Wasserfreie Kosmetik verspricht Gesundheit für Haut & Umwelt

Clean Beauty Update: Ist wasserfreie Kosmetik die nachhaltige Lösung für reine Haut und einen sauberen Planeten?

wasserfreie Kosmetik
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Autor: Sarah Marie Lau

Nachhaltig, vegan, organisch - und jetzt auch noch wasserfrei? Während Clean Beauty sich mittlerweile von der Nische zum Standard verantwortungsvoller Marken entwickelt hat, gehörte wasserfreie Kosmetik bisher nicht unbedingt zu den trendweisenden Schlagwörtern rund um den Hype. Die Ingredienz Wasser wurde eher bedenkenlos als Basis für Kosmetika benutzt, da ihre Hydration mit strahlend junger Haut sowie angenehmen Texturen assoziiert wird. Demgegenüber wurden ihre Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit und dementsprechend auch die Umweltbilanz der Beauty Branche allerdings zu selten betrachtet. Doch genau das soll sich jetzt ändern.

Immer mehr Brands erkennen das ungenutzte Potenzial wasserfreier Kosmetik und sehen sie nicht nur als Lösung für gesunde Haut, sondern auch für gift- und plastikfreie Kosmetika, nachhaltige Verpackungsalternativen und die steigende Wasserknappheit, die 44% der Weltbevölkerung betrifft. Ein wichtiger Schritt, da Marken ihren Wasserfußabdruck - die Gesamtmenge an Süßwasser, die für die Produktion von Waren und Dienstleistungen verwendet wird - noch lange nicht so ernst nehmen wie ihren CO2 Footprint. Neben Clean Beauty bestimmt heutzutage also auch Waterless Beauty den nachhaltigen Diskurs der Kosmetikindustrie.

Was genau ist wasserfreie Kosmetik?

Waterless Beauty stammt aus dem Zentrum für innovative Pflege- und Schönheitsprodukte: Südkoreas Hauptstadt Seoul. Und wie der Name schon andeutet, bezeichnet der Begriff die gesamte Range an Beauty Produkten, die auf Wasser verzichten. Stattdessen verwendetet wasserfreie Kosmetik diverse Öle, Lipide, Balms und Butter-Formulationen. Damit setzt der Trend ein klares Statement gegen den Großteil von Beauty Produkten, da Wasser eine der häufigsten Bestandteile in herkömmlichen Kosmetika ist.

Grund dafür ist, dass Wasser als Nährboden für Feuchtigkeit und somit strahlend junge Haut gilt und zudem die Produktkonsistenz im Sinne angenehmer Texturen verbessert. Genauer ist Wasser ein ebenso preiswertes wie wirksames Lösungsmittel, das Inhaltsstoffe wie Pflanzenextrakte oder Fruchtsäuren besser für die Haut verfügbar macht. So kann es auch dazu verwendet werden Produkte zu verdünnen, damit sie sich besser verteilen lassen und ein leichtes Hautgefühl vermitteln. Das Problem dabei ist allerdings, dass diese Hydro Vorteile die negativen Auswirkungen wasserhaltiger Produkte auf die Gesundheit sowie die Umwelt überschatten.

Welche Vorteile hat Waterless Beauty?

Ein wichtiger Vorteil ist, dass der Verzicht auf Wasser der Bildung von Keimen, Bakterien und Pilzen vorbeugt. Wo Wasser ist, ist nämlich auch Leben. Um das zu Vermeiden benutzen Beauty Brands Konservierungsstoffe oder Alkohol - Ingredienzen, die aufgrund ihrer negativen Gesundheit- sowie Umweltauswirkungen nicht in Naturkosmetik zulässig sind. Laut LOLI Beauty Gründerin Tina Hedges lassen wasserfreie Kosmetika es demgegenüber zu, auf weniger und umweltfreundlichere Konservierungsstoffe zurückzugreifen. Bedeutet: Wasserhaltige Pflege fördert entweder das Wachstum von Bakterien oder den Gebrauch von schädlichen Mitteln, um sie zu bekämpfen.

Auch die hohe Konzentration wertvoller Zutaten gilt als Vorteil von Waterless Beauty. Da Wasser in herkömmlicher Kosmetik nämlich oft nur als wirkungsfreier Füllstoff dient, beinhalten wasserfreie Produkte mehr aktive Inhaltsstoffe. Das resultiert in einer höheren Wirkstoffdichte, die das Produkt wesentlich ergiebiger und somit langlebiger macht. Positiver Nebeneffekt: Durch die verlängerte Haltbarkeit sowie die höhere Wirksamkeit müssen Konsument*innen weniger verwenden, weshalb sie anfallenden Abfall reduzieren und Marken weniger produzieren müssen.

Weiterer Benefit: Wasserfreie Kosmetik ist kompakter und somit auch leider zu transportieren, was nicht nur ihre Verpackung und die Verwendung von Kunststoffen, sondern auch ihren CO2 Fußabdruck reduziert. Darüber hinaus sind viele verantwortungsvolle Brands an einer holistisch nachhaltigen Agenda interessiert und verfolgen somit über Wasserfreiheit hinaus auch andere Commitments wie die Verwendung innovativer Verpackungsalternativen.

