Black Friday Boycott: Für die Umwelt & das eigene Portemonnaie

Konsumverzicht statt Kaufrausch. Immer mehr Konsument:innen sowie namhafte Player rufen zum Black Friday Boycott auf. Wir zeigen was es damit auf sich hat

Boycott Blackfriday
Bildquelle Freepik, Copyright by BiZkettE1

Autor: July

  • Rufe nach einem Boycott des Black Friday werden von Jahr zu Jahr lauter
  • Kauf-Event beschert Händler:innen Rekord-Umsätze, viele Menschen kaufen jedoch Dinge, die sie gar nicht benötigen
  • Bekannte Marken positionieren sich klar gegen einen Black Friday

Am 24. November 2023 ist es wieder soweit: Der Black Friday findet statt. Das Kauf-Event ist für Schnäppchenjäger der vielleicht wichtigste Tag des Jahres. Das Ziel: Satte Rabatte und tolle Angebote ergattern. Hunderttausende Artikel von Elektronik bis hin Kleidung werden betroffen sein.

Es ist jedoch nicht alles Gold, was glänzt. Immer lauter werden die Proteste gegen den Black Friday Konsumwahn. Manch einer spricht sogar von einem Black Friday Boycott. Was es damit auf sich hat und warum so viele zum Streik durch Konsumverzicht aufrufen, behandeln wir in diesem Artikel.

Was ist der Black Friday?

In den USA wird der Black Friday am Freitag nach Thanksgiving, also dem Erntedankfest, gefeiert. Thanksgiving fällt dabei jedes Jahr auf den vierten Donnerstag im November. Der darauffolgende Freitag gilt als Startschuss für das Einkaufen der Weihnachtsgeschenke.

Längst beschränkt sich der "schwarze Freitag" nicht mehr auf die Vereinigten Staaten. Auch in Deutschland werben immer mehr Händler:innen, allen voran Onlineshops wie Amazon, mit Rabatten und Aktionswaren. 70 Prozent der deutschen Verbraucher:innen haben einer PwC-Umfrage zufolge vor, am Black Friday oder am darauffolgenden Cyber Monday zu shoppen.

Dabei wollen sie durchschnittlich 281 Euro ausgeben. Besonders gerne werden dabei elektronische Geräte, Kleidung für Erwachsene sowie Kleidung für Kinder gekauft. Ganz so chaotisch wie in den USA geht es hierzulande allerdings noch nicht zu: Jedes Jahr kursieren Videos, die amerikanische Schnäppchenjäger beim Stürmen der Kaufhäuser zeigen.

Black Friday

Was ist der Cyber Monday?

Der Cyber Monday ist, wie der Black Friday, ein spezieller Einkaufstag, der aus den Vereinigten Staaten kommt und traditionell am Montag nach dem Erntedankfest stattfindet. Der Cyber Monday konzentriert sich hauptsächlich auf Online-Shopping-Angebote und Rabatte. Während der Black Friday oft mit In-Store-Angeboten und Menschenmassen in physischen Geschäften verbunden ist, bietet der Cyber Monday den Verbraucher:innen die Möglichkeit, bequem von zu Hause aus online einzukaufen.

Was ist die Black Week?

Die Black Week bezieht sich auf eine Woche, die dem Black Friday vorausgeht und oft als eine Erweiterung oder Vorstufe dieses Kauf-Events betrachtet wird. Sie erstreckt sich normalerweise über die gesamte Woche vor dem Black Friday und kann von Einzelhändlern genutzt werden, um frühzeitige Rabatte und Angebote anzubieten. Durch die längere Periode der Black Week haben die Händler:innen die Möglichkeit Entwicklungen in die Rabattaktionen zu integrieren. So können sie täglich oder stündlich die Angebote verändern, um die Verbraucher:innen zum Kauf zu ermutigen. Dieser Trend hat sich besonders im E-Commerce und Online-Shopping verstärkt, wo die Angebote nicht auf physische Geschäfte beschränkt sind.

Gründe warum der Black Friday problematisch ist?

Es handelt sich um einen vom Einzelhandel erfundenen “Feiertag”. Er dient dem ungebremsten Konsum und ist damit äußerst erfolgreich: Viele Händler:innen machen die größten Umsätze des Jahres. Der Konsumwahn nimmt dabei absurde Ausmaße an: #BoycottBlackFriday.

1. Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen

Viele Menschen kaufen während des Black Fridays, des Cyber Mondays oder der Black Week Dinge, die sie eigentlich gar nicht benötigen: Ein Überkonsum schadet dabei nicht nur dem eigenen Geldbeutel, sondern auch der Umwelt. Denn wer zu viele Dinge erwirbt, die er eigentlich gar nicht braucht, entsorgt diese möglicherweise bald nach dem Kauf. Das Black Friday-Schnäppchen ist damit wortwörtlich für die Tonne.

Der PwC-Studie nach, haben 35 Prozent der Personen, die am Black Friday größere Ausgaben tätigen, Angst vor weiter ansteigenden Preisen und sehen in dem Kauf-Event ihre Chance zu sparen. Die Folge: Impulskäufe, die in hohen Retournierungs-Quoten resultieren.

2. Künstliche Rabatte sind keine echten Schnäppchen

Noch dazu sind die Rabatte, mit denen viele Händler:innen werben, gar keine richtigen Rabatte. Tage oder Wochen zuvor schrauben manche Verkäufer:innen die Preise in die Höhe, um sie am Black Friday, am Cyber Monday oder in der Black Week wieder auf das normale Niveau zu senken. Die Käufer:innen schätzt sich glücklich, ein Schnäppchen ergattert zu haben und haben in Wahrheit denselben Preis gezahlt, den sie auch während des restlichen Jahres bezahlen würde.

3. Wir besitzen bereits genug Dinge

Die Jagd nach Schnäppchen und verlockenden Rabatten führt dazu, dass wir uns oft in einem endlosen Kreislauf des Konsums wiederfinden. Die Werbung suggeriert, dass unser Glück und unsere Zufriedenheit eng mit dem Erwerb neuer Besitztümer verknüpft sind. Jedoch stellt sich die Frage, ob diese ständige Suche nach mehr materiellem Wohlstand tatsächlich zu einem erfüllten Leben führt. Die westliche Welt besitzt genug Dinge und hat eigentlich keinen Bedarf neue Einkäufe zu tätigen. Vor allem nicht in dem Ausmaß wie es im Zuge des Kauf-Events stattfindet.

4. Konkurrenz zu Lasten von Kleinhändlern

Nicht zuletzt sehen viele Händler die Gelegenheit Altwaren loszuwerden und Lagerbestände zu entleeren. Außerdem vergrößert der Konsumtag dazu die Schere zwischen kleinen und großen Händlern: Weil kleinere Händler nicht mit den Tiefpreisen der Konkurrenz mithalten können, verzeichnen sie Umsatzeinbußen, die sie in der Zukunft in den wirtschaftlichen Bankrott treiben könnten.

5. Black Friday Käufe lösen bloß kurzfristige Freude aus

Die Lockangebote des Black Friday versprechen unschlagbare Preise und scheinbar unschätzbare Schnäppchen. Doch bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass die Freude über diese vermeintlichen Deals oft nur von kurzer Dauer ist. Der Drang, in den Konsumrausch einzutauchen, mag zunächst durch die neuesten Errungenschaften gestillt werden, jedoch bleibt die Frage, ob diese Käufe wirklich langfristige Zufriedenheit schaffen.

6. Die Umweltauswirkungen des Black Fridays sind enorm

Der Black Friday verstärkt nicht nur den Druck, Dinge zu kaufen, die wir vielleicht nicht wirklich brauchen, sondern trägt auch zu einer Überproduktion und Ressourcenverschwendung bei. Die endlose Auswahl an Angeboten verleitet dazu, impulsiv einzukaufen und dabei aus den Augen zu verlieren, dass unser Planet bereits unter den Lasten unseres Konsumverhaltens leidet. Ein bewusster Verzicht auf den Black Friday kann nicht nur dazu beitragen, persönliche Finanzen zu schonen, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Es ist an der Zeit, die Vorstellung zu überdenken, dass unser Glück von der Anzahl der erworbenen Produkte abhängt und stattdessen einen nachhaltigeren Lebensstil zu fördern.

Black Friday Boycott: Das steckt dahinter

Hinter der Idee des Black Friday Boycotts steht die Überzeugung, dass Konsum nicht glücklich macht. Schon seit längerer Zeit gewinnen Vertreter:innen der Konsumverzicht- und Minimalismus-Bewegung immer mehr Anhänger:innen. Der Hintergrund: Eine radikal neue Definition von Luxus, der sich nicht durch materiellen Überfluss, sondern durch ausgewählte Produkte voller Langlebigkeit und Hochwertigkeit definiert.

Bekannte Stimmen für den Konsumverzicht

Viele Unternehmen stellen sich gegen den Shopping-Wahn durch verschiedene Aktionen. Manche Brands ignorieren zum Beispiel den Sale Day einfach. Manch andere starten Initiativen gegen den Black Friday in Social Media. Andere wiederum rufen zu Charity- oder Recycling-Aktionen auf. Hier drei Anti-Black-Friday Aktionen von Unternehmen.

1. FREITAG

Das Taschen Unternehmen FREITAG schließt am Black Friday seinen Onlineshop und alle Kassen in den F-Stores und verleiht seine Taschen gratis. Die Kampagne läuft unter dem Namen „Don’t buy. Just borrow.“ Und positioniert sich gegen den Massenkonsum für eine zukunftsfähige Wirtschaft. Am Black Friday werden die F-Stores zu temporären Ausleihstationen und Personen mit einem FREITAG Benutzerkonto können sich eine Tasche ausleihen. Es wird eine Auswahl aus 30 verschiedenen Modellen geben, die bis zu zwei Wochen kostenlos ausgeliehen werden können.

Black Friday Boycott FREITAG

Source & Copyright by FREITAG

2. Deciem

Deciem, die Marke hinter "The Ordinary", machte bereits 2019 ein Statement: Es schloss all seine Geschäfte und nahm die Unternehmenswebsite den ganzen Tag lang offline. "Übermäßiger Konsum stellt eine der größten Bedrohungen für den Planeten dar", heißt es in einem Instagram-Post von Deciem. Dieses Jahr geht das Unternehmen mit dem Slowvember gegen den Black Friday vor und reduziert den gesamten November lang alle Produkte um 23 Prozent. Somit haben die Kund:innen die Chance ihre Kaufentscheidungen lange und druckfrei zu überdenken und tätigen keine Impulskäufe.

3. Armedangels

Auch Armedangels verfolgt einen ähnlichen Ansatz um ein Zeichen gegen den Black Friday zu setzten. Den gesamten November über sind läuft deren „Slow-vember“ Aktion, bei welcher auf ausgewählte Artikel bis zu 25 Prozent reduziert sind. Das Unternehmen strebt damit an, dass seine Kund:innen bewusste Kaufentscheidungen ohne den Druck von Rabatt-Aktionen treffen sollen.

4. Ecoalf

Ecoalf setz sich bereits seit Jahren gegen das Black Friday Kauf-Event ein, so auch dieses Jahr. Das Unternehmen ruft seine Kund:innen dazu auf sich ihrer Instagram-Bewegung #recyclingblackfriday anzuschließen und nachhaltige Alternativen zu posten. Ziel der Anti-Black-Friday-Aktion ist, dass die Kund:innen ihre umweltschädlichen Gewohnheiten durch nachhaltige Alternative ersetzten. Ecoalf bietet dafür, während des Black Fridays, null Prozent Rabatt an, um ein Zeichen zu setzen.

Black Friday Boycott Ecoalf

Source & Copyright by Ecoalf

5. ALOHAS

Einen anderen Ansatz, um sich gegen den Shopping-Wahn auszusprechen, verfolgt ALOHAS. Das Unternehmen nämlich bietet das gesamte Jahr über bis zu 70 Prozent Rabatt auf seine Produkte an. Im Rahmen des Black Fridays bewirbt ALOHA dieses Angebot mit dem Titel „Besser als Black Friday“ und macht ausdrücklich klar, dass es sich nicht um einen Sale handelt, sondern um eine nachhaltige Rabatt-Aktion.

Ausblick: Wird es den Black Friday in zehn Jahren noch geben?

Wenn sich selbst große Marken gegen den Konsumrausch am Black Friday stellen - wie zukunftsträchtig ist dieses Kauf-Event dann noch? Die Antwort auf diese Frage hängt ganz davon ab, wie stark Menschen auch einen Blick hinter die Marken und ihre Werte werfen und einen bewussten Lifestyle pflegen.

Momentan sieht es ganz danach aus, als ob die Zeiten des “Geiz ist geil” endgültig vorbei sind. Immer mehr Menschen haben erkannt, dass günstig nicht gleich gut bedeutet und Qualität vor Quantität geht.

Auch, wie Händler:innen in diesem und den folgenden Jahren mit dem Konsumtag umgehen, wird Auswirkungen auf die Zukunft des Rabattschlacht-Tages haben. Denn wer jedes Jahr mit Fake-Schnäppchen auffällt, verliert unweigerlich Kunden.

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