Wie nachhaltig sind Take Back und Fashion Recycling wirklich?

Immer mehr Brands werden zirkulärer und nehmen gebrauchte Kleidungsstücke zurück. Doch wie nachhaltig sind die Take Back Programme wirklich?

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Source & Copyright by Rag & Bone

Autor: Hanna Lina Werner

Nach immer lauter werdender Kritik kommen die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz endlich auch in der Fashion-Branche an. In den letzten fünf Jahren arbeiteten immer mehr Modemarken daran, die Haltbarkeit ihrer Mode zu verlängern oder ihre Konsument*innen nach der Nutzungsdauer zum Recyceln zu motivieren. Um genau das zu erreichen und getragene Pieces zurück in den Recycling-Kreislauf zu bringen, etablieren immer mehr Unternehmen wie Patagonia, Nike oder Adidas sogenannte Take Back Programme.

Das Bestreben: Eine Kreislaufwirtschaft, in der keine Verschwendung von Ressourcen mehr stattfindet. Allerdings birgt dieses Ziel Herausforderungen und noch immer offene Fragen. In einer Zeit, in der die Masse vermeintlich nachhaltiger Initiativen zunimmt, Greenwashing sich zum Zweck der Wettbewerbsfähigkeit schnell verbreitet und Transparenz ein Sonderfall ist, fragen wir uns: Sind die Take Back Schemes von Modemarken wirklich nachhaltig oder trügt uns der Schein?

Take Back Scheme: Was ist das?

Mit einem Take Back Scheme stellen Brands ihren Konsument*innen die Möglichkeit zur Verfügung, ihre getragenen Kleidungsstücke zu recyceln. Dabei können allerdings viele verschiedene Varianten angewandt werden. Während manche Marken auf den Postweg setzen, bieten andere Fashion Brands die Option an, pre-loved Pieces direkt im Laden abzugeben. Der Clue: Als Anreiz Kleidungsstücke wirklich abzugeben, erhalten Kund*innen ein Incentive, beispielsweise einen Gutschein.

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Source & Copyright by Eileen Fisher

Da Rücknahme Programme operativ relativ komplex sind, verlassen sich viele Marken auf die Unterstützung von Dienstleister*innen. Die größte Challenge der Take Back Schemes ist dabei der Umgang mit den riesigen Mengen an zurückgegebener Kleidung. Jedes einzelne Item muss nämlich von Hand sortiert sowie auf Qualität und Zustand geprüft werden.

Der Take-Back-Trend: Das sind die Vorteile von Mode Recycling

Take Back Programme verhindern es, dass Konsument*innen ihre Kleidung einfach über den Hausmüll entsorgen. Dadurch wird die Verschwendung wertvoller Materialien und Ressourcen vermieden. Und genau das wird immer wichtiger: Die Herstellung von Stoffen sowie Textilien produziert besonders viel CO2, weshalb die Wiederverwendung - ob durch Second Life, Recycling oder Upcycling - bestehender Materialen eine besonders relevante Rolle im Fashion Kosmos spielt.

Ein weiterer Vorteil der Take Back Schemes: Es wird Kund*innen erleichtert, Klamotten zu spenden, während ihnen gleichzeitig Anreize wie Gutscheine oder Geschenkkarten geboten werden. Dadurch verringern Modemarken, die Textilien recyceln und auf die Verwendung neuer Stoffe verzichten nicht nur ihren CO2 Fußabdruck. Sie schaffen Pioniere mit mehr Bewusstsein für Nachhaltigkeit innerhalb der Modebranche.

Diese Marken bieten Take Back Schemes an

In der Modewelt lancieren immer mehr Marken Take Back Schemes, um ihre eigene Brand DNA sowie auch den Konsum ihrer Kund*innen nachhaltiger zu gestalten. So leisten sie einen Beitrag für eine umweltfreundlichere Fashion Future und setzen ein positives Exempel für andere Häuser. Wenn es um innovative Programme geht, sind das 3 Labels-to-Watch:

  1. Patagonia
  2. Timberland
  3. MUD Jeans

Patagonia

Bereits 2013 führte Patagonia das Worn-Wear-Programm ein, um die Lebensdauer von Kleidungsstücken zu verlängern. Das Ziel: Langlebigkeit zur Vermeidung von CO2 Emissionen und Müll. Und zwar, indem jährlich Worn-Wear-Touren umgesetzt werden, auf denen Teams in verschiedenen Städten Reißverschlüsse, Risse, Knöpfe und noch vieles mehr reparieren.

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Source & Copyright by Patagonia

MUD Jeans

Als zirkuläre Marke stellt MUD Jeans sicher, dass alle verkauften Jeans im Kreislauf der Marke bleiben. Bedeutet: Es ist selbstverständlich, dass Konsument*innen ihre getragene Kleidung zurückgeben können. Der besondere Clue liegt allerdings in der holistischen Herangehensweise der Marke. Neben eigenen Pieces des Labels, nimmt MUD Jeans auch Kleidung anderer Marken an. Diese müssen zu 98% aus Baumwolle bestehen, um sich für den Recycling Partner in Valencia zu qualifizieren. Ein weiteres Denim Recycling Programme bietet beispielsweise Rag & Bone New York.

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Source & Copyright by MUD Jeans

Timberland

2021 ging Timberland einen weiteren Schritt in Richtung Zirkularität und launchte das globale Take Back Programm Timberloop™. Im Rahmen davon können Kund*innen jetzt Schuhe, Kleidung sowie Accessoires in verschiedenen Timberland Stores abgeben. Dort wird die Mode entweder repariert, um auf einer Second Hand Plattform weiterverkauft zu werden oder upgecycelt, um neue Produkte herzustellen.

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Source & Copyright by Timberland

Take Back Programme mit Incentives: Alles nur Schein?

Es ist eine erwähnenswerte, inspirierende und garantiert positive Entwicklung der Modebranche, dass sich immer mehr Labels dem Konzept einer zirkulären Kreislaufwirtschaft nähern. Trotzdem gibt es Bedenken, dass Take Back Programme keine Lösung für das tiefer liegende Problem der Industrie sind. Wieso? Vor allem bei Fashion Giganten wie Nike, Adidas oder Timberland fehlt es an Durchschaubarkeit. Was passiert mit den Kleiderspenden, sobald sie den Recycling Container erreichen?

Zu oft sind die Prozesse der Marken nicht transparent genug und geben nur mangelnde Auskünfte über den Ablauf des Recyclings. Es bleibt also im Dunkeln, welcher Prozentsatz der eingereichten Kleidungsstücke weiterverkauft, wiederverwendet oder vollständig recycelt sowie aufgearbeitet wird.

Investigatives Commitment gegenüber der Nachhaltigkeit

Wie auch das Recherche-Projekt Sneakerjagd deutlich macht, trügt der positive Schein von 2nd Life Programmen oft. Im Rahmen ihrer Investitionen fand das Team von Journalist*innen heraus, dass nur sehr gut erhaltene Schuhe wirklich eine Chance haben, sich für Recycling Programme zu qualifizieren. Heißt: Zustand avanciert zum Auswahlkriterium. Entsprechend landeten Sneaker mit starken Abnutzungserscheinungen einfach auf Mülldeponien in Afrika. Recycling Fehlanzeige.

Und jetzt? To give back or not to give back

Für Verbraucher*innen bedeutet die journalistische Recherche, dass in erster Linie das Zurückgeben von Kleidung in gutem Zustand Sinn macht. Abgenutzte Items können hingehen im Müll entsorgt werden, falls niemand aus dem Freundeskreis oder der Familie Interesse hat. Das ist besser als der CO2 belastete Transport in Entwicklungsländer, die aufgrund des Mangels an funktionierendem Abfallmanagement stärker unter der Müllbelastung leiden.

Und allgemein? Auch wenn Take Back Programme nicht die Lösung für alle Probleme der Fashion Industrie sind, tragen sie zu mehr Nachhaltigkeit in der Branche bei. Ein Schritt in die richtige Richtung wäre es allerdings, Take Back Programme in Zukunft transparenter zu gestalten, um Kund*innen Einblicke in die Abläufe des Recyclings zu gewährleisten sowie Kriterien für das Zurückgeben von Kleidungsstücken zu definieren.

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