Instabile Lieferketten: ökonomische Challenge und ökologische Chance

Ob unsichere Schifffahrtsrouten oder Naturkatastrophen – viele Faktoren sorgen derzeit für instabile Lieferketten. Doch genau diese Probleme in der Supply Chain könnten zu Katalysatoren für innovative Lösungen werden, die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit verbinden

instabile Lieferketten

Autor: Haus von Eden

Etwas 12 Prozent des Welthandels laufen über das Rote Meer. Dieses ist über den Suezkanal mit dem Mittelmeer verbunden. Die Passage ist der kürzeste Seeweg zwischen Asien und Europa. Doch diese Route ist derzeit für Handelsschiffe kaum passierbar. Seitdem die jemenitische Huthi-Miliz im November 2023 angekündigt hatte, aus Solidarität mit der Hamas, Schiffe jeglicher Nationalität an der Durchfahrt im Roten Meer zu hindern, wurden bereits zahlreiche Frachter angegriffen – und ein Ende ist nicht in Sicht.

Große Reedereien wie die dänische Maersk oder die deutsche Hapag-Lloyd wählen derzeit daher den vorsichtigen Kurs. Sie leiten ihre Schiffe über die wesentlich längere Route um das Kap der guten Hoffnung an der Spitze Südafrikas um. Die Folgen: 10.000 zusätzlich Seemeilen pro Schiffsladung, bis zu 10 Tage oder mehr verlängerte Lieferzeiten und extra Kosten in bis zu sechsstelliger Höhe pro Tag. Für billige Waren aus Asien steigt somit zunehmend der Preis und damit auch das Bewusstsein bei vielen Unternehmen, dass es mit der bisherigen Praxis nicht weitergehen kann. So könnten die instabilen Lieferketten zu einem Treiber für ein längst fälliges Umdenken werden – hin zu mehr Transparenz und Nachhaltigkeit entlang der Supply Chain.

Wie lassen sich instabile Lieferketten nachhaltig stärken?

In unserer globalisierten Welt sind die Lieferketten oft komplex und weitverzweigt. Sie erstrecken sich über Kontinente und Länder hinweg, umfassen zahlreiche Zwischenhändler und Zulieferer. Diese Komplexität birgt Risiken. Die eingangs genannte Unsicherheit auf den Weltmeeren ist nur eine von möglichen Herausforderungen. Auch Unterbrechungen der Lieferketten aufgrund von Naturkatastrophen oder durch politische Unruhen sowie Streiks von Arbeiter:innen in den produzierenden Ländern gehören dazu.

Immer mehr Unternehmen erkennen daher, dass neue Praktiken notwendig sind, um diese Risiken entlang der Supply Chains zu minimieren und langfristig erfolgreich zu sein. Laut einer  aktuellen Nachhaltigkeitsstudie von Miebach Consulting  ist schließlich bei den meisten Firmen die Motivation zu Nachhaltigkeit an den Effizienzgedanken und Kostenreduzierungen gebunden. Der ökonomische Druck könnte somit zu einem Katalysator für den ökologischen Wandel werden. Denn viele Lösungen, die für das Problem der instabilen Lieferketten auf dem Tisch liegen, zahlen auch auf das Thema Sustainability ein.

Von den folgenden Ansätzen profitieren Unternehmen wirtschaftlich. Sie bieten aber auch Benefits für Umwelt- und Soziales:

  1. Lokale Beschaffung: Die Regionalisierung der Lieferketten kann die Abhängigkeiten von globalen Lieferanten und damit das Risiko für Lieferverzögerungen oder Ausfälle verringern. Die lokale Beschaffung reduziert die Transportkosten und senkt zeitgleich die CO2-Emissionen.
  2. Ressourcenschonung: Durch Recycling und Wiederverwendung von Materialien können Abhängigkeiten von knappen Rohstoffen reduzieren werden. So lassen sich nicht nur Lieferunsicherheiten vorbeugen. Auch die Ausbeutung von Bodenschätzen im globalen Süden und die damit verbundenen Belastungen für die regionale Bevölkerung können auf diese Art reduziert werden.
  3. Transparenz: Eine transparente Lieferkette ermöglicht es, potenzielle Risiken frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren. Digitale Technologien können dabei helfen, die Rückverfolgbarkeit von Produkten entlang der gesamten Supply Chain zu gewährleisten. Somit wird es möglich, nicht nur die rechtzeitige Lieferung, sondern auch die tatsächliche Einhaltung von Umwelt- und Sozialstandards zu überwachen.
  4. Diversifizierung der Lieferanten: Die Diversifizierung von Lieferanten führt dazu, dass Abhängigkeiten reduziert und Risiken von Lieferengpässen minimiert werden. Auf der anderen Seite hilft sie auch kleineren Manufakturen mit hohen Arbeits- und Lohnstandards, am Markt zu bestehen, der bisher von großen Produzenten und Dumping-Anbietern dominiert wird.

Konflikte zwischen ökonomischen und ökologischen Zielen

Wenn Stabilität und Sustainability entlang der Lieferkette Hand in Hand gehen können, warum sind die nachhaltigen Ansätze noch nicht längst Standard? Dafür gibt es verschiedene Erklärungen. So kann die Umstellung auf nachhaltige Praktiken zunächst mit höheren Kosten verbunden sein. Denn Investitionen in umweltfreundliche Technologien und Materialien sind oft teurer als konventionelle Alternativen. Daher sind sie besonders für kleine und mittelständische Unternehmen schwer zu stemmen. Die Umstellung auf nachhaltigere sowie resilientere Lieferketten erfolgt zudem nicht über Nacht. Zunächst müssen das alte Lieferketten-Geflecht entwirrt, neue Lieferanten gefunden und Produktionsprozesse angepasst werden. Auch die vollständige Rückverfolgbarkeit und Transparenz entlang der Supply Chain ist eine logistische sowie technische Herausforderung.

Mit Innovationen gegen instabile Lieferketten und für mehr Nachhaltigkeit

Die Zukunft der Supply Chains wird stark durch technologische Innovationen und Digitalisierung geprägt sein. Technologien wie das Internet der Dinge (IoT), Künstliche Intelligenz und Blockchain ermöglichen eine höhere Transparenz und Effizienz der Lieferketten. So können IoT-Sensoren Echtzeitdaten liefern, die Unternehmen dabei helfen, den Status ihrer Lieferungen zu überwachen und potenzielle Engpässe frühzeitig zu erkennen. KI kann Muster in den bisherigen Lieferketten analysieren und Vorschläge zu einer effizienteren und nachhaltigeren Gestaltung geben. Blockchain-Technologie bietet eine sichere und transparente Methode zur Rückverfolgung von Produkten. So haben auch Konsument:innen bessere Möglichkeiten, tatsächlich nachhaltige Produkte zu identifizieren. Es wird also in Zukunft eine Kombination aus Technologie, menschlicher Expertise und nachhaltigem Handeln wichtig sein, um resilientere, effizientere und ökologischere Supply Chains zu gestalten.

Fazit: Nachhaltige Unternehmen steuern besser durch unruhige Gewässer

Instabile Lieferketten zwingen Unternehmen dazu, ihre bisherigen Geschäftspraktiken zu überdenken. Es gilt, nachhaltige Lösungen zu finden, um den wirtschaftlichen Erfolg zu sichern und resilient gegenüber geopolitischen Spannungen, Naturkatastrophen und anderen unerwarteten Ereignissen zu werden. Durch das Ausrichten ihrer Lieferketten an nachhaltigen Faktoren wie der Minimierung des Ressourceneinsatzes oder der Verkürzung der Transportwege können Unternehmen nicht nur Risiken minimieren, sondern auch die Umwelt schonen. Damit tun sie nicht nur etwas Gutes für den Planeten, sondern haben ein weiteres Verkaufsargument für ihre Produkte. Nachhaltiges Handeln erweist sich somit als Schlüsselstrategie, um den Anforderungen einer zunehmend komplexen und unsicheren globalen Wirtschaft gerecht zu werden. Nachhaltigkeit in der Supply Chain ist also kein Nice-to-have, sondern wird zukünftig eine Notwendigkeit für den wirtschaftlichen Erfolg sein!

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