Viva con Agua – Die All Profit Organisation

Viva con Agua setzt sich für eine Welt ohne Durst ein. Im exklusiven Interview verrät Mitgründer Tobias Rau wie das funktioniert und wie Sie gerade in Zeiten von Corona aktiv werden können

Tobia Rau CEO via con agua
Tobias Rau Geschäftsführer Viva con Agua (Photograph Lars Jockumsen)

Autor: Haus von Eden

Tobias Rau ist Vorstandsvorsitzender und Mitbegründer des Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. Aus der Motivation heraus, etwas Nützliches mit Spaß zu verbinden, steht Viva con Agua heute für eine NGO der Kreativität und Sinnstiftung. Und das funktioniert: Über die unterstützten Projekte konnten bereits mehrere Millionen Menschen weltweit mit einem Zugang zu sauberem Trinkwasser versorgt werden.

Im exklusiven Interview verrät Rau das Erfolgskonzept von Viva con Agua, diskutiert aktuelle Herausforderungen durch COVID-19 und zeigt, wie mühelos sich jeder sozial engagieren kann.

Engagement muss Spaß machen - Der Universal Language Approach

Diese Einstellung ist in der Gründungshistorie von Viva con Agua verankert. Damals waren wir jung und hatten das Ziel, Entwicklungszusammenarbeit mit dem zu verbinden, was uns Spaß macht. Daher haben wir von Anfang an auf den Universal Language Approach gesetzt, also die universellen Sprachen: Musik, Kunst und Sport. Diese verbinden Kulturen und Menschen aus aller Welt. So ist die Idee entstanden, Dinge, die wir selbst gerne machen, mit etwas Sinnvollem oder Nützlichen zu verbinden.

Bei Viva Con Agua sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt

Partizipation, Mitbestimmung und Selbstverwirklichung sind wichtige Aspekte für ein ehrenamtliches Engagement. Als wir anfingen Konzerte, Ausstellungen, Fußballspiele und Sportevents zu organisieren, um Spenden zu sammeln, fiel es uns leicht, Künstler sowie Prominente zu akquirieren. Vermutlich, weil wir in ihrem natürlichen Umfeld unterwegs waren.

Wir haben gemacht, was uns Spaß bereitete - und wenn man Spaß bei etwas hat, dann macht man es auch mit Leidenschaft und meistens besser. Um sich bei Viva con Agua zu engagieren, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Jeder hat die Möglichkeit, sich so einzubringen, dass Interesse es seinen Interessen entspricht. Ein Künstler kann ein Bild malen, ein Musiker ein Konzert spenden - von Kirschkernweitspucken bis Volleyball ist alles möglich. Letztendlich geht es darum, Gleichgesinnte zu treffen und sich gemeinsam für ein höheres Ziel einzusetzen.

viva con agua

Projekt Äthiopien © by Endalk Photography für Viva con Aqua

Wasser für Alle und Alle für Wasser

Das ist unsere Vision und die meinen wir ernst. In der idealen Viva con Agua Welt haben alle Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitärer Grundversorgung. Im besten Falle sollen maximal viele Leute ihren Beitrag dazu leisten und sich engagieren. Unsere Aufgabe ist es dabei, Leute zu inspirieren, sie zu sensibilisieren und zu motivieren.

Während sich manche Leute mit Zeit engagieren, ist auch eine Spende oder der Kauf eines unserer Produkte Engagement für Viva con Agua. Mit unseren Produkten geben wir Leuten die Möglichkeit durch eine Kaufentscheidung etwas Gutes zu tun. Alle Aktivitäten unterstützen unsere Wasser-Projekte.

Der Mehrwert unseres Viva con Agua Wassers liegt also nicht nur darin, den eigenen Durst zu löschen, sondern gleichzeitig anderen Menschen Zugang zu sauberem Wasser zu ermöglichen. Das gleiche Prinzip gilt für unser Social Business Goldeimer: mit dem Kauf des sozialen Klopapiers unterstützt man Wasser- und Sanitärprojekte weltweit.

Wir sind die "Wir gehen nicht auf die Nerven NGO"

Dass Leute ihr Engagement selbst bestimmen und die eigenen Interessen dabei einbringen können, spricht für sich: Tausende Ehrenamtliche sowie Künstler werden für Viva con Agua aktiv. Dabei wollen wir Engagement auch niederschwellig möglich machen: Niemand muss sich verbiegen oder seine Grenzen überschreiten.

Je nach individueller Lebenssituation ist Drop- In Drop-Out möglich: Man kann sich einmalig, regelmäßig oder über viele Jahre hinweg einbringen. Das kommt auf die eigene Bereitschaft an, was wir auch so kommunizieren - Gerade im NGO Sektor sind Authentizität und Transparenz total wichtig.

In den Projekten ist uns wichtig, dass wir auf Augenhöhe mit den Menschen vor Ort zusammenarbeiten. In den meisten Fällen lernen wir mehr als wir geben können. Auf Projektreisen suchen wir deshalb immer direkten Kontakt zu Locals und bringen den Ansatz der universellen Sprachen ein, um auf freudvolle Weise eine Verbindung aufzubauen.  Mit diesem Vehikel sind kulturelle und sprachliche Unterschiede leicht überbrückbar.

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Tobias Rau, Geschäftsführer Viva con Agua © by Henrik Wiards

Klimaneutralität und Nachhaltigkeit werden groß geschrieben

Die Unterstützung von Viva con Agua und der Kauf unserer Produkte finanzieren unsere weltweiten Projekte. Die Wasserprojekte sind langfristig und nachhaltig angelegt und folgen dem WASH-Dreiklang (Water, Sanitation and Hygiene), beinhalten also immer auch die Komponenten Sanitär- und Hygieneversorgung, um den dauerhaften Zugang zu sauberem Trinkwasser zu gewährleisten.

Während wir also grundsätzlich das Trinken von Leitungswasser promoten, da es ökologisch viel nachhaltiger ist als Wasser aus der Flasche zu trinken, wollen wir gleichzeitig maximal viele Flaschen verkaufen.

Bei der Produktion unserer Wassers wird Nachhaltigkeit groß geschrieben. Wir versuchen so klimaneutral wie möglich unterwegs zu sein. Klar, wir fliegen zu unseren Projekten, das ist unvermeidbar. Dafür kompensieren wir aber und es gilt: keine Inlandsflüge, CO2 neutrale Wasser-Produktion, regionale Abfüller und Lieferanten. Da der Klimawandel unter anderem Dürren zur Folge hat und den Grundwasserspiegel maßgeblich beeinflusst, ist er eng mit unseren Projekten verbunden, weshalb wir auch auf Klima- und Umweltschutz achten.

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© by Stefan Groenveld für Viva con Agua

COVID-19 macht Hygiene und sauberes Trinkwasser wichtiger denn je

Aktuell, aufgrund der Corona Pandemie, fallen unsere Projektreisen flach. Und auch finanziell bemerken wir eine ordentliche Delle, da viele unserer analogen Aktivitäten sowie Events nicht stattfinden können. Dass diese Gelder nun nicht in Trinkwasser- und Sanitärprojekte fließen können, ist insofern problematisch als dass sie wichtiger sind denn je, da sauberes Trinkwasser und Hygiene zur COVID-19 Prävention beitragen.

Als Konsequenz versuchen wir nun Gelder einzusparen, fragen proaktiv nach Spenden, priorisieren Projekte und versuchen Formen des Engagements sowie Veranstaltungen in die digitale Welt zu übersetzen. An sich haben wir aber schon pre-Corona, Corona Prävention betrieben.

Von Beginn an bildet WASH den Grundpfeiler unserer Projekte. Das beinhaltet sauberes Wasser, Toiletten und Hygiene. Wir vermitteln diesen WASH-Dreiklang über die universellen Sprachen in Workshops und Schulungen.

Soziales Engagement geht auch digital

Durch Corona hat Viva con Agua stark an seiner digitalen Infrastruktur gearbeitet. Das ist wohl ein positiver Aspekt von COVID-19. Durch das Wegbrechen analoger Aktivitäten haben wir viel in die digitale Welt transformiert und unsere digitale Infrastruktur optimiert. Beispielsweise haben wir unsere Transparenz verbessert: Was passiert mit dem Euro den ich spende? Zudem haben wir eine große Plattform, den Pool, auf der sich Leute engagieren und zu Aktivitäten anmelden können.

Online Konferenzen und Instagram Streams haben zudem für Reichweite gesorgt. Das Digitale ist einfach praktisch und ist heutzutage total wichtig, gerade für die Skalierung. Dennoch: Es ist und bleibt eine Ergänzung. Bei allen Vorteilen lässt sich persönlicher Kontakt nicht ersetzen, weshalb wir uns sehr darauf freuen, bald wieder analog unterwegs zu sein. Ich kenne niemand der ein Like, einer echten Umarmung vorziehen würde.

Äthiopien war unser erstes Projekt in Afrika

Von allen Projekten ist Äthiopien für mich persönlich ein emotionales Projekt. 2006 war das unser erstes Projekt auf afrikanischem Boden. Seitdem bin ich eigentlich mindestens einmal im Jahr vor Ort und pflege eine langjährige Freundschaft mit den Leuten.

Zum einen arbeiten wir dort mit der Welthungerhilfe, zum anderen aber auch mit lokalen, äthiopischen Organisationen. So schaffen wir Arbeitsplätze und stärken - was für uns besonders relevant ist - den Ownership Gedanken. Werden Brunnen gebaut, so gehören sie den Leuten dort, sie bezahlen einen Eigenanteil und kümmern sich um die Verwaltung. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe mit Blick in die Zukunft.

What's Next?

Als wir 2005 anfingen, hat sich keiner von uns vorstellen können, dass Viva con Agua mal das wird, was es heute ist. Tag zu Tag haben wir uns weiterentwickelt - Learning by Doing. Dieses Jahr haben wir 15. Geburtstag und wissen wiederum nicht, was 2030 sein wird.

Sicher ist allerdings, dass unsere Geschichte noch nicht fertig erzählt ist. Wir werden somit auch zukünftig weitere soziale Geschäftsmodelle anschieben und Produkte auf dem Markt etablieren, die das Ziel, Wasser und sanitäre Anlagen weltweit zu realisieren, unterstützen.

Und auch in Sachen Aktivitäten für Spenden ist das kreative Potential lange nicht ausgeschöpft. Wir laden jeden dazu ein, mitzumachen und eigene Ideen einzubringen. Als Leitfaden dafür erscheint im Dezember unser Viva con Agua Buch - quasi eine Anleitung in 15 Schritten zum Aktivismus.

Solange wir mit Herz und Engagement bei der Sache bleiben, wird sich Viva con Agua weiterhin positiv entwickeln.

Herzlichen Dank für das Interview, lieber Tobias! 

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