Green Looks Great: Im Interview mit Fair Fashion Bloggerin Mary

Seit 2017 beweist Mary auf ihrem Blog Green Looks Great, dass Nachhaltigkeit und Stil sich mühelos miteinander verbinden lassen. Im Interview verrät sie, wie das geht  

Green Looks Great
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Autor: Haus von Eden

Seit 2017 betreibt Mary erfolgreich ihren Fair Fashion und Green Lifestyle Blog Green Looks Great. Hier beweist sie, dass Stil und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen können. Und das so authentisch wie nur möglich: Da die Marketing Managerin nämlich selbst Bedenken hatte, ihr Mode Faible lasse sich nicht mit Eco-Fair-Fashion vereinbaren, besticht Marys Blog durch ihre intensive Recherche sowie exklusiv ehrliche und persönliche Tipps, Tricks und Einschätzungen.

Im Interview erzählt Mary, wie sie Nachhaltigkeit im Alltag lebt, wiederlegt klischeehafte Annahmen, dass Ästhetik und Öko-Mode sich ausschließen, teilt ihre besten Fair Fashion Tipps und gibt Experteneinsichten in die Zukunft der Modeindustrie.

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Egal wie, mein Kleiderschrank wird fair und nachhaltig

Umwelt- und Tierschutz spielen für mich bereits seit meiner Kindheit eine große Rolle. Über die Jahre beschäftigten mich immer mehr die negativen Entwicklungen in der Landwirtschaft, der weltweite Raubbau an natürlichen Ressourcen oder die Verschmutzung der Weltmeere. Später kam dann auch immer stärker das Thema soziale Gerechtigkeit dazu. Und trotzdem war ich ziemlich Shopping-süchtig – als Ausgleich für einen sehr stressigen Job.

Als ich dann Anfang 2016 den Film ‚The True Cost‘ sah, hatte ich mein Aha-Erlebnis. Am selben Abend entschied ich: Egal wie, mein Kleiderschrank wird fair und nachhaltig! Einerseits hatte ich zwar Bedenken, dass sich mein Faible für Mode nicht mit Eco-Fair Fashion vereinbaren lässt. Andererseits wollte ich mir selbst beweisen, dass sich Stil und Nachhaltigkeit nicht ausschließen. Ich recherchierte intensiv und war positiv überrascht, wie viele nachhaltige, trendige Modelabels existieren.

Ich wollte für mich selbst und für andere mit dem Vorurteil aufräumen, dass Öko-Mode öde ist

Die Idee für den eigenen Blog war recht schnell geboren. Mit Styles für die Frau ab 30 - und mit Looks, die sich auch fürs Büro eignen. Es gibt so viele Frauen, die wie ich Mode lieben und sich nachhaltiger kleiden wollen. Mein Grundgedanke: Hier kann ich anderen Frauen helfen, indem ich meine Erfahrungen teile und Outfit-Inspirationen mit Hintergrundinformationen zu fairer Mode kombiniere.

Je mehr ich dann in das Thema eingestiegen bin, umso mehr habe ich die Komplexität von Mode mit ihren politischen und technologischen Dimensionen dahinter erkannt. Es gibt so viel zu entdecken und zu lernen. Und genau das ist das Spannende daran!

Nachhaltig leben ist für mich Ausdruck meiner Wertschätzung für andere Menschen, Tiere und die Umwelt

Nachhaltig leben bedeutet für jeden etwas Anderes. Denn bisher gibt es keine eindeutige Definition für Nachhaltigkeit. Und was für den Lebensstil und für das Budget einer Person funktioniert, lässt sich nicht eins zu eins auf andere Personen übertragen.

Ich weiß, dass mein privilegierter Lebensstil Teil des Klimaproblems ist. Und deshalb geht es nur mit Weniger! Mal gelingt mir das besser, mal schlechter. Ich empfinde nachhaltiger zu leben als eine Art Reise, auf der ich viel lerne. Sie bringt mich dazu, das große Ganze zu betrachten und zu hinterfragen:

  • Welche Ressourcen verbrauche ich?
  • Welches System unterstütze ich mit meinem Kauf?
  • Welches Unternehmen teilt meine Werte?

Es ist Ausdruck meiner Wertschätzung für andere Menschen, Tiere und die Umwelt, wenn ich darauf achte, dass die von mir verwendeten Produkte auf fairen und ökologischen Werten basieren.

Ich versuche immer weniger zu konsumieren und wenn, dann möglichst nur fair sowie möglichst umweltschonend hergestellt

Schon vor circa 20 Jahren als Studentin habe ich begonnen, auf Bio-Lebensmittel umzustellen. Denn meiner Meinung nach macht nur eine biologische Landwirtschaft langfristig Sinn. Ich esse möglichst frisch, saisonal, regional und vegan und kaufe nur, was ich brauche – um keine Lebensmittel wegwerfen zu müssen. Ich reise sehr gern, aber das muss nicht weit weg sein. Für mich ist die Hauptsache, in die Natur zu kommen und auszuspannen – im Wald oder am Wasser.

