ZAZI – Eine Geschichte über Fashion, Handwerkskunst & Menschlichkeit

Im Dialog mit Jeanne de Kroon, Founderin von ZAZI - wie Verantwortung und Mut die Fashion Industrie revolutionieren kann

Küche der Zukunft
Jeanne de Kroon Founderin von ZAZI

ZAZI ist ein Luxus-Modelabel mit Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit sowie wirtschaftlicher und sozialer Unabhängigkeit von Frauen. Das Ziel des Unternehmens ist es, mit Vintage- und Bio-Materialien dem traditionellen Vintage Design ein neues Leben zu schenken.

Dafür werden in Zusammenarbeit mit Frauen sowie Kunsthandwerkern auf der ganzen Welt neue Stücke kreiert. ZAZI zahlt faire Löhne, finanziert die Ausbildung von Mädchen vor Ort und unterstützt lokale Handwerker. Wir haben die Founderin Jeanne de Kroon für Sie besucht.

1. Beschreiben Sie ZAZI in einem Satz?

Ein farbenfrohes und idealistisches Fest der handwerklichen Kreationen von Frauen sowie das Zelebrieren des Lebens durch Stoffe.

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Bildquelle: ZAZI

2. Sie haben eine nachhaltige Modemarke gegründet. Was war die Motivation und Inspiration für diese Entscheidung?

Es gab so viele Aspekte in meinem Leben, die dazu beigetragen haben nach mehr Sinn zu suchen. Ich bin mit meiner Mutter aufgewachsen, die früher Modejournalistin war und später Kunsthistorikerin wurde. Sie erzählte mir von diesen unglaublichen und traumhaften Geschichten aus den 70er- und 80er-Jahren, wie von Richard Avalon sowie Diana Vreeland und wie sie Westwood in ihren frühen Tagen kennengelernt hatte.

"Kombiniert mit meinen Reisen während meines Philosophiestudiums, wo ich so viele Frauen traf, die ihre Geschichten durch Stoffe kommunizierten, wurde mir langsam klar wie bedeutungsvoll unser Kleidung ist."

Vor ein paar Jahren hatte ich meinen Aha-Moment: während der Uni hatte ich meinen einzigen Model-Job für einen der Fast-Fashion Riesen und am Ende schenkten Sie mir ein T-Shirt. Ein paar Monate später traf ich zufällig eine Frau in den Slums von Indien, die in einer der Fabriken arbeitete, in denen die Firma für die ich gemodelt hatte, ihre Artikel produzierte.

Diese Frauen mussten 16 Stunden am Stück arbeiten, sie konnten nicht einmal auf die Toilette und mussten deshalb Windeln tragen. Sie wohnten neben dem verschmutzten Fluss, wo die Firma ihre Textilien mit Chemikalien bearbeiteten. Ich hörte mit dem Modeln auf und änderte meine Sichtweise auf die Kleidung die ich trug. Ich unternahm täglich Schritte, um dieses Bewusstsein zu verbreiten.

3.  Der Ansatz von Kreiswirtschaft macht Ihre Kollektionen aus, können Sie uns etwas mehr über die von Ihnen verwendeten Stoffe und Materialien erzählen?

Angesichts der großen Massen die derzeit von der Modeindustrie produziert werden und den unglaublichen Mengen an Abfall die daraus entstehen war mir klar, dass ich nicht noch mehr Ressourcen verbrauchen wollte. Gleichzeitig wollte ich etwas zum Lebensunterhalt von Frauen und Handwerkern in ländlichen Gebieten sowie Entwicklungsländern beitragen. Vor 5 Jahren habe ich aufgehört schnelle Mode und neu hergestellte Massenware zu kaufen. Durch meine Reisen lernte ich tolle Familien entlang der Seidenstraße kennen.

"Von Usbekistan bis in die Mongolei und von Kabul bis nach Delhi sammelte ich ein ganzes Netzwerk von Vintage-Händlern, die mit mir Safrantee tranken, während wir uns die Samtarbeiten aus Afghanistan der 1970er Jahre anschauten"

Dies mit der Verbindung zu einer unglaublichen Frau namens Madhu und ihre gemeinnützige Organisation in ländlichen Rajasthan bildete das Fundament meiner Firma.

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Der einzige wirkliche Grund etwas Neues zu kaufen, ist die Unterstützung der Menschen sowie der Künste die hinter der Kleidung stehen. Die Zukunft der nachhaltigen Mode liegt meiner Meinung nach nicht in einem Kunststoff aus dem Ozeanbadeanzug mit einer cleveren Marketingkampagne, sondern in der Veränderung unserer gesamten Beziehung zur Kleidung.

