Re-Sale Plattform vereint Circular Fashion und New Luxury

Wie die Managed Marketplace für pre-loved Designermode nachhaltige Antworten und Lösungen für den Konsum bietet

Im Interview mit Cécile Wickmann, Günderin Rebelle

Rebelle Interview Cécile Wickmann
Quelle & Copyright by Rebelle

Autor: Haus von Eden

Die Second-Hand Plattform für Designermode Rebelle plant als erster gründer Börsengang in Stockholm an die Nasdaq First North Growth Market zu gehen. Das Erfolgsgeheimnis von Rebelle: Die Plattform übernimmt als “Managed Marketplace” den gesamten Prozess für die Verkäufer*innen. Vom Erstellen professionellen Text- und Bildmaterials bis hin zu Verpackung, Versand, Lagerung und Zahlungsabwicklung sowie strengen Echtheits- und Qualitätsprüfung aller Designerstücke. Für Kund*innen bedeutet dies ein garantiert high-end Shopping-Experience.

Grund genug die Vision des Gründerteams Cécile Wickmann und Max Schönemann vorzustellen. In unserem Interview spricht Founderin Cécile über den rasanten Resale-Boom, wie pre-loved das Fast Fashion Problem lösen kann und warum die Rolex Uhr und Chanel Handtasche immer noch als Statussymbol und Investment funktionieren.

"Re-Sale ist, als wesentliches Element von Circular Fashion, das genaue Gegenteil von Fast Fashion und eine ganz klare Lösung für die schmutzige Modeindustrie"

 Portrait Cécile Wickmann

Rebelle Founder Cécile Wickmann

Was bedeutet für Dich New Luxury?

Luxus hat heute einen andere Bedeutung als noch vor ein paar Jahren. Der Besitz von Statussymbolen wird zum temporären Konzept und wird damit flexibler. “Neu” muss nicht mehr zwingend „ungetragen oder unbenutzt“ bedeuten, sondern erhält einen subjektiven Charakter. Außerdem hat sich die Bedeutung von Luxus verändert bzw. erweitert: Während sich der Begriff früher ausschließlich auf teure Güter und Services bezog, ist für die jüngeren Generationen immer wichtiger, dass eine Marke und das dazugehörige Unternehmen sozial und ökologisch nachhaltig sind. Und das wollen sie auch nach außen tragen und zeigen.

Luxus bedeutet heute wesentlich stärker auch Qualität. Konsument*innen achten auf den Purpose hinter den Marken sowie auf die Herstellung und investieren lieber mehr Geld in hochwertige, langlebige Produkte, die auch einen zweiten oder dritten Lebenszyklus halten und die sie für gutes Geld wieder verkaufen können.

Wie erklärst Du Dir den aktuellen Resale-Hype?

Secondhand-Mode hat in den letzten Jahren einen großen Imagewandel erlebt und ist inzwischen zum Mainstream geworden. Heute kauft bereits ein Großteil der modeaffinen Frauen Kleidung aus zweiter Hand. Immer mehr verkaufen ihre nicht mehr getragenen Kleidungsstücke ebenfalls bereits weiter. Die Ursache für diesen Boom ist vor allem eine Trendwende im Konsumverhalten:

Die Fashionindustrie ist eine der schmutzigsten Branchen der Welt. Das ist inzwischen insbesondere bei den jüngeren Käufergenerationen angekommen. Sie verlangen immer stärker nach nachhaltigeren Produkten und Services. Während vor ein paar Jahren in unseren Kundenumfragen immer noch ein günstigerer Preis bzw. die Ersparnis beim Second-Hand-Kauf am ausschlaggebendsten für die Kaufentscheidung waren ist es heute klar der Nachhaltigkeitsaspekt.

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Auch suchen sie gezielt nach Einzelstücken und Vintage-Pieces, die nicht mehr regulär im Handel erhältlich sind, um ihrer Individualität Ausdruck zu verleihen. Corona hat diese Trends beschleunigt und intensiviert. Hinzu kommt der Trend zu Tidyism, der während des Lockdowns verstärkt wurde: Die Menschen nutzen die Zeit zu Hause und räumen auf und aus. Sie finden ungetragene Stücke, die sie zu Geld machen können.

Auch psychologisch ist diese Entwicklung zu erklären: Der bereits vorher bestehende Trend zum Minimalismus wird dadurch verstärkt, dass die Menschen, in einer durch die Pandemie unsicheren und unkontrollierbaren Welt, wenigstens Ordnung in ihr eigenes Zuhause bringen wollen.

Kann Resale die Lösung für Fast Fashion sein oder ist es nur ein “quick fix”?

Re-Sale ist, als wesentliches Element von Circular Fashion, das genaue Gegenteil von Fast Fashion. Wir möchten auf bewussten Konsum aufmerksam machen und auch dafür, die Artikel nach dem Tragen wieder in den Kreislauf zu geben. Dadurch sparen wir riesige Mengen an Ressourcen und Treibhausgasen, die bei der Neuproduktion von Mode entstehen würden.

Resale ist aus unserer Sicht daher tatsächlich eine ganz klare Lösung für die schmutzige Modeindustrie. Und wohl auch für viele andere Industrien wenn man sich ganz simpel vor Augen führt, dass es wohl keine effektivere Art gibt nachhaltig zu konsumieren als einfach nichts Neues zu kaufen.

Früher war die Rolex das ultimative Statussymbol, heute sind es eher die Sneaker, welche Produktkategorie hat derzeit das größte Potential?

Ich würde sage, die Rolex ist nach wie vor sehr begehrt und viele Modelle steigen auch weiter stark im Wiederverkaufspreis. Es ist aber interessant zu beobachten, dass auch andere Produkte, wie Sneaker jetzt bei den Kategorien mit höchster Begehrlichkeit zu finden sind. Die Bestseller bei unserer stark weiblich geprägten Zielgruppe sind aber immer noch Handtaschen.

secon-hand Luxuswaren Rebelle

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Manche Modehäuser erhöhen die Neupreise für einige Produkte inzwischen mehrmals im Jahr. Das gepaart mit einer Strategie der künstlichen Verknappung lässt natürlich auch die Wiederverkaufspreise steigen. Auch sind Modebegeisterte bereit immer mehr Geld für eine Luxustasche auszugeben. Auch aus der Gewissheit heraus, sie zu einem guten Preis weiterverkaufen zu können. Insbesondere Modelle die nicht mehr produziert werden (wie auch Limited Editions oder Designer Kooperationen) wecken unter Fans Begehrlichkeit und treiben den Wiederverkaufspreis in die Höhe.

Bei einigen Modellen, wie z. B. der Birkin oder Kelly Bag von Hermès kann man direkt eine Rendite erzielen. Die Wertsteigerung vom Neupreis 2018 zum Wiederverkaufspreis 2021 lag durchschnittlich bei 77%. Auch diejenigen, die vor zehn Jahren eine klassische schwarze Chanel Flap Bag Medium für ca. 2.800€ gekauft haben, können Sie heute – sogar in gutem aber getragenem Zustand - für ca. 4.500€ weiterverkaufen.

Luxusgiganten investieren vermehrt in Resale Plattformen. Kann Resale also neue Käuferschichten für Luxusmarken generieren?

Aus unserer Sicht ist das ganz klar der Fall. Erstens sind die Barrieren auf den Resal-Plattformen oft deutlich niedriger. Und darüber hinaus sind natürlich Second Hand doch viele Produkte einfach günstiger und damