Die Wahrheit über Palmöl – Schädlich für Gesundheit & Umwelt?

Palmöl ist ein schädliches Produkt für Mensch und Umwelt, dabei bietet das Problem auch Potential mit innovativen Lösungen eine ganze Wirtschaft nachhaltiger zu gestalten

palmoil tree in the sky

Autor: Hanna

Was haben Schockoladenaufstrich, Kekse, Gebäck, Tütensuppen, Lippenstift sowie Waschmittel gemeinsam? Sie alle enthalten Palmöl. Jedes zweite Produkt im Supermarkt beinhalten einen der wichtigsten Rohstoffe der Welt. Vielen Konsumenten ist nicht bewusst, dass sie mit ihrem Griff ins Supermarktregal ihre Gesundheit und vor allem den Zustand unserer Umwelt stark beeinflussen. Bei der Produktion von Palmöl entstehen krebserregende Schadstoffe. Darüber hinaus zerstört die wachsende Zahl an Ölpalmen-Plantagen kontinuierlich den Regenwald. In welchen Produkten ist Palmöl enthalten, gibt es nachhaltiges Palmöl und was können wir tun? Antworten gibt es hier.

Warum ist Palmöl ungesund und in welchen Lebensmitteln steckt es überhaupt?

Auch wenn Palmöl in vielen Produkten zum Einsatz kommt, ist es nicht das hochwertigste Pflanzenfett, da es einen hohen Anteil an gesättigten, das heißt ungesunden, Fettsäuren aufweist. Bei der Produktion des Pflanzenfettes entstehen außerdem höhere Mengen an Fettschadstoffen, wie zum Beispiel 3-MCPD-Fettsäureester. Diese Stoffe stehen im Verdacht Krebs zu erregen. Vor allem Kinder nehmen bei einer ungünstigen Kombination aus palmölhaltigen Lebensmitteln schnell eine Menge dieser Schadstoffe zu sich, die deutlich über dem tolerierbaren Grenzwert liegt. Langfristig kann die Aufnahme von zu viel gesättigten Fettsäuren in Palmöl zu Gefäßverkalkung und Diabetes führen.

Wie kann es sein, dass Hersteller trotz dieser negativen Einflüsse, immer noch auf Palmöl zurückgreifen? Der Rohstoff bietet viele vorteilhafte Eigenschaften, von denen Produzenten profitieren möchten. Seine hohe Hitzebeständigkeit macht es für die Herstellung diverser Produkte äußerst attraktiv. Neben seinem günstigen Preis, lässt es sich außerdem besonders vielfältig und einfach verarbeiten. Aus diesem Grund finden wir Palmöl auch in so vielen verschiedenen Produkten des täglichen Lebens. Nur 5% des weltweit konsumierten Palmöls werden für Strom- oder Wärmeproduktion genutzt. Die restlichen 95% stecken in Lebensmitteln und Artikeln, die wir jeden Tag verwenden.

indigene menschen vor palmöl pflanze

Die folgenden Produkte enthalten häufig Palmöl:

Palmöl ist sehr vielfältig einsetzbar und findet sich daher nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in Kosmetik und Waschmittel.

  • Butter oder Margarine
  • Brotaufstriche – süß und herzhaft
  • Schokolade & Pralinen
  • Kekse, Gebäck und Eis
  • Babynahrung & Säuglingsmilch
  • Fertiggerichte & Tütensuppen
  • Waschmittel
  • Kosmetika
  • Seifen
  • Kerzen

Deshalb schadet der Konsum von Palmöl der Umwelt

Doch nicht nur unserer eigenen Gesundheit schadet der Konsum von Palmöl, sondern auch langfristig unserer Umwelt. Um möglichst schnell der wachsenden Nachfrage an Palmöl nachkommen zu können, finden in den Regenwaldgebieten Indonesiens immer häufiger grausame Brandrodungen statt, bei denen bedrohte Tierarten, wie die Orang Utans, aus ihrem Lebensraum vertrieben werden. Um bessere Anbaubedingungen für die Ölpalmen zu schaffen, erfolgt zudem die Trockenlegung des Regenwaldbodens, wodurch er zusätzliches CO2 freisetzt. Regelmäßige Waldbrände, die durch die Brandrodungen hervorgerufen wurden, zerstören weitere Hektar Regenwald und lokale Gemeinden. Somit das Zuhause vieler indigener Gemeinschaften.

Der Einsatz des in der EU verbotenen Herbizids Paraquat belastet die vielen Plantagenmitarbeiter gesundheitlich. Bereits in kleinen Dosen ist es für Menschen schädlich. Schutzanzüge stehen den Angestellten nicht zur Verfügung. Übelkeit, Haut- und Atemwegserkrankungen bei der Bevölkerung sind Folgen vom Unkrautbekämpfungsmittel, das in das Trinkwasser gelangt. Wissenschaftler beobachten die Verbreitung des Parasiten Plasmodium knowlesi mit Sorge, denn er tritt inzwischen von Affen auf Menschen über und infiziert die Betroffenen mit Malaria. Auch hier ist ein Zusammenhang mit der Regenwaldzerstörung die Ursache des Problems.

palmöl frucht

Lösungsansätze: Palmöl-Hersteller und Verbraucher müssen umdenken

Da Palmöl in so vielen verschiedenen Produkten Anwendung findet, kann die Industrie nicht komplett darauf verzichten. Es ist im Vergleich zu anderen pflanzlichen Ölen sehr effizient im Anbau und darüber hinaus auch vielfältig einsetzbar. Verbraucherzentralen und Umweltschützer fordern schon lange strengere Kontrollen für die Herkunft des verarbeiteten Palmöls. Hersteller müssen dazu gedrängt werden, nur noch nachhaltig erzeugtes Palmöl aus ökologischem Anbau zu verwenden. Das gängige RSPO-Zertifikat in ein guter Ansatz, aber lange nicht genug. Laut WWF ist aber auch ein Palmöl-Boycott nicht die Lösung.

Ein staatlich anerkanntes Siegel, das intensiven Kontrollen unterliegt, könnte beim Verbraucher für mehr Transparenz sorgen und Kaufentscheidungen entsprechend beeinflussen. Die Angaben „Palmöl“, „Palm“ oder „Palmfett“ sind Indikatoren für die Verwendung des Rohstoffs in Lebensmitteln. Kosmetik- und Waschmittelhersteller sind bisher nicht dazu verpflichtet, Palmöl in den Inhaltsstoffen aufzulisten. Gefragt sind zudem innovative Alternativen, die von den großen Unternehmen wie Mondelez, Ferrero, Nestlé, P&G oder Unilever angestoßen werden könnten.

Letztendlich können wir alle mit der eigenen Kaufentscheidung zur Entschärfung des Problems beitragen, indem wir uns für einen kritischen und bewussteren Konsum von Lebensmitteln und verarbeiteten Produkten entscheiden.

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