Piñatex, Lino oder Mylo – Was ist veganes Leder und die Innovation dahinter?

Modemarken machen es derzeit vor: Taschen, Schuhe und Kleidung aus Ananas, Palmen und Pilzen - Alles über die innovativen Lederalternativen

Stella Mylo veganes leder, was ist veganes leder?
Source & Copyright by Stella McCartney

Autor: Ilka Bröskamp

Leder ohne Tierleid? Innovative Unternehmen der Modebranche erobern den Markt mit pflanzlichen, plastikfreien Lederalternativen. Doch was ist veganes Leder eigentlich? Vier nachhaltige Alternativen zu herkömmlichem Leder finden Sie hier. Geht es um Ernährung, sind vegane Alternativen nichts Neues und längst mehr als nur ein Trend. Mit zunehmendem Bewusstsein für Umwelt- und Tierschutz, wächst auch in der Modebranche der Wunsch nach nachhaltigen Alternativen für Leder.

Kürzlich lancierte Stella McCartney die erste Modekollektion aus Pilzleder und nicht umsonst bieten renommierte Marken wie Hermès und Adidas ihre Leder-Klassiker auch als vegane Alternative. Aber was ist veganes Leder, woraus besteht es und was gibt es für Alternativen.

Was ist veganes Leder?

Veganes Leder verzichtet gänzlich auf tierische Inhaltsstoffe. Dafür kommen pflanzenbasierte Ersatzstoffe wie Ananasfasern, Palmenblätter oder auf Pilzen basierte biotechnologische Materialien zum Einsatz. Veganes Leder ist daher vor allem eins – vielfältig!

Immer mehr junge, kreative Hersteller entwickeln innovative Lederimitate, die nicht nur auf tierische Materialien verzichten, sondern oft auch ohne umstrittene, umweltschädliche Kunststoffe wie Polyurethan (PU) und Polyester produziert werden. Sie beweisen, dass auch die Zukunft von Leder nachhaltig sein kann. Hier sind vier vegane Lederalternativen, die in Sachen Optik und Qualität ihrem Original in nichts nachstehen.

 Adidas vegane Mylo Stan Smith, was ist veganes leder?

Adidas vegan Stan Smith aus Mylo - Source & Copyright by Adidas

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5 innovative Alternativen für veganes Leder

1. Piñatex Ananasleder

Die britische Firma Ananas Anam gilt als eine der ersten Hersteller von veganem Leder. Ausgangsmaterial für die Produktion der Lederalternative Piñatex sind dabei die Fasern von Ananasblättern. Diese sind eigentlich ein Abfallprodukt der Ananasernte in den Philippinen. Wie Leder, werden auch die Ananasfasern gegerbt, jedoch fast ausschließlich mit biologisch abbaubaren Chemikalien, statt dem toxischen Chrom. Die Produktion der veganen Lederalternative Piñatex ist also nicht zuletzt aufgrund der kreislauffähigen Rohstoffe besonders nachhaltig.

It-Factor: Das Endprodukt ist ein weiches, atmungsaktives und dennoch strapazierfähiges, langlebiges Material, das sich in der Modeszene bereits etabliert hat. Das vegane Piñatex Leder hat so schon den Weg in die Kollektionen beliebter Marken wie Hugo Boss, Native Shoes, Nae oder Votch geschafft.

2. Mylo Pilzleder

Dass Pilze noch viel mehr als nur ein Nahrungsmittel sind, beweisen die neusten Trends der Modeindustrie. Bereits mehrere Unternehmen zeigen, wie aus Pilzen ein nachhaltiges, veganes Leder entsteht. Dieses Pilzgeflecht besteht zunächst aus einzelnen, winzigen Fäden, die unter der Erde wachsen.

Eines dieser Unternehmen ist "Grade Zero" aus dem italienischen Florenz. MuSkin nennt sich das hier entwickelte Pilz-Leder, das auf komplett natürliche Weise produziert wird. Für die Herstellung werden die Köpfe der sogenannten Phellinus Ellipsoideus Pilze verwendet. Der Einsatz ökologischer Wachse und anderer umweltfreundlicher Produkte, kreieren die für Leder typische Optik. Das Ergebnis kann sich dabei durchaus sehen lassen, denn es ist dem edlen Veloursleder zum Verwechseln ähnlich.

Auch die Biotech-Marke "Bolt Threads" präsentiert ein eigens entwickeltes Pilzleder, das sich in Zukunft in der Modewelt durchsetzen könnte. Mylo nennt sich diese vegane Lederalternative, die aus Myzelium, der unterirdischen Wurzelstruktur von Pilzen, produziert wird. Durch optimale Wachstumsbedingungen, die durch das Unternehmen Bolt Thread geschaffen werden, wachsen diese Fäden zu einem Geflecht zusammen. Es entsteht ein weiches und nachhaltiges Material, das sich nicht nur anfühlt wie herkömmliches Leder, sondern auch so aussieht.

Stella McCartney Mylo Garment, was ist veganes leder?

Source & Copyright by Stella McCartney - Erstes Kleidungsstück aus Mylo-Fasern

It-Factor: Große Modehäuser wie Stella McCartney und Adidas investieren bereits in die Produktion des Pilz-Leders Mylo und planen bald erste Produkte auf den Markt zu bringen. Neben der nachhaltigen, toxinfreien Produktion gilt Pilz-Leder als wasserabweisend und langlebig und überzeugt so als vegane Lederalternative der Zukunft.

3. Palmen-Leder

Auch der niederländische Designer Tjeerd Veenhoven greift auf pflanzliche Fasern zur Herstellung seines veganen Leders zurück. Anstatt Ananasblätter zu verarbeiten, nutzt Veenhoven allerdings die Blätter der Areca Palme. Das eigentlich eher spröde, brüchige Material wird in einer speziellen Lösung enthärtet. Nach einigen Tagen ist es dann formbar und geschmeidig und kann so weiterverarbeitet werden.

It-Factor: Das Besondere an Palmen-Leder ist, dass bei der Produktion ausschließlich für den Menschen unbedenkliche, nicht-toxische Stoffe wie Wasser und Glycerin zum Einsatz kommen. So ist es nicht nur eine vegane, sondern auch eine besonders umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichem Leder. Ob Taschen, Schuhe, Buchhüllen oder sogar Teppiche – Veenhovens Designs beweisen, dass Palmen-Leder eine ebenso kreative wie modische Ledervariante ist.

4. Lino-Leder

Linoleum kennen die meisten wohl eher als Bodenbelag, der sich aufgrund seiner Ähnlichkeit zu Kunststoff meist keiner großen Beliebtheit erfreut. Was viele aber nicht wissen: Linoleum besteht fast ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen, einer Mischung aus Leinöl und Füllmaterial wie pulverisiertem Kork.

Durch eine Reihe von Experimenten ist es dem Designer Don Kwaning gelungen, Linoleum in vielfältige Lederarten umzuwandeln. Durch die unterschiedliche Gewichtung der einzelnen Komponenten, entstehen verschiedene Materialien. Eine eher dicke Version des Materials erinnert dabei an die raue, faltige Struktur von Rindsleder.

It-Factor: Die dünnere Variante hingegen ist deutlich weicher und flexibler. Textur und Optik dieses Materials entsprechen so vor allem den handelsüblichen Lederarten und machen sie zu einer vielversprechenden veganen Lederalternative.

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Veganes Leder zeigt den Weg in die Zukunft

Für viele ist Leder auf Grund seiner Qualität und Optik aus der Modewelt kaum wegzudenken. Gleichzeitig gewinnen Natur- und Tierschutz zunehmenden an Bedeutung und sind mit der Herstellung von konventionellem Leder kaum zu vereinbaren. All die in diesem Artikel vorgestellten innovativen Ideen und Entwicklungen zeigen, dass wir auch in Zukunft nicht auf Leder verzichten müssen. Veganes Leder bietet eine echte Alternative zu herkömmlichen tierischen Materialien und ist diesen vor allem in punkto Nachhaltigkeit und Umweltschutz einiges voraus.

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