Club of Rome Salon: Den Wandel der Finanzmärkte und der Wirtschaft ermöglichen

Mit Impact investieren - Kollaboration zwischen Arts & Nature Social Club, Club of Rome Deutschland und BMW Foundation Herbert Quandt verdeutlicht die Chancen für ein nachhaltiges Finanzsystem

change finance

Autor: Julia Schindler

Wie können wir ein Finanzsystem schaffen, das nachhaltiger und gerechter ist? Diese Frage, die sowohl für die Zukunft der Gesellschaft als auch des Planeten existenziell ist, wurde vor kurzem im Club of Rome Salon diskutiert. Ein Format, das der Arts and Nature Social Club in Kollaboration mit der Deutschen Gesellschaft Club of Rome und der BMW Foundation Herbert Quandt veranstaltete.

Das Thema: Change Finance and Finance Change

Um Antworten auf die Leitfrage des Salons zu finden, wurden zwei zentrale Hebel für eine positive Transformation des Finanzsystems beleuchtet. Einerseits wurde die Veränderung der derzeitigen regulatorischen sowie finanziellen Rahmenbedingungen unter dem Aspekt “Change Finance” debattiert. Andererseits konzentrierte sich die Runde der Expert*innen auf “Finance Change” und somit Herausforderungen und Wege, um diesen Wandel zu ermöglichen und zu finanzieren.

Kollaborationen mit großem Impact

Die Veranstalter: Club of Rome Deutschland. Der Club of Rome agiert bereits seit 1968 als globaler Think Tank, der sich vor dem Hintergrund langfristigen und interdisziplinären Denkens für die nachhaltige Zukunft der Menschheit einsetzt. Auf Basis dessen, dass der Arts & Nature Social Club diese zukunftsweisende Vision teilt, veranstalten die Clubs gemeinsam die Club-of-Rome-Salonreihe. Ziel ist es, meinungsführende Pioniere aus Kunst, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenzubringen, um neue Denkräume zu schaffen sowie systematische Veränderungen für einen positiven Wandel anzuregen. Jörg Geier, der den Salon konzipiert hatte und durch den Abend führte, bildete als Club-of-Rome-Mitglied und ANSC-Vorstandsmitglied den Brückenkopf zwischen den zwei Partnern.

Visionäre Persönlichkeiten eröffneten den Salon zum Thema Change Finance und Finance Change. Darunter Peter Blom, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Triodos Bank, Mitglied des Exekutivausschusses des Club of Rome und derzeitiges Mitglied des Aufsichtsrates der niederländischen Zentralbank, Dr. Mariana Bozesan, preisgekrönte integrale Investorin, Unternehmerin und Mitglied des Club of Rome sowie Dr. Daniel Dahm, Gründer der United Sustainability Group.

Change Finance: Auf Systemebene umdenken

Auf Basis seines reichen Erfahrungsschatzes als Banker setzte Blom ein eindeutiges Statement:

“Es muss eine Überholung des Finanzsystems geben, da das System derzeit nicht systematisch oder zirkulär, sondern linear organisiert ist” - Peter Blom

change the finance

Von links nach rechts: Peter Blom, Dr. Mariana Bozesan, Dr. Daniel Dahm, Jörg Geier

Noch immer würden finanzielle Prozesse primär profitorientiert und somit auf ein Ziel isoliert sein, statt ganzheitlich gedacht. Ein lineares Finanzsystem würde der Komplexität der Herausforderungen unseres Planeten sowie unserer Gesellschaft nicht gerecht werden. Das sei allerdings ein Imperativ, um unsere ambitionierten Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.

Ein weiteres Problem: Das derzeitige Finanzsystem verwendet Erfolg und wirtschaftliches Wachstum synonym. Die klassische Denkweise besagt demnach, dass Wirtschaftswachstum gesellschaftliche sowie ökologische Probleme lösen kann. In der Realität ist das System allerdings gänzlich von der realen Wirtschaft abgekoppelt. Banken neigen dazu, Gewinne zu privatisieren und Verluste zu sozialisieren, wodurch die soziale Ungleichheit wächst. Bank und Wirtschaft müssen vielmehr symbiotisch verbunden sein, sodass das Finanzsystem sich als Teil des Gemeinwesens etabliert und der Realwirtschaft Dienste leistet.

Ein Weg, das Bankwesen mit der echten Gesellschaft zu verbinden, bestehe laut Blom darin, neue Endregulierungen einzuführen. Zum Beispiel solle eine Bank mindestens 60 bis 70 Prozent ihrer Bilanz in der Realwirtschaft und nicht auf abstrakten Finanzmärkten nachweisen. Der EU Green Deal und die Reform der nachhaltigen Finanzen seien dabei ein wichtiger Schritt. Allerdings nur ein Schritt. Die Aufnahme bestimmter Nuklear- und Gasenergietätigkeiten in die Liste der von der EU-Taxonomie erfassten Wirtschaftstätigkeiten verdeutliche, dass dem Wandel noch einige Hindernisse im Weg stehen.

