Die Schattenseiten der Mode – Staatliche Museen zu Berlin

Die Ausstellung im Berliner Museum Europäischer Kulturen beleuchtet die „Schattenseiten der Mode“ und sensibilisiert Konsumenten für einen bewussteren Umgang mit dem Thema Kleidung

Schattenseite der Mode
Bildquelle & Copyright by Tim Mitchell, clothing recycling, 2005 © Tim Mitchell and Lucy Norris

Fast Fashion steht in der Kritik, mit Niedrigpreispolitik die Umwelt zu belasten und Textilarbeiter-/innen auszubeuten. Eine Ausstellung im Berliner Museum Europäischer Kulturen beleuchtet die „Schattenseiten der Mode“.  Sie sensibilisiert dabei Konsumenten für einen bewussteren Umgang mit dem Thema Kleidung.

Mode um jeden Preis: Fatale Fast-Fashion

Getreu dem Motto „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ setzt die Fast -Fashion Industrie jährlich Umsätze in Milliardenhöhe um. Angeheizt wird der schnelle Modekonsum von Influencern, die über Soziale Medien Fashion-Videos verbreiten, sogenannte „Clothing Hauls“.

In gesponserten Produktpräsentationen stellen sie schnelle Trends zum Nachkaufen vor und  versetzen die jüngere Generation in ungebremste Kauflaune. Regelmäßig stürmen unzählige Fashion Addicts in Läden und Online-Shops, um mit schnellen Trends ihren Jagdinstinkt zu befriedigen. Doch die billige Trendkleidung geht auf Kosten von Menschenrechten und unzumutbaren Arbeitsbedingungen. 

Spätestens hat der Einsturz der Textilfabrik Rana-Plaza in 2013 in Bangladesch, mit über 1000 Toten, die Öffentlichkeit aufgeweckt. Dennoch existieren nach wie vor umsatzstarke Shopping-Events wie der Black Friday. Sie locken mit radikalen Billigpreisen, um Lagerbestände aus der Überproduktion loszuwerden.

Fast Fashion Total am Black Friday

Wenn am Wochenende des 29. November 2019 der nächste Black Friday mit Preisdumping für Kleidung wirbt, gehen Modefans wieder auf Schnäppchen-Jagd. Im Shoppingrausch, auch „Binge-Shopping" genannt, zählt nur die Quantität, also viele Teile für einen möglichst niedrigen Preis zu ergattern.

Manchmal kostet ein T-Shirt sogar weniger als ein Kaffee. Nach „Rana Plaza“ wurde die breite Öffentlichkeit erstmals auf die zum Teil katastrophalen Zustände in ausländischen Textilfabriken aufmerksam. Die Preis- und Produktionspolitik der Textilbranche wurde infrage gestellt.

In den folgenden Jahren gab es Konsequenzen; Gewerkschaften für Textilarbeiter wurden gegründet, Produktionsbedingungen verbessert und die Löhne angehoben. Dennoch gibt es nach wie vor schwarze Schafe der Branche, die im rechtsfreien Raum der Freihandelszonen eigene Regeln aufstellen. Frei nach dem Motto, wer am billigsten produziert, erhält den Zuschlag. Mit der Folge, dass Textilarbeiter-/innen unter unzumutbaren Bedingungen für Löhne schuften, die weit unter dem Existenzminimum liegen.

Diese und andere Missstände dokumentiert der interaktive Teil der Ausstellung „Fast-Fashion“. Mit unmissverständlicher Transparenz hinterfragt sie nicht nur die Praktiken der Textilindustrie, sondern spricht gezielt die jüngere Generation und deren verantwortungsvollen Umgang mit dem Thema an. Der Besucher wird eingeladen, das eigene Konsumverhalten zu hinterfragen.

Umweltbelastende Textilproduktion 

Weniger bekannt dürfte hierzulande die Tatsache sein, dass die weltweite Textilproduktion mehr CO2 produziert als die gesamte Tourismusbranche, einschließlich Flug-Emmissionen. Laut Claudia Banz, Kuratorin der Ausstellung, werden für die Textilherstellung Chemikalien wie Pestizide und Farbstoffe in unverhältnismäßig hohen Mengen eingesetzt.

Sie vergiften das Grundwasser und bedrohen die Lebensgrundlage von Mensch und Tier: Wussten Sie, dass für die Herstellung eines T-Shirts insgesamt 2700 Liter Wasser benötigt werden? Die Ausstellung dokumentiert die Methoden und dramatischen Auswirkungen der globalen Textilproduktion.

Fair und Slow Fashion

Ein weiterer Teil der Ausstellung erhebt nicht den Zeigefinger, sondern präsentiert mit der Area "Slow Fashion“ die attraktivere Alternative. In den letzten Jahren hat sich eine starke Green-Fashion Branche entwickelt, deren zentraler Ausgangspunkt Berlin ist.

Begonnen hat die grüne Modewoche vor 10 Jahren mit dem „Greenshowroom“, der mit einer Handvoll nachhaltigen Fashion Labels im Hotel Adlon startete. Später wechselte die Messe zum E-Werk und fusionierte 2018 schließlich mit der aus Paris stammenden Ethical Fashion Show zur heutigen NEONYT Messe. Am festen Standort, dem Kraftwerk Berlin, präsentiert sich dort 2-mal jährlich die internationale grüne Modeszene samt Fashion Show. Sie kann sich qualitativ längst mit den Laufstegen der etablierten Modemetropolen messen. 

Die Ausstellung gibt außerdem Tipps für ein nachhaltiges Konsumverhalten, die jeder Besucher sofort umsetzen kann. Ob Fast Fashion in Zukunft nur noch im Museum zu sehen sein wird, kann die Ausstellung nicht beantworten, denn es liegt in der Verantwortung aller Beteiligten, die Situation nachhaltig zu verändern.

Schattenseite der mode

Bildquelle & Copyright by Staatliche Museen zu Berlin, Museum Europäischer Kulturen / David von Becker

Ausstellung: Fast Fashion zum Anfassen

Die Ausstellung „Schattenseiten der Mode“ wurde vom Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg konzipiert und wird noch bis zum 02. August 2020 in Berlin präsentiert. Ergänzend zur Ausstellung finden Workshops und Vorträge zu Themen wie „Reducing und Recycling“ statt, sowie regelmässige Repair-Cafés und Diskussionen im Rahmen der interdisziplinären Veranstaltungsreihe.

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