Blockchain: Die Lösung für nachhaltiges Lieferkettenmanagement?

Lieferketten stellen Unternehmen vor soziale und ökologische Herausforderungen - Wie die Blockchain das ändern soll

blockchain -2

Autor: Haus von Eden

Während der politische und gesellschaftliche Druck auf die Textilindustrie steigt, nachhaltiger und ethischer zu handeln, bleiben Lieferketten in vielen Fällen noch immer ein Blind Spot. Mangelnde Kontrolle und Transparenz ermöglichen umweltschädliche und menschenrechtsverletzende Praktiken, die lediglich darauf ausgelegt sind, den Profit zu steigern. Allerdings deuten Prognosen auf einen Ausweg hin: Digitalisierung und Innovation sollen Lösungen für einige der ökologischen und sozialen Herausforderungen der Lieferkette bieten. Aber können neuartige Technologien wie die Blockchain wirklich dafür sorgen, dass Supply Chains endlich ein nachhaltiges Image erhalten?

Technologie als Motor von Verantwortung und Transparenz

Wichtig wäre diese Entwicklung für die Textilindustrie. Immerhin fordert insbesondere die aufstrebende Generation Z Verantwortung und Transparenz von Bekleidungsmarken. Und zwar in Verbindung mit einem digitalen Nachweis: Begründet durch ihre technische Versiertheit nutzen immer mehr junge Verbraucher:innen QR-Codes, Apps oder andere Anwendungen, die die Rückverfolgbarkeit von Kleidungsstücken ermöglichen. Für Marken bedeutet das, dass sie ihr Produktlebenszyklusmanagement (PLM) digital offenlegen. Also den gesamten strategischen Prozess der Verwaltung des Lifecycles eines Produktes vom Rohmaterial über die Produktion und den Vertrieb bis hin zum Verbleib.

Ein weiterer Motor, der Transparenz und somit Nachhaltigkeit sowie Ethik fördert: Das deutsche Lieferketten-Gesetz. Im Januar 2023 in Kraft getreten, verpflichtet dieses Unternehmen rechtlich dazu, Verantwortung für die Missstände ihrer Zuliefer:innen zu übernehmen. Dadurch soll die Einhaltung grundlegender Menschenrechtsstandards global und rechtssicher geschaffen werden. Dass dies auch heute noch relevant und notwendig ist, beweist MSCI ESG Research. Das Institut hat Kontroversen im Zusammenhang mit moderner Sklaverei in Bezug auf Branche und Länder untersucht und die prägnantesten Vorkommnisse wie folgt hervorgehoben:

Blockchain

Source & Copyright by MSCI ESG Research

Wie die Blockchain ökologische und soziale Gerechtigkeit fördern kann

Doch wie genau lassen sich diese Vorhaben umsetzen? Immerhin sind Lieferketten im globalen Handel feingliedrig, just-in-time getaktet und durch große Entfernungen höchst anfällig für Unterbrechungen. Ein innovativer Weg, um Lieferketten trotzdem effizient zu optimieren, Geschäftspartner:innen zu kontrollieren und Kosten einzusparen, ist die Blockchain. Das Blockchain-Verfahren des Lieferkettenmanagements ähnelt dem der Herstellung von Kryptowährungen wie Bitcoin. Letztlich liegt der Unterschied lediglich darin, dass anstelle von "Coins" die Bestandteile der Lieferkette - z.B. Planung, Steuerung und Informationsflüsse - segmentiert und digital abgebildet werden.

Die Vorteile dieses Verfahrens umfassen finanzielle Transparenz innerhalb des Netzwerkes, Planungssicherheit, Effizienz durch papierlose Workflows und Vertrauen. Der letzte Punkt ist dabei besonders relevant, da der Einfluss hegemonialer Machtgefälle und geographischer Grenzen auf diese Weise eliminiert wird. Somit besitzt die Blockchain das Potenzial Lieferketten besser zu kontrollieren sowie transparenter zu machen.

MSCI Report: Kann die Blockchain dazu beitragen, dass sich die Lieferketten von Kontroversen lösen?

Der MSCI Report "ESG and Climate Trends to Watch for 2023" beleuchtet die Blockhain ebenso als Chance für Unternehmen, ihre Lieferketten transparent und rückverfolgbar zu gestalten. Im Kapitel "Innovative Supply Chains" positioniert der Bericht die Blockchain als potenzielles Werkzeug, um Probleme der Rückverfolgbarkeit - auch für große Unternehmen entlang verschiedener Ebenen von Zuliefer:innen - zu lösen. Und zwar, indem sie Liefertransaktionen dezentralisiert und unveränderlich aufzeichnet. Erfolgreiche Beispiele für diese Prognose: Unilever plc hat die GreenToken-Blockchain-Technologie von SAP SE eingesetzt, um 188.000 Tonnen Palmöl zu beschaffen und Ford Motor Co. die Technologie, um Kobalt - ein wichtiges Mineral für Lithium-Ionen-Batterien - von der Mine bis zum Endverbraucher zu verfolgen.

Wird die Blockchain zur Norm des Lieferkettenmanagements der Zukunft?

Die Diskussion rund um Lieferketten verdeutlicht, dass moderne Technologien ein wichtiges Tool sind, um Fragen sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Gesundheit in Zukunft zu beantworten. Um einen grundlegenden Wandel des Lieferkettenmanagements zu bewegen, braucht es allerdings noch viel breitere Akzeptanz für Blockchain-Technologien. Es braucht Experimente und Investitionen, um ihre Skalierbarkeit und Kostenplanung attraktiv, nützlich sowie zugänglich zu gestalten. Dennoch: Es gibt genug Anzeichen, dass der benötige Wandel sich zeitnah einstellen wird und die Industrie sich auf dem richtigen Weg befindet.

NEWSLETTER
ANMELDUNG

Immer informiert über die neuesten Lifestyle Trends, Architektur, Design & Interior, sowie aktuelle Technologien rund um Nachhaltigkeit.

[ninja_form id=3]

Verwandte Themen
Werte index
Werte-Index Corona-Update: So verändern sich unsere Werte durch die Krise Der Werte-Index zeigt die aktuelle Top 10 im Wertewandel in unserer Gesellschaft. Herausgeber Peter Wippermann erklärt...
Jane Goodall
Dr. Jane Goodall: Eine Frau im Zeichen des Umwelt- und Tierschutzes Zum Weltfrauentag 2021 zeigen wir Jane Goodall im Portrait - Die britische Wissenschaftlerin und Aktivistin widmete ihr...
upcycling ideen
5 kreative Fashion Upcycling Ideen für die Winterzeit Die besten Upcycling Ideen, um sich die Wintermonate zu vertreiben. Hier sind die top DIY-Trends für einen kreativen...