Black Friday Boycott: Für die Umwelt & für das eigene Portemonnaie

Konsumverzicht statt Kaufrausch. Immer mehr Konsumenten sowie namhafte Player rufen zum Black Friday Boycott auf. Wir zeigen was es damit auf sich hat

Boycott Blackfriday
Bildquelle Freepik, Copyright by BiZkettE1

Autor: July

  • Rufe nach einem Boycott des Black Friday werden von Jahr zu Jahr lauter
  • Kauf-Event beschert Händlern Rekord-Umsätze, viele Menschen kaufen jedoch Dinge, die sie gar nicht benötigen
  • Bekannte Marken positionieren sich klar gegen einen Black Friday

Am 27. November 2020 ist es wieder soweit: Der Black Friday findet statt. Das Kauf-Event ist für Schnäppchenjäger der vielleicht wichtigste Tag des Jahres. Das Ziel: Die ersten Weihnachtsgeschenke möglichst günstig zu ergattern. Hunderttausende Artikel von Elektronik bis Kleidung werden reduziert angeboten, überall winken Rabatte.

Es ist jedoch nicht alles Gold, was glänzt. Immer lauter werden die Proteste gegen den Black Friday Konsumwahn. Manch einer spricht sogar von einem Black Friday Boycott. Was es damit auf sich hat und warum so viele zum Streik durch Konsumverzicht aufrufen, behandeln wir in diesem Artikel.

Was ist der Black Friday?

In den USA wird der Black Friday am Freitag nach Thanksgiving, also dem Erntedankfest, gefeiert. Thanksgiving fällt dabei immer auf den vierten Donnerstag im November. Der darauffolgende Freitag gilt als Startschuss für das Einkaufen der Weihnachtsgeschenke.

Längst beschränkt sich der "schwarze Freitag" nicht mehr auf die Vereinigten Staaten. Auch in Deutschland werben immer mehr Händler, allen voran Internethändler wie Amazon, mit Rabatten und Aktionsware. 71 Prozent der deutschen Verbraucher haben einer PwC-Umfrage zufolge vor, am Black Friday oder am darauffolgenden Cyber Monday zu shoppen.

Dabei wollen sie durchschnittlich 254 Euro ausgeben. Besonders gerne werden dabei elektronische Geräte, Kleidung, Schuhe und Accessoires sowie Haushaltswaren gekauft. Ganz so chaotisch wie in den USA geht es hierzulande allerdings noch nicht zu: Jedes Jahr kursieren Videos, die amerikanische Schnäppchenjäger beim Stürmen der Kaufhäuser zeigen.

3 Gründe warum der Black Friday problematisch ist?

Es handelt sich um einen vom Einzelhandel erfundenen “Feiertag”. Er dient dem ungebremsten Konsum und ist damit äußerst erfolgreich: Viele Händler machen die größten Umsätze des Jahres. Der Konsumwahn nimmt dabei absurde Ausmaße an:

1. Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen

Viele Menschen kaufen Dinge, die sie eigentlich gar nicht benötigen: Ein Überkonsum schadet dabei nicht nur dem eigenen Geldbeutel, sondern auch der Umwelt. Denn wer zu viele Dinge erwirbt, die er eigentlich gar nicht braucht, entsorgt diese möglicherweise bald nach dem Kauf. Das Black Friday-Schnäppchen ist damit wortwörtlich für die Tonne.

Der PwC-Studie nach, fühlen sich 21 Prozent der Black Friday-Shopper sogar gestresst und unter Druck gesetzt Käufe zu tätigen. Die Folge: Impulskäufe, die in hohen Retournierungs-Quoten resultieren.

2. Künstliche Rabatte sind keine echten Schnäppchen

Noch dazu sind die Rabatte, mit denen viele Händler werben, gar keine richtigen Rabatte. Tage oder Wochen zuvor schrauben manche Verkäufer beispielsweise die Preise in die Höhe, um sie am Black Friday wieder auf das normale Niveau zu senken. Der Käufer schätzt sich glücklich, ein Schnäppchen ergattert zu haben – und hat in Wahrheit denselben Preis gezahlt, den er auch während des restlichen Jahres bezahlen würde.