Vor vier Jahren fing ich an, meinen Kleiderschrank auf Eco-Fair-Fashion und Secondhand umzustellen. Nach dieser Umstellung habe ich zu Beginn immer noch viel gekauft, bis ich auch hier gemerkt habe, dass ich nicht mehr viel Neues brauche. Meine Kleidung pflege ich sehr gut, sodass ich viele Teile schon über 10 oder 15 Jahre besitze. Ich setze mich mit meinem Kleiderschrank auseinander und versuche, immer wieder neu zu kombinieren.

Ob Kleidung, Möbel oder Technik – bei mir hält eigentlich alles ewig, weil ich meine Dinge gut pflege und bei Bedarf reparieren lasse. Ich versuche auch, meinen Plastikverbrauch zu reduzieren und nutze Öko-Strom von Greenpeace. Dennoch bin ich mir bewusst, dass das noch lange nicht ausreicht. Ich nutze immer mal wieder einen CO2-Rechner, um meinen Verbrauch einzuschätzen. Bei Mode schneide ich sehr gut ab. Aber es gibt einige Bereiche, in denen ich mich verbessern möchte, z.B. die Mobilität.

Aufgrund der vielfältigen Nachhaltigkeitskriterien kann nachhaltige Mode für jeden etwas anderes bedeuten

Die Modeindustrie ist sehr komplex. Wer in die Materie einsteigt, kann erstmal überfordert sein - sei es ein Gütesiegel zu entschlüsseln oder für sich festzulegen, welche Kriterien einem am wichtigsten sind.

Für alle, die die Zusammenhänge der Modeindustrie und die vielen Facetten von nachhaltiger Mode besser verstehen wollen, empfehle ich folgende Informationsquellen:

Plattformen 

Bücher 

  • "Einfach Anziehend" von Kirsten Brodde & Alf-Tobias Zahn
  • "Wie wir mit Mode die Welt verändern können" von den Fashion Changers

Wir Konsumenten sind an die Niedrigpreise der Fast Fashion Industrie gewöhnt

Das grundsätzliche Problem mit Fast-Fashion ist, dass diese Kleidung viel zu günstig hergestellt und verkauft wird. Wir müssen aber erkennen, dass es kein „Schnäppchen“ in dem Sinne gibt. Denn alles hat seinen Preis. Wenn wir selbst etwas mit unserer Kleidung einsparen, dann nur, weil anderswo jemand dafür ‚bezahlt‘. Und diese versteckten Kosten kommen mit Sicherheit wieder zu uns zurück, spätestens als gemeinschaftliche Kosten im Rahmen des Klimawandels. Mode, die nicht auf ökologischer und menschlicher Ausbeutung basiert, muss daher einen gewissen Preis haben.

Ein höherer Preis für öko-faire Mode zahlt sich langfristig aus

Insbesondere, wenn ich weiß, dass ich das Kleidungsstück häufig trage: Weil es zum Rest meiner Garderobe passt, sich vielseitig kombinieren lässt oder mir auch in fünf Jahren noch gefällt.

Diese Sicherheit erreiche ich, wenn ich meine Ansprüche an Mode, meinen Stil und die für mich optimalen Farben kenne. Daher empfehle ich jedem, der sich nachhaltiger kleiden will, sich damit auseinanderzusetzen. Eine Farb-, Stil- und Kleiderschrank-Analyse kann zum Beispiel eine Stilberaterin unterstützen. Wer es lieber erst mal selbst probieren möchte, findet in den Ratgebern „Das Kleiderschrank Projekt“ von Anuschka Rees oder „Minimal Fashion“ von den JAN ‘N JUNE Gründerinnen Anna Bronowski und Juliana Holtzheimer tolle Anregungen.

Bei guter Pflege hochwertiger Kleidung sind #100wears oder mehr durchaus realistisch. Somit sind die "cost per wear" bei öko-fairer Kleidung umgerechnet sogar geringer als die bei Fast Fashion, die nach wenigem Tragen wieder entsorgt wird.

Meine Top 3 Tipps für nachhaltige & stylische Outfits

Tipp 1: Nur Kleidung tragen, in der wir uns absolut großartig fühlen

Kleidung, die ungetragen in unseren Schränken hängt, passt normalerweise nicht zu unserer Persönlichkeit, unserem Lifestyle, unserem Körpertyp oder unserem Farbschema. Daher sollten wir uns diese Fragen vor jedem Kauf stellen:

  1. Sind Farbe und Schnitt schmeichelhaft für mich?
  2. Fühle ich mich rundum wohl, sodass ich das Kleidungsstück am liebsten gar nicht mehr ausziehen möchte?
  3. Zu wie vielen Anlässen kann ich das Kleidungsstück tragen?
  4. Ist das Teil zeitlos und wird meinem Geschmack noch in einigen Jahren entsprechen?

Diese Fragen helfen uns, uns nach und nach eine Garderobe, die individuell sowie unabhängig von jeglichen Modetrends ist, aufzubauen.