"Etwas Besonderes zu kaufen, das wir für unser ganzes Leben schätzen können. Kleidung, die eine authentische Geschichte erzählt, wie der Schal Ihrer Großmutter"

Fast 90% der Kleidung, die wir mit Zazi herstellen, besteht aus recyceltem Stoff. Daher kreieren wir Kollektionen aus den Bedürfnissen der Lieferkette heraus. Das bedeutet, dass die Produktion nach der Kapazität unserer NGOs und Sozialunternehmen angepasst wird.

4. Was bedeutet Mode für Sie und warum sollte Mode nachhaltig sein?

In den letzten Jahren hatte ich das Glück von mehreren Frauengemeinschaften auf der ganzen Welt zu lernen. Von den hohen Bergen Tadschikistans bis zu den tiefsten Dörfern entlang des Amazonas. Frauen stellen überall ihren Glauben und das Göttliche durch die Schaffung von Kunstwerken dar.

"Ich glaube nicht an Mode, aber ich glaube an Kleidung. Luxus bedeutet für mich Freiheit"

Auf diese Weise können wir miteinander kommunizieren. Durch Kleidung die einen von den Geschichten träumen lässt die sie erzählen - nur dies wird die Mode letztendlich nachhaltig machen.

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5. Sie haben es geschafft, aus einer NGO ein profitables Unternehmen zu machen. Was war die größte Herausforderung?

Dies ist heute noch die größte Herausforderung, mit der ich bei jeder Kollektion konfrontiert werde. Die Gründung von Zazi war eine Art finanzieller Albtraum, aber ein idealistischer Supertraum, der aus irgendeinem mysteriösen Grund bisher zu funktionieren scheint. Wenn Sie wirklich alles richtig machen und zudem die Lebensgrundlage anderer Menschen unterstützen wollen, wird das Produkt leicht über 100 Euro kosten.

"Entscheiden Sie sich immer für etwas, das lange hält und Sie sich beim Tragen wie Beyoncé fühlen"

Ich habe mich auch bewusst dafür entschieden den Preis zu senken, um meine Produkte leichter zugänglich zu machen. Ich möchte meine Stücke auch an Frauen verkaufen, die kein Luxusbudget haben. Die Margen bei Zazi sind nicht erstaunlich, aber wir sind ausverkauft und können dabei langsam und stetig wachsen. Es fing in meinem Schlafzimmer mit 500 Euro an und innerhalb von 2 Jahren konnte ich damit die Existenzgrundlage von 180 Frauen direkt und indirekt  sichern.

Obwohl es Monate dauert einen unserer Mäntel zu besticken und Wochen um sie mit Eseln über die afghanische Grenzen zu tragen, Tage, um sie von Hand zu nähen und dann sie nach Berlin zu bringen. Dies ist es was Zazi magisch macht und was die Menschen fühlen, wenn sie unsere Produkte tragen.

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6. Was würden Sie jemandem sagen, der süchtig nach Fast Fashion ist?

Oh, dass ich total mitfühle! Mode macht so viel Spaß und durch Fast Fashion sind bestimmte Trends sehr gut zugänglich. Es ist in Ordnung sich über Mode zu freuen, wenn man allerdings auch bereit ist mehr Second Hand zu kaufen.

Ich bin mit sehr wenig Geld für Kleidung aufgewachsen. Mit 20 Euro Taschengeld hatte ich die Wahl entweder zwei Fast Fashion Stücke zu kaufen oder in einem kleinen Second-Hand-Laden die tollsten Kaschmirpullover für 1 Euro zu finden. 

7. Unsere Welt bis 2050, wie schauen Sie in die Zukunft ? Und wie wird sich die Modebranche im Laufe der Zeit verändern?

Das Wichtigste ist, dass wir unsere kleine persönliche Transformation durchlaufen. Am Ende müssen wir eine persönliche Verbindung zu allem herstellen, was wir kaufen und es auch schätzen. Von dem Gemüse, das wir essen über die Art wie wir reisen und arbeiten, bis hin zu den Kunstwerken die wir tragen.

Auf Grundlage des Verbraucherverhaltens wird sich denke ich ein systematischer Wandel ergeben. Wie das aussieht? Ich bin mir nicht sicher, aber diese unsichere idealistische Zukunft lässt mich jeden Morgen aus dem Bett steigen.

Vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit Jeanne.

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