Wie nachhaltig sind Anlagestrategien mit ESG Investitionen wirklich?

Warum Banken in klimaschädliche Projekte investieren und ob ESG Anlagen die Lösung sein können

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Autor: Lara-Sophie Buckow

Mit den zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels wird das Bewusstsein über die Konsequenzen unserer persönlichen Entscheidungen und Taten immer größer. Oftmals hört das Bewusstsein allerdings bei den Finanzen und Geldanlagen auf. Nicht unbedingt aus Desinteresse, sondern einfach auf Grund von fehlenden Informationen und Wissen sowie der Komplexität.

So passiert es, dass die meisten Banken das angelegte Geld der Kund*innen in lukrative, aber oft klimaschädliche Projekte, wie zum Beispiel fossile Brennstoffe, investieren. Moderne Finanzdienstleister wie Aspiration oder Tomorrow bieten als FinTech Vorreiter eine umweltfreundliche Alternative zum klassischen Banking. Die grüne Alternative für Anlagen sollen zudem ESG Investition bieten. Diese sind in letzter Zeit jedoch oft in die Kritik geraten. Was es damit auf sich hat erfahren Sie hier.

Das steckt hinter ESG

In Sachen Geldanlage scheint der Markt übersättigt von Angeboten, die oftmals den Werten des nachhaltigen Verbrauchers nicht entsprechen. Das magische Dreieck der Geldanlage hat bislang ausschließlich die wirtschaftlichen Anlageziele "Sicherheit, Verfügbarkeit & Rendite" in Betracht gezogen. Die Lösung: Aus dem Dreieck wird ein Viereck. Environment, social and governance (ESG) Investments, also Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsinvestitionen als Lösung für das Investieren im Einklang mit persönlichen Werten.

  • Environment: Bei den Umweltaspekten soll es grundlegend darum gehen, inwieweit sich die Unternehmen mit ihren Auswirkungen auf die regionale sowie internationale Umwelt auseinandersetzt. Fallen beispielsweise toxische Abfallprodukte an? Wie findet die Entsorgung statt? Agiert die Firma klimaneutral?
  • Social: Unter den sozialen Aspekten soll beurteilt werden, inwieweit sich das Unternehmen mit seinem sozialen Einfluss auseinandersetzt und nutzt. Hierbei geht es vor allem um Menschen aus Minderheiten, welche gesellschaftlich oftmals benachteiligt sind.
  • Governance: Unter diesem Punkt soll vor allem die Management- sowie Führungsebene analysiert werden. Wie sieht die Gestaltung von Veränderungen innerhalb der Führungsebene aber auch innerhalb des gesamten Unternehmens aus? Wird auf Diversität auch innerhalb von Managementpositionen geachtet und wie ist der Umgang mit Mitarbeiter*innen.

Es geht bei ESG Unternehmen also vor allem um die Inklusion sowie Wertschätzung aller involvierter Parteien.

Keine standardisierte Rating-Methode

Die Bewertung von Unternehmen auf deren ESG Attribute wird von Rating-Agenturen übernommen. Das sind Agenturen wie unter anderem MSCI ESG Research, Sustainalytics von Morningstar, Institutional Shareholder Services (ISS) oder Bloomberg und S&P. Zur Bewertung analysieren diese Firmen öffentlich verfügbare Dokumente wie Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte, Struktur sowie Aufbau des Vorstandes aber auch Vergütung und Unternehmenspolicen. Für jede Kategorie, also Environment, Social sowie Governance, stehen mehrere unterschiedliche Dokumente für die Untersuchung sowie Bewertung zur Verfügung.

Das Problem: Jede Agentur hat ihre eigene Vorgehensweise und Skala für die ESG-Bewertung. Das Bewertungssystem von MSCI ESG Research beispielsweise geht von Endnoten AAA bis CCC aus. Wohingegen Sustainalytics Unternehmen in verschiedenen Risikogruppen bewertet. Doch auch der Prozess, die Vorgehensweise und die Gewichtung der verschiedenen Faktoren ist unterschiedlich. Bislang gibt es also kein einheitliches Verfahren.

Vorteile von ESG Investments

Im Vergleich zu breiter aufgestellten Indexen, haben sich Portfolio auf ESG Basis in der Vergangenheit zum Teil sogar besser entwickelt. Somit stehen sie in Sachen Rentabilität vorne an. Fest steht, die Investition in Firmen, die sich verstärkt für die Umwelt sowie gegen den Klimawandel einsetzen hat zur Folge, dass mehr Maßnahmen in diese Richtung möglich sind.

Außerdem entsteht durch die Verlagerung von Finanzmitteln zu grünen Geldanlagen womöglich das Bewusstsein bei anderen Unternehmen, ihre Strategie zukünftig zu überdenken und sich auch mehr für nachhaltige Werte stark zu machen. Ob dies bei allen Unternehmen mit gutem ESG Rating der Fall ist, ist jedoch fraglich.

ESG Unternehmen gleich ethische Unternehmen?

Unternehmen mit guten ESG-Bewertungen werden aufgrund ihrer Prüfung auf Umwelt und Soziales oft automatisch mit ethisch vertretbaren Firmen gleichgesetzt. Nicht selten ist dies jedoch ein Trugschluss. Bei der Bewertung im Rahmen eines ESG-Ratings sind diese Aspekte zwar berücksichtigt, allerdings geht es auch darum, wie wirtschaftlich ein Unternehmen bereits heute ist und in Zukunft sein wird. Deswegen ist es auch für Unternehmen der Tabakindustrie oder der Ölproduktion möglich, positive ESG-Ratings zu erhalten.

Wer also in ESG-Portfolios investieren möchte, sollte sich darüber bewusst sein, dass es auch hier am Ende ums Geld geht und deswegen auch Unternehmen mit hohen Profitchancen inkludiert sind. Wer seine Werte und Investitionen unabhängig einer starken Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens vereinen möchte, für den eignet sich eine Socially Responsible Investing (SRI) Strategie. Hier hat man die Möglichkeit Unternehmen aus dem Portfolio zu schließen, die nicht den persönlichen Werten entsprechen.

Irreführungen der Ratings

Auch wenn das Grundprinzip hinter ESG Finanzanlagen ein Gutes ist, gilt Vorsicht bei der Auswahl. Nach Angaben einer Studie der MIT Management Sloan School, stimmen die ESG-Bewertungen der Rating-Agenturen im Durchschnitt nur zu 61% überein. Vor allem die Verwendung verschiedener Indikatoren sei mit rund 50% Hauptursache für die Unterschiede.

Übersicht unterschiedlicher ESG Ratings und deren Differenzen zu anderen Ratings

Vergleich unterschiedlicher ESG Bewertungen, Source & Copyright by MIT Management Sloan School

Zudem ist es möglich, dass Konzerne in unethischen oder klimaschädlichen Industrien, wie beispielsweise der Waffen- oder Ölindustrie sehr gute Ratings erhalten, da sie auf Management-Ebene in Sachen Governance sehr gut abschneiden. Umgekehrt ist es möglich, dass Firmen, dessen soziale Sparte oder Unternehmensführung Verbesserungspotential hat, schlechtere Ratings erhalten, obwohl sie mehr im Einklang mit UN-Vorgaben und Zielen agieren.

Alles nur ein Hype oder steht ein Wandel der Finanzwelt bevor?

Das Interesse für Nachhaltigkeit ist schon lange nicht mehr nur ein vorübergehender Trend. Es hat sich zum regelrechten Eco-wakening entwickelt. Nachdem in Sachen Fashion, Mobilität oder Architektur der Wandel in Richtung umweltfreundlichem Handeln sowie nachhaltigen Geschäftsmodellen boomt, ist es an der Zeit, dass auch die Finanzindustrie hinterherzieht. Denn was bringt der umweltfreundliche Lebensstil, wenn das Geld auf dem Sparkonto oder Investitionen im Depot in umweltschädliche Unternehmen oder Bereiche fließt.

Bei Geldanlagen ist, aufgrund der oft undurchsichtigen oder überwältigenden Portfolios, die Angst vor Greenwashing hoch. Doch die Angebote sind da. Es gibt immer mehr Fonds oder ETFs, die nachhaltig sind. Klar ist, dass das ESG-System Verbesserung, Vereinheitlichung und Transparenz Bedarf. ESG-Ratings können nicht blind vertraut werden und stiften oftmals mehr Verwirrung. Nun ist es an der Zeit, Klarheit sowie Sicherheit für Anlagestrategien zu schaffen, um durch grüne Investments den nachhaltigen Wandel voranzubringen.

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