Tipp 2: Abwechslung auf nachhaltige Art

Die meisten von uns lieben Abwechslung im Kleiderschrank. Dafür müssen wir aber nicht gleich etwas Neues kaufen. Mittlerweile gibt es Plattformen zum Kleider Mieten - auch für anspruchsvolle Mode sowie besondere Anlässe. So können wir uns immer neu einkleiden, ohne Kleiderberge anzuhäufen. Außerdem hilft es, unseren eigenen Stil zu verfeinern, da wir mit geliehenen Teilen unkompliziert auch mal ein Mode-Risiko eingehen können.

Tipp 3: Outfits, die unseren eigenen Regeln folgen

Es gibt zig Styling-Regeln. Davon sind viele sinnvoll, andere sind längst überholt. Wirklich individuelle und stylische Looks sind die, bei denen wir solche Regeln gekonnt brechen. Dafür empfehle ich, in öko-faire, hochwertige Basics zu investieren und diese mit Statement-Pieces aufzuwerten.

Das können vergessene Schätze im Kleiderschrank oder oder ausgefallene Stücke aus Vintage Läden oder von Mietplattformen sein. Auf diese Weise verbrauchen wir keine neuen Ressourcen, können aber dennoch einzigartige, modische Outfits zusammenstellen.

Beispiele für solche Outfits finden sich auf Green Looks Great!

Green look

Quelle & Copyright by Green Looks Great

Ich finde, dass es in der Modebranche viele spannende und Mut machende Entwicklungen gibt.

Auch wenn diese alle bisher noch in kleinem Maßstab bzw. auf sehr niedrigem Niveau geschehen. In Deutschland zum Beispiel wird der Anteil von Fair Fashion momentan auf unter 1% geschätzt. Da ist also noch viel Luft nach oben.

Die für mich aktuell wichtigste Entwicklung ist die Zusage der Regierung zu einem Lieferkettengesetz. Zu oft werden freiwillige Verpflichtungen von Unternehmen nicht ernst genommen oder ohne unabhängige Kontrollen zu reinen Marketingzwecken genutzt. Es braucht daher strenge und wirksame Gesetze, um die Textilbranche grundlegend zu verändern.

Marys Top 4 Prognosen für die Zukunft der Fashionindustrie

1. Intensivierung des Minimalismus Trends

Ich erwarte, dass sich der „Less is more“ Trend weiter verstärken wird. Zum Einen, weil uns immer mehr bewusst wird, dass wir sowieso schon viel zu viel besitzen und diese Ressourcenverschwendung so nicht weitergehen kann. Zum Anderen, auch begünstigt durch ökonomische Engpässe wie jetzt die Corona-Krise, durch die das Geld bei vielen Menschen nicht mehr so locker sitzt.

2. Weiterentwicklung innovativer Materialien

Ich bin immer wieder fasziniert von innovativen Materialien, wie zum Beispiel veganen Lederimitaten aus Ananas-, Apfel- oder Eukalyptusfasern. Ich wünsche mir, dass solche Materialien in Zukunft ohne Kunststoffe auskommen und dadurch zu 100% kompostierbar werden. Mit dem neuartigen Bananatex® ist dies schon erreicht.

3. Mehr Relevanz von Sharing Konzepten

Ich glaube, dass in der Modebranche zukünftig noch mehr kreative Ideen der Sharing Economy umgesetzt werden. Das haben wir bereits jetzt mit Kleidertausch-Partys oder Mietangeboten für Kleidung und Accessoires. Es entstehen gerade Start-Ups, die Kleidertausch-Apps für Privatpersonen anbieten möchten. Ob das angenommen und großflächig funktionieren wird, bleibt spannend zu sehen.

4. Mehr Konzepte zur Förderung der Kreislaufwirtschaft

Circularity in der Modebranche, wozu ich auch lebenszyklus-verlängernde Maßnahmen, wie Upycling, Secondhand und das Reparieren von Kleidung zähle, ist für mich eines der spannendsten und wichtigsten Themen überhaupt. Ich bin mir sicher, dass Reparaturangebote in Zukunft immer öfter von Modeherstellern oder Händlern angeboten werden.

Eine echte Kreislaufwirtschaft, in der Kleidung ‚cradle-to-cradle‘ ist – bei der die Materialien der Kleidungsstücke eindeutig identifiziert und komplett nachverfolgt werden können und die mehrmals recycled oder nach ihrer Nutzung komplett kompostiert werden können – ist eine großartige ressourcenschonende Vision, die ich nur zu gern wahr werden sehen möchte.

Anfangen kritisch zu hinterfragen ist für mich der wichtigste Schritt überhaupt.

Immer mehr Konsumenten legen Wert auf Nachhaltigkeit, und so bringen auch die großen Modekonzerne vermehrt sogenannte ‚conscious collections‘ raus. Dahinter steckt meistens Greenwashing, denn das eigentliche Geschäftsmodell der großen Modekonzerne ändert sich bisher nicht. Daher ist es wichtig, dass wir Konsumenten uns davon nicht blenden lassen. Stattdessen sollten wir uns informieren und eventuell bei der Marke direkt nachfragen – und auch nicht lockerlassen, wenn zunächst keine ausreichende Antwort kommt.

Wer beginnt sich zu fragen, wie die eigene Kleidung produziert wurde, der wird automatisch seinen Weg zu nachhaltigerem Modekonsum finden.

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