Dieser Umstand wurde sogar nachgewiesen: Die ZDF-Sendung „WISO“ beobachtete 3.068 Produkte und deren Preise in einem Zeitraum von zwei Monaten vor dem Black Friday sowie vier Monate danach. Das wenig verwunderliche Ergebnis: Bei einem Großteil der beobachteten Produkte blieb der Preis gleich.

3. Konkurrenz zu Lasten von Kleinhändlern

Nicht zuletzt sehen viele Händler die Gelegenheit Altwaren loszuwerden und Lagerbestände zu entleeren. Außerdem vergrößert der Konsumtag dazu die Schere zwischen kleinen und großen Händlern: Weil kleinere Händler nicht mit den Tiefpreisen der Konkurrenz mithalten können, verzeichnen sie Umsatzeinbußen, die sie in der Zukunft in den wirtschaftlichen Bankrott treiben könnten.

Black Friday Boycott: Das steckt dahinter

Hinter der Idee des Black Friday Boycotts steht die Überzeugung, dass Konsum nicht glücklich macht. Schon seit längerer Zeit gewinnen Vertreter der Konsumverzicht- und Minimalismus-Bewegung immer mehr Anhänger. Der Hintergrund: Ein radikal neue Definition von Luxus, das sich nicht durch materiellen Überfluss, sondern durch ausgewählte Produkte voller Langlebigkeit und Hochwertigkeit definiert.

Bekannte Stimmen für den Konsumverzicht

Viele Unternehmen stellen sich gegen den Shopping-Wahn durch verschiedene Aktionen. Manche Brands, wie Veja, ignorieren zum Beispiel den Sale Day einfach. Manch andere starten Initiativen gegen den Black Friday in Social Media. Andere wiederum rufen zu Charity- oder Recycling-Aktionen auf, so z.B. Mudjeans, Freepeople, Ecoalf, Armedangels und Everlane.

Einige Firmen wie beispielsweise Patagonia kritisieren offen den Konsumwahn, den der Black Friday verkörpert. Patagonia schaltete bereits 2011 die berühmte “Don’t buy this jacket”-Kampagne. “Es ist an der Zeit, dass wir uns als Unternehmen mit dem Thema Konsumverhalten auseinandersetzen. Um unseren ökologischen Fußabdruck zu verkleinern, müssen Unternehmen weniger Dinge in höherer Qualität herstellen. Kunden sollten zweimal nachdenken, bevor sie kaufen”, hielt Patagonia in dem dazugehörigen Statement fest.

Auch Deciem, die Marke hinter "The Ordinary", machte 2019 ein Statement: Es schloss all seine Geschäfte und nahm die Unternehmenswebsite den ganzen Tag lang offline. "Übermäßiger Konsum stellt eine der größten Bedrohungen für den Planeten dar", heißt es in einem Instagram-Post von Deciem, "und Flash Sales führen oft zu übereilten Kaufentscheidungen. Wir haben nicht mehr das Gefühl, dass der Black Friday ein umwelt- oder verbraucherfreundliches Ereignis ist”.

Ausblick: Wird es den Black Friday in zehn Jahren noch geben?

Wenn sich selbst große Marken gegen den Konsumrausch am Black Friday stellen – wie zukunftsträchtig ist dieses Kauf-Event dann noch? Die Antwort auf diese Frage hängt ganz davon ab, wie stark Menschen auch einen Blick hinter die Marken und ihre Werte werfen und einen bewussten Lifestyle pflegen.

Momentan sieht es ganz danach aus, als ob die Zeiten des “Geiz ist geil” endgültig vorbei sind. Immer mehr Menschen haben erkannt, dass günstig nicht gleich gut bedeutet und Qualität vor Quantität geht.

Auch, wie Händler in diesem und den folgenden Jahren mit dem Konsumtag umgehen, wird Auswirkungen auf die Zukunft des Rabattschlacht-Tages haben. Denn wer jedes Jahr mit Fake-Schnäppchen auffällt, verliert unweigerlich Kunden.

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