Finance Change: Mit Impact investieren

Laut Dr. Mariana Bozesan stehe dem Wandel ein weiteres zentrales Problem im Weg. Angesichts der globalen Herausforderungen würden Finanzen, Profit und Geld heutzutage beinahe als bedeutungslos oder gar banal angesehen werden. Die nötige Entwicklung: Eine neue Sichtweise auf Geld zu etablieren, die Impact Investing forciert. Damit sind Investitionen gemeint, die im Sinne der SDGs zur Lösung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und ökologischer Probleme beitragen.

Aktuell müssten Investor*innen sich bei jeder Investition zwischen traditionell gewinnorientierten und Impact-Investing-Strukturen entscheiden. Bozesan sieht Integral Investing als Lösung für diese Dichotomie. Ein Ansatz, der die Entscheidung zwischen Gewinn und Wirkung verabschiedet. Dabei werden Investitionen in exponentiell wachsende Unternehmen getätigt, die globalen Problemstellungen mit technologischer Entwicklung begegnen. Die große Herausforderung dabei:

“Die Mehrheit der Finanzwelt ist nicht bereit, Risikokapital in junge Unternehmen zu investieren” - Dr. Mariana Bozesan

Obwohl die Mehrheit der Unternehmen von jungen Entrepreneuren stammt, sei der Anteil an risikofreudigen Venture Capitals einfach zu gering, um Wandel im großen Maßstab skalieren zu können. Angesichts des Buzzwords unternehmerische Resilienz sei dies allerdings ein Fehler. Junge grüne Unternehmen, die sich auf die Umsetzung der SDGs fokussieren, führen einen authentischeren Diskurs, da es um existenzielle Sorgen und Ziele geht. Entsprechend steigt die Loyalität sowie das Vertrauen, das für Investitionen notwendig ist - auf Seiten von Investor*innen aber auch Konsument*innen. Und sichert so die unternehmerische Widerstandsfähigkeit in risikoreichen Kontexten.

Priorität: Ökologisches & soziales Kapital über Finanzkapital

Nicht zuletzt setzte Dr. Daniel Dahm das Finanzsystem in direkten Bezug auf unser Ökosystem. Laut ihm basiere der Kapitalismus derzeit auf der Über-Priorisierung des Finanzkapitals gegenüber dem ökologischen sowie sozialen Kapital. Die Konsequenz:

“Wir erreichen den Kipppunkt des ökologischen Systems und gefährden unser Wasser, das Klima, die Vielfalt der Ökosysteme und die Artenvielfalt” - Dr. Daniel Dahm

Unsere Aufgabe als Menschheit bestehe also darin, unsere Infrastrukturen umzugestalten sowie zu aktualisieren. Und zwischen den natürlichen Lebensgrundlagen und unseren Ansprüchen sowie Vorstellungen von Wohlstand und Konsum zu verhandeln.

Das Ungleichgewicht des Ökosystems sei auf das menschliche Handeln und finanzielle Investitionen zurückzuführen, wie zum Beispiel der Extraktion von Rohstoffen und der Ausbeutung natürlicher, materieller sowie energetischer Ressourcen. Wohlstand dürfe aber nicht auf Kosten der ökologischen Resilienz sowie gesellschaftlicher Unfairness basieren.

„Es gibt mehrere Studien, die bestätigen, dass "grüne" oder an den SDGs orientierten Firmen eine größere Resilienz aufweisen.“ - Jörg Geier

Dafür lassen sich 4 Leitgedanken für nachhaltiges Wirtschaften zusammenfassen:

  1. Es braucht eine methodische Umgestaltung der Investitionskultur
  2. Eine Externalisierung von negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft muss unbedingt vermieden werden
  3. Eine gute Investition legitimiert keine negativen Konsequenzen für die Natur.
  4. Nachhaltigkeitsberichte und vermeintlich Greenwashing-förderliche Wirkungsberichte sind nicht gut genug

Was bedeutet das alles?

Der Club of Rome Salon hat verdeutlicht, dass eine nachhaltige Transformation des Finanzsystems umsetzbar ist. Und zwar innerhalb unserer planetarischen Grenzen. Wichtig ist vor allem ein Fokus auf nachhaltige Investitionsmodelle, wie Impact oder Integral Investing, sowie auf die Versiertheit des technologischen Fortschritts. Dennoch gibt es noch viel Raum zur Verbesserung, der insbesondere durch institutionalisierte Regulationen geschaffen werden kann und den Wertewandel unserer Gesellschaft repräsentieren muss.

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