Unsere Top 8 Picks für wasserfreie Kosmetik

  1. Aura Multi Stick von Vapour
  2. Showerless Shampoo von SWAIR
  3. Tuchmaske von Charlotte Tilbury
  4. "In the Buff" Conditioner von Ethique
  5. Hochpigmentierter Lidschatten von Shamanic
  6. 2-In-1 Reinigungspulver von LOLI Beauty
  7. Face Elixir von Pinch of Colour
  8. Makeup Entferner von SBTRCT

1. Aura Multi Stick von Vapour

Pionier in Sachen Clean und Waterless Cosmetics: Vapour Beauty arbeitet seit fast 20 Jahren in Richtung 100% Wasserfreiheit. Und schafft es heute in stolzen 97% aller Produkte auf Wasser zu verzichten. Statt Wasser sind sie also voll von pflegenden Pflanzenextrakten und nährenden antioxidativen Ölen. Diese haben ganz ohne fragwürdige Inhaltsstoffe eine natürliche Wirksamkeit und versorgen die Haut effektiv mit Nährstoffen. Als wäre das Makeup Hautpflege. Favoritenpotenzial: Der Aura Multi Stick ist sowohl in Sachen Funktionalität als auch in puncto Nachhaltigkeit ein Allrounder. Nach dem Motto "One & Done" eignet er sich nämlich für Wangen, Lippen sowie Augen. Und verleiht jeder Partie einen frischen Glow durch die Feuchtigkeit des Inhaltsstoffes Bio-Sonnenblumenöl aus verantwortungsvoller Wertschöpfung.

waterless cosmetic lippenstift

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2. Showerless Shampoo von SWAIR

Hinter dem duschfreien Shampoo steckt eine nachhaltige Alternative zu klassischem Trockenshampoo, das Haare ohne Schaum, Spülung oder Rückstände reinigt. Und zwar ganz einfach. Das Showerless Shampoo muss lediglich aufgesprüht werden, sodass die innovative Formel mit dem Haar interagiert und ihm Schmutz sowie Schweiß entzieht. Anschließend kann das Haar mit einem Handtuch getrocknet werden. Das Besondere: Im Gegensatz zu herkömmlichen Trockenshampoos wäscht das vegane Shampoo die Haare tatsächlich tiefenrein statt Puder sowie Chemikalien nur zum Aufbau von Textur aufzusprühen. Laut Aussagen der Brand können Konsument*innen mindestens 1180 Liter Wasser pro Jahr sparen, wenn sie Showerless Shampoo zwei Mal pro Woche anstelle eines herkömmlichen Shampoos benutzen.

wasserfreie kosmetik

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3. Tuchmaske von Charlotte Tilbury

Die trockene Tuchmaske wurde von den technischen Innovationen der koreanischen Schönheitspflege und somit dem Capital der Waterless Beauty inspiriert. Kein Wunder also, dass sie mit hochwirksamen Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Blumenextrakten, Peptiden und Ölen angereichert wird. Wasser Fehlanzeige. Dafür aber hydrierte, strahlende sowie prall aussehende und Haut. Grund dafür ist die wissenschaftliche Entwicklung der Hautpflege: Das Textilgewebe der Maske ist mit winzigen Vektoren der Inhaltsstoffe durchsetzt, wodurch ein biomimetisches System entsteht, das die Ingredienzen langsam in den Teint einziehen lässt. Extra Plus: Die Maske ist bis zu drei Mal verwendbar und setzt somit ein eindeutiges Statement gegen die Wegwerfmentalität. Ein Problem, dass besonders im Bereich von Masken, Peelings und Patches drastisch zum ökologischen Fußabdruck der Beauty Branche beiträgt.

wasserfreie kosmetik maske

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4. "In the Buff" Conditioner von Ethique

Die festen Conditioner Bars von Ethique sind nicht nur frei von Wasser, Palmöl und Parfüm, sondern auch von jeglichen anderen kontroversen Stoffen. So besteht die Formel des verantwortungsbewussten Labels aus fairem Babassuöl, THC-freiem Hanföl und Kakaobutter. Zudem wird der aus der Büschelbohne gewonnene Stoff Guar verwendet, da er den Haaren sowohl Schutz, als auch Geschmeidigkeit verleiht. Der Clue an "In the Buff" ist also, dass das Produkt holistisch nachhaltig ist. Die Key Facts: Der Conditioner ist vegan, biologisch abbaubar sowie carbon-positive und spart pro Riegel 5 Plastikflaschen herkömmliche Spülung sowie 5050 Milliliter Wasser. Sogar die Verpackung ist kompostierbar und Konsument*innen sorgen pro Kauf dafür, dass ein Baum gepflanzt wird.

wasserfreie kosmetik ethique

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5. Hochpigmentierter Lidschatten von Shamanic

100% wasserfreie Naturkosmetik Made in Germany. Genauer stammt die Clean Beauty aus einer eigenen Manufaktur, die rundum nachhaltige und vegane Schönheitspflege auf Basis kaltgepresster Pflanzenöle aus dem Amazonasgebiet herstellt. Die dafür verwendeten Pflanzen, Nüsse, Früchte sowie Harze werden in ethischer Zusammenarbeit von indigenen Völkern nach schamanischen Kriterien per Hand geerntet, sorgsam gepresst und anschließend in reinster Form nach Europa gebracht, um in der Manufaktur komprimiert zu werden. Neben Haut- und Haarpflege bietet Shamanic auch hochpigmentiertes Makeup an. Beispielsweise 30 organische Multi-Use Lidschatten, die sich auch als Eyeliner, Highlighter oder Lippenstift eignen.

wasserfreie kosmetik lidschatten

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6. 2-In-1 Reinigungspulver von LOLI Beauty

Beauty Revolution aus lila Maiskörnern - einem hochantioxidativen Superfood. Das vegane Reinigungspulver lässt sich entweder als Peeling oder Maske anwenden. Als Peeling löst es sanft trockene Schüppchen ab und poliert die Haut zu strahlender Leuchtkraft - und zwar ganz ohne Mikroplastik. Als Pflegemaske klärt das Pulver die Haut und verfeinert die Poren. Für die Anwendung müssen lediglich zwei Teelöffel Pulver mit zwei Teelöffeln Wasser, Hydrosol oder Essig vermischt und je nach Präferenz aufgetragen werden. Das Ergebnis: Eine hochwirksame Pflegebehandlung, die Unebenheiten sowie Ausbrüche reduziert und trockene Stellen beseitigt. Extra Plus: All die Pflegeeffekte entstehen aus der Kraft der Natur.

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7. Face Elixir von Pinch of Colour

Mit seiner Gründung 2016 war Pinch of Colour die weltweit erste Marke für 100% Waterless Beauty. Allerdings geht das Commitment weit über die Pflegeprodukte hinaus: Die Beauty Brand arbeitet mit einer Vielzahl gemeinnütziger Initiativen wie "Clean Water for Children" zum Wasserausgleich und nutzt seine Nettoeinnahmen, um bedürftigen Gemeinden sauberes Trinkwasser, Hygiene und sanitäre Einrichtungen bereitzustellen. Neben den samtigen - und mittlerweile recht bekannten - Lippenfarben von Pinch of Colour umfasst das Sortiment auch das Skin Therapy Waterless Face Elixir. Ein feuchtigkeitsspendendes Gesichtsöl aus Jojoba, Néroli, Sonnenblumen und Aprikosen, das antioxidativen Schutz bietet.

pinch of color oil

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8. Makeup Entferner von SBTRCT

SBTRCT, gesprochen Subtract, möchte den drei größten Herausforderungen der Beauty Industry begegnen: Wasserverschwendung, Plastikverschmutzung und der Abhängigkeit von Palmöl. Kein Wunder also, dass die Marke 100% frei von Wasser, Plastik und Palmöl ist. Das Produkt dieser Commitments sind feste Pflegeprodukte wie Cremes, Cleanser und Makeup Entferner. Damit bietet SBTRCT Naturkosmetik in seiner nachhaltigsten Form an. Und zwar ohne Kompromisse in Sachen Design einzugehen. Product-to-Watch: Das cruelty-free Makeup Melt besteht aus anti-bakteriellen Algen und wäscht sogar hartnäckige Schönheitsprodukte wie wasserfeste Mascara ab.

waterless cosmetic sbtrct

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Probleme mit wasserfreier Kosmetik

Das Problem mit Waterless Beauty? Nur weil die Ingredienzen frei von Wasser sind, bedeutet das nicht gleich, dass auch die Produktion sowie die Verwendung der Produkte wasserfrei ist. Und da der Trend noch nicht den Mainstream erreicht hat, gibt es auch keine verbindlichen Kriterien oder Ansprüche an holistisch wasserfreie Kosmetik. Das resultiert darin, dass Wasser entlang der gesamten Wertschöpfungskette verschwendet wird und zum Wasserfußabdruck von Unternehmen beiträgt.

Eine weitere Herausforderung: Pflanzen und somit die natürlichen Inhaltsstoffe brauchen viel Wasser um zu gedeihen. Entsprechend müssen regenerative sowie biodynamische Anbaumethoden, Innovationen zur Trockenlegung von Produktionsprozessen und alternative Feuchtigkeitsextrakte aus Fruchtabfällen oder Algen in Zukunft stärker von der Beauty Industry forciert werden.

Ist wasserfreie Kosmetik die Zukunft der Beauty Branche?

Waterless Beauty ist ein wichtiges Konzept, um die Kosmetikbranche in eine nachhaltigere Richtung zu lenken und den CO2 sowie Wasserfußabdruck von Unternehmen und auch Konsument*innen zu reduzieren. Dennoch muss auf beiden Seiten noch mehr passieren: Marken müssen auch in ihrer Produktion Wasser reduzieren, Verbraucher*innen Wasser verantwortungsvoll und sparsam nutzen. Letztendlich gilt nämlich auch bei Wasser die klassische Devise "Less is More".

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