Arizona Muse fördert mit Charity „DIRT“ Biodynamik als Zukunftsmodell

Mit "DIRT" hat sich Model und Umweltaktivistin Arizona Muse der Unterstützung biodynamischer Landwirtschaft verschrieben. Was das bedeutet, erzählt Sie im exklusiven Interview 

Dirt
© Shope Delano

Autor: Julia Schindler

Vom international renommierten Model zur Umweltaktivistin und Nachhaltigkeitsberaterin. Während die verheerenden Umweltauswirkungen der Modebranche bekannt sind und besonders aktive Teilnehmer:innen animieren sollten, predigen Brands sowie Verantwortliche oft leere Floskeln zum Umweltschutz. Dagegen setzt Arizona Muse ein klares Statement. Auf Basis eingängiger Recherche wurde sie zur leidenschaftlichen Verfechterin von Nachhaltigkeit sowie ökologischer Regeneration. Mit der Gründung von DIRT, Foundation for the Regeneration of Earth, im Juni 2021, manifestiert Muse ihr nachhaltiges Commitment.

Die Wohltätigkeitsorganisation widmet sich der Praxis regenerativer, biodynamischer, Landwirtschaft, um die Gesundheit des Bodens, Artenvielfalt, ökologische Balance und lokale Gemeinden zu fördern. Zur Erreichung dieses Ziels setzt Muse auf Fundraising, Kooperationen und Bildungsinitiativen. Welche Ziele DIRT genau verfolgt und welche Rolle Biodynamik in der Zukunft spielen kann, erklärt uns Arizona Muse im Interview.

Woher stammt Ihr Interesse für Nachhaltigkeit und wurde es durch Ihre Arbeit in der Modebranche zusätzlich gestärkt?

Meine Reise begann als ich 27 war und seit 6 Jahren modelte. Damals realisierte ich, dass ich keine Ahnung hatte, wo meine Klamotten überhaupt herkamen. Geschweige denn, wer sie hergestellt hatte. Also unternahm ich einen Deep Dive, um mich über Lieferketten in der Modebranche zu informieren. Und fand heraus, dass mich Rohstoffe unglaublich faszinieren und neugierig stimmen.

Schnell kam mir die Erkenntnis, dass alles was wir brauchen oder verwenden in der Erde wächst. Dass alle Modestoffe, Inhaltsstoffe für Kosmetika sowie Medikamente, Leder für Autositze und sogar Metall aus Erde gewonnen werden. Seitdem bin ich zur Pädagogin geworden. Heute sind meine Social Media Plattformen Bildungsräume, in denen ich meine Begeisterung für ein nachhaltigeres Leben teile. Vor Kurzem habe ich dazu meine Charity DIRT, Foundation for the Regeneration of Earth, gegründet. Aber später mehr dazu.

Welche Möglichkeiten gibt es, um sich in Nachhaltigkeit und Biodynamik weiterzubilden?

Learning by Doing. Die beste Ausbildung, die meine Kinder und ich erfahren haben, war Freiwilligenarbeit auf biodynamischen Bauernhöfen. Ich finde, dass wir uns heutzutage so sehr von der Natur abgekoppelt haben, dass wir uns am Ende auch voneinander und sogar von uns selbst abkoppeln! Das war mein Moment der Erkenntnis. Wir werden nicht in der Lage sein das Nachhaltigkeitsproblem zu verstehen oder sogar mögliche Lösungen zu finden, wenn wir uns nicht mit der Erde verbinden und sie weiterhin wie ein Objekt behandeln.

Während ich Zeit mit biodynamischen Landwirten verbracht habe, realisierte ich wie besonders sie sind, wie viel langsamer sie sich bewegen, wie viel intelligenter sie sind und wie viel wertschätzender sie mit ihrer Umgebung umgehen. Es ist wirklich eine unglaubliche Erfahrung, die ich nur empfehlen kann. Tatsächlich ermutige ich sogar jeden, einen Tag auf einem biodynamischen Bauernhof in der Nähe zu verbringen!

Was war Ihre Motivation, DIRT zu gründen?

Ich habe lange über Lösungen für die allgegenwärtige, uns alle global konfrontierende Klimakrise nachgedacht. Die biodynamische Landschaft erscheint mir nicht nur die einfachste abfallfreie Lösung zu sein, sondern auch die angenehmste. Boden ist überall und jeder kann biodynamische Landwirt:in oder Gärtner:in werden, um dabei zu helfen, das Leben im Boden zu regenerieren. Alles was wir brauchen, stammt aus ihm. Deshalb habe ich mich entschlossen, DIRT zu gründen! Eine Wohltätigkeitsorganisation zur Unterstützung regenerativer landwirtschaftlicher Praktiken. Zudem ist die Demeter Zertifizierung wirklich ausschlaggebend für meinen Fokus auf die biodynamische Bewegung - vor allem aufgrund seiner hohen Regenerationsstandards.

Was genau ist biodynamische Landwirtschaft und was sind die Vorteile?

Stellen Sie sich einen Bauernhof als geschlossenen, kreisförmigen Organismus vor. Alles was wir brauchen, ist vorhanden. Das heißt, dass biodynamische Landwirt:innen nichts kaufen müssen. Stichwort Konsumverzicht. Sie bauen ihre eigenen Lebensmittel an, während der Boden wiederum mit eigenem Kompost gedüngt wird. Außerdem ist der Einfluss auf die Artenvielfalt erstaunlich. Biodynamische Farmen sind nie Monokulturen. Es sind Mischkulturen, die Vitalität fördern und Biodiversität schützen, indem sie die Anfälligkeit für Krankheiten sowie Schädlinge verringern. Das macht den Boden reich und gesund, was den Landwirt:innen zahlreiche Ernten beschert. Insgesamt steigert es somit Erträge und stärkt Gemeinschaften.

Auch der Einfluss auf die Gesundheit der Natur ist hervorzuheben. Ein biodynamischer Betrieb wird niemals Flüsse verschmutzen. Im Gegenteil wird er den Boden über seine Grenzen hinaus heilen, da sich das Biom des gesunden Bodens unter dem biodynamischen Betrieb Jahr für Jahr auf natürliche Weise ausdehnen kann. Außerdem brauchen biodynamische Landwirt:innen keine teuren Maschinerien. Also gibt es keine Schulden, die auf der mentalen Gesundheit lasten.

Die größte Besonderheit biodynamischer Landwirtschaft, die sie von allen anderen landwirtschaftlichen Praktiken abhebt, ist allerdings die Erkenntnis, dass Pflanzen nicht nur physische Materie sind. In jeder Pflanze ruht etwas unsichtbares, nicht greifbares aber unbestreitbar Vorhandenes, das sie am Leben erhält. Die Biodynamik bewirtschaftet eben dieses Leben in den Pflanzen, den Tieren, den Menschen und der Erde. Sie ist eine Praxis, die das Leben ungemein bereichern kann. Ich persönlich habe den Ehrgeiz, selbst biodynamische Landwirtin zu werden.

DIRT operiert über ein Fundraising Modell. Wie genau funktioniert das?

DIRT will die biodynamisch bewirtschaftete Fläche an Land erhöhen. Dazu suchen wir rund um die Welt nach Projekten auf biodynamischen Bauernhöfen sowie nach Spender:innen zur Unterstützung dieser. Ziel der Strategie ist der Aufbau von Beziehungen zwischen Landwirt:innen und Geldgeber:innen, die über finanziellen Support hinausgehen. Es gibt so viel zu lernen und Raum zu wachsen, wenn man einer biodynamischen Landwirt:in zuhört.

Wir kreieren vielseitiges Film- und Bildmaterial über die Projekte, das als pädagogisches Werkzeug, als Multiplikator der Verbreitung der Mission und als Mehrwert für Spender:innen dient. Alles was bereits erstellt wurde, lässt sich auf DIRTs YouTube Kanal entdecken.

Wie viele Projekte unterstützen Sie aktuell? Gibt es ein repräsentatives Beispiel, das Ihnen am Herzen liegt?

Zum Zeitpunkt unseres Launchs, engagierten wir uns für 10 Projekte. Jeweils aus einem anderen Land. Unterscheiden kann ich allerdings nicht zwischen ihnen – Alle sind sehr sinnvoll und liegen mir am Herzen. Zum Beispiel die Wiederbelebung einer Goldmine und der dazugehörigen Gemeinde in Uganda oder die Bereitstellung eines Heims sowie psychologischer Unterstützung für Frauen, die keinen Platz zum Leben finden, auf einem biodynamischen Bauernhof in Rumänien.

Gerade haben wir eine Reihe von drei Veranstaltungen zur Schulung konventioneller Landwirte in Ägypten abgeschlossen. Und mehr als 60 Baumwolllandwirt:innen haben sich zur Umstellung auf biodynamische Wirtschaftsweisen verpflichtet! Bald werden wir über 60 neue ägyptische biodynamische Baumwolllandwirt:innen, die sich der Wertschöpfungskette anschließen, haben.

Warum haben Industrien, insbesondere die Modeindustrie, bisher so wenig Wert auf biodynamische Landwirtschaft gelegt?

Derzeit produziert die Biodynamik Lebensmittel und Trauben für die Weinherstellung. Demgegenüber stehen nur sehr geringe Mengen an Fasern und Leder, die auf biodynamischen Betrieben gewonnen werden. Das bedeutet: Die von der Modeindustrie benötigten Rohstoffe sind im Wesentlichen noch nicht verfügbar.

Wären Rohstoffe wie Baumwolle, Wolle, Zellulose aus Holzstoff sowie Leder auf dem Markt verfügbar, könnte die Modeindustrie die biodynamische Landwirtschaftsbewegung unterstützen und somit einen Beitrag zur Regeneration des Bodens leisten. DIRT setzt hier an und arbeitet mit der biodynamischen Landwirtschaftsbewegung zusammen, um die Produktion genau dieser Rohstoffe zu fördern.

Wie verbreiten Sie Ihre Mission – Sowohl privat als auch professionell?

Ich liebe Videos als Mittel, um Information zu teilen. Auf meinem persönlichen Instagram @Arizona_Muse und auf @Dirt.charity poste ich einige der Videos, die ich als Aktivistin kreiert habe. Und auf DIRTs YouTube Kanal gibt es sogar eine Miniserie, in der Rohstoffe und ihre Herkunft erklärt werden, um Zuschauer:innen zu helfen, besser informierte Konsumentscheidungen zu treffen. Sie heißt „Explained By DIRT“.

Was sind die Ziele, die Sie in den nächsten fünf Jahren erreichen wollen?

DIRT wünscht sich eine Welt, in der alle 37% der von Menschen bewirtschafteten Landflächen mit biodynamischen Methoden gepflegt werden. Ich hoffe wir befinden uns auf dem Weg, dieses Ziel in 5 Jahren zu erreichen.

Vielen Dank für das Interview, liebe Arizona! 

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