berichts des Weltklimarats IPCC, der am 09. August 2021 veröffentlicht wurde. Dieser macht eindeutig, dass der Einfluss der Menschen eine Erwärmung der Atmosphäre, der Ozeane und des Landes bewirkt hat. Bald wird es unmöglich sein, die Erwärmung der Erde um 1,5 Grad Celsius zu verhindern, wenn nicht sogar über 2 Grad Celsius zu überschreiten. Damit ist das Ausmaß der Veränderungen sowie der gegenwärtige Zustand im gesamten Klimasystem über viele Jahrhunderte hinweg beispiellos.

"Dieser Bericht ist ein Realitätscheck. Wir haben jetzt ein viel klareres Bild über das vergangen, gegenwärtige und zukünftigen Klima, was entscheidend ist, um zu verstehen, wohin wir gehen, was getan werden kann und wie wir uns vorbereiten können."

(Masson-Delmotte, Paläoklimatologin, Co-Vorsitzende der IPCC-Arbeitsgruppe)

Der IPCC Bericht spricht eine klare Warnung aus

Die Konsequenz sind Wetter- und Klimaextreme wie Hitzewellen, Starkniederschläge, Dürren und tropische Wirbelstürme. Die Erwärmung soll in den nächsten 20 Jahren das 1,5 Grad Ziel überschreiten, sofern keine sofortigen Maßnahmen getroffen werden. Erst jüngste Ereignisse wie das Hochwasser in Deutschland oder die Brände in Griechenland verdeutlichen die Dringlichkeit und Relevanz der Ergebnisse.

Der moralische Aspekt sollte zudem nicht ungeachtet bleiben. Studien von McKinsey beweisen, dass die ärmsten Gemeinschaften oft am wenigsten zum Klimawandel beitragen, aber am stärksten davon betroffen sind. Auch in städtischen Regionen seien sozial Benachteiligte, Minderheiten, Behinderte und Frauen von den Folgen der Wetterextreme am stärksten betroffen. Zudem legte kürzlich ein Report der Swiss Re nahe, dass auch die Wirtschaft starke BIP Verluste als Folge des Klimawandels erleben wird.

Somit bedarf es jetzt kurzfristiger sowie drastischer Handlungen. Der Reduktion von Treibhausgasemissionen und positiver Commitments zum Schutz des Klimas. Während viele Auswirkungen inzwischen unvermeidbar sind, gibt es nämlich noch immer viele, produktive Handlungsmöglichkeiten, um den zukünftigen Verlauf des Klimawandels umzulenken. Das 1,5 Grad-Ziel sei nicht außer Reichweite. Dafür müssen die Folgen bis spätesten 2050 begrenzt werden, d.h. Netto-Null-Emissionen anstreben sowie industrieseitig eine schnelle und kurzfristige Dekarbonisierung.

Jede Region wird unterschiedlich betroffen sein

Die Erwärmung unterscheidet sich in Abhängigkeit von Regionen - sie ist in der Arktis doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt. Was die Menschen erleben, bestimmt somit ihr Standort. Allerdings geht der Bericht davon aus, dass die Klimaveränderungen in den kommenden Jahren in allen Regionen zunehmen. Während eine globale Erwärmung von 1,5 Grad Celsius dabei zu häufigeren Hitzewellen sowie längeren warmen und kürzeren kalten Jahreszeiten führe, würden Hitzeextreme bei einer Erwärmung von 2 Grad Celsius häufiger kritische Toleranzschwellen für Landwirtschaft und Gesundheit erreichen.

IPCC

© IPCC

Wie sich das Klima in einer bestimmten Region genau verändert hat, lässt sich durch eingängige Infografiken auf #ShowYourStripes einsehen. Nach dem einfachen Prinzip einen Kontinent und anschließend ein Land auszusuchen, generiert das Programm zumeist von 1901 bis 2020 ein Diagramm der örtlichen Erderwärmung. Die Infografik erstellt jeweils die Mitteltemperatur eines Jahres und reiht diese in Form von schmalen Farbstreifen aneinander, sodass ein Strichcode entsteht. Mit hellblau für kühl und dunkel rot für sehr warm, lässt sich die Erderwärmung im Laufe der Jahre erkennen. Im folgenden repräsentativ für den gesamten Planeten.

ShowYourStripes

Average Temperature Earth 1850-2020 | © Show Your Stripes

5 Risiko Prognosen des IPCC Berichtes 

Abgesehen von der Temperatur, bringt der Klimawandel in verschiedenen Regionen unterschiedliche Veränderungen mit sich. Es geht um Veränderungen bei Wind, Schnee und Eis, Nässe und Trockenheit sowie Küstengebieten und Ozeanen. Bei den vehementesten Veränderungen geht es um:

  1. Intensivierung des Wasserkreislaufs
  2. Anstieg des Meeresspiegels
  3. Veränderung der Ozeane
  4. Rückgang des Eises
  5. Wetterextreme

1. Intensivierung des Wasserkreislaufes

Die Intensivierung des Wasserkreislaufes durch den Klimawandel fördert zwei Extreme: Niederschlag und damit verbundene Überschwemmungen sowie Dürren. Kurzum schwere Regen- sowie Trockenperioden. Häufigere Starkregen in hohen Breitengraden und der Pazifikregion, wie z.B. in Asien sowie Westafrika, sowie eine Abnahme von Regenfällen in Teilen der Subtropen und Tropen.

2. Anstieg des Meeresspiegels

Der Meeresspiegel wird in den Küstengebieten weiter ansteigen. Selbst im optimistischen Szenario des IPCC. Die Folge: Häufige, schwere Überschwemmungen in niedrig liegenden Gebieten sowie Küstenerosionen. Und somit extreme Meeresspiegelereignisse, die es zuvor nur einmal in hundert Jahren gab - nun aber jährlich auftreten könnten.

3. Veränderung der Ozeane

Prognostiziert werden mehr marine Hitzewellen und die Erwärmung, Versauerung sowie geringerer Sauerstoffgehalt der Ozeane. Und zwar in klarem kausalen Zusammenhang mit der Erderwärmung. Durch diese Veränderungen werden sowohl die Ökosysteme der Ozeane als auch die an Küsten lebenden sowie auf sie angewiesenen Menschen betroffen.

4. Rückgang des Eises

Laut IPCC verstärkt der menschgemachte Temperaturanstieg das Auftauen der Permafrostböden, den Verlust der saisonalen Schneedecke, das Abschmelzen der Gletscher sowie den Verlust des arktischen Meereises. Auch das Abschmelzen von Grönlands Eisschild steht in starkem Zusammenhang mit menschlichen Aktivitäten, während diese Sicherheit nicht für das antarktische Eisschild gilt Ganz sicher ist allerdings, dass das Eis unwiederruflich weiter schmelzen wird.

5. Wetterextreme

Weltweit treten mehr und mehr Wetter- sowie Klimaextreme auf. Da schon sehr kleine Veränderungen der Temperatur große Auswirkungen haben können, seien derartige Extreme immer häufiger zu erwarten. Besondere Risiken sieht der IPCC in Städten sowie Küstenregionen. Grund dafür sind zum einen die dichte Bebauung, durch die Hitzewelle gravierend ausfallen könnten. Andererseits müssen sich Orte am Meer aufgrund von Überschwemmungen, Starkniederschlägen und dem Anstieg des Meerespiegels auf mehr Flutereignisse einstellen.

IPCC-Climate-Change-2021-Report-Human-activities-are-making-extreme

© IPCC

Was sind die Implikationen?

Obwohl es viele Auswirkungen des Klimawandels gibt, die nicht mehr umkehrbar sind, gibt es positive Commitments zur Begrenzung dieser. Dafür führt der Bericht eine physikalisch-wissenschaftliche Sicht an: Die kumulativen CO2 Emissionen, andere Treibhausgasemissionen und CH4-Emissionen müssen verringert werden. Diese Verringerung verbessert wiederum Aerosolverschmutzung und die Luftqualität. Das gibt einen Lichtblick hinsichtlich Gestaltungs- beziehungsweise Optimierungsspielraum.

Mit Spannung ist der COP26 (UN-Klimakonferenz) im November in Glasgow zu erwarten, wo langfristige Emissionsreduktionsziele und kurzfristige Sofortmaßnahmen vorgelegt werden sollen. Der COP26-Gipfel wird alle Parteien zusammenbringen, um Maßnahmen zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens und der UN-Klimarahmenkonvention zu beschleunigen.

Weltklimarat - Work in Progress

Im Gegensatz zum fünften Sachstandsberichts der IPCC, macht der neue sechste einige Fortschritte. Genauer, spiegelt er wichtige Fortschritte in der Attributionsforschung, der Wissenschaft der Rolle des Klimawandels bei der Intensivierung bestimmter Wetter- und Klimaereignisse. Das Ergebnis: Erstmals werden einzelne Wettereignisse klar dem Klimawandel zugeordnet. Die Forscher*Innen berechnen, inwieweit der Klimawandel Veränderungen wie Wetterextreme wahrscheinlicher gemacht hat. Und zeigen, dass Ereignisse, beispielsweise Hitzewellen im Westen der USA, mit hoher Sicherheit nicht ohne den menschgemachten Klimawandel möglich gewesen wären. Fakten statt Vermutungen. Beweise statt Rechtfertigungen.

Ebenso innovativ: Die genaue Adressierung sogenannter Kipppunkte. Punkte, deren Überschreiten eine irreversible Veränderung des Klimasystems bewirkt. Damit lässt sich die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen bestimmen, dessen Eintreten durch das Entweichen von CO2 in die Atmosphäre ausgelöst werden würde. Gleichzeitig verzeichnen die Wissenschaftler*Innen einen deutlichen Fortschritt bei der sogenannten Klimasensitivität. Dem Maß, wie empfindlich die Erde auf mehr Treibhausgase reagiert.

Über den IPCC

Der Bericht basiert auf den Arbeiten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), dem UN-Gremium für die wissenschaftliche Bewertung des Klimawandels. 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) gegründet, erleichtert der IPCC es politischen Entscheidungsträgern wissenschaftliche Bewertungen des Klimawandels, seiner Auswirkungen und Risiken zu verstehen, sowie  Anpassungs- und Abschwächungsstrategien zu entwickeln. Für die IPCC-Reports bewerten Forscher*Innen aus 195 Mitgliedsstaaten wissenschaftliche Arbeiten, die jedes Jahr zum Klimawandel veröffentlicht werden. Die daraus resultierenden Berichte gelten als Konsens der Forschungsgemeinschaft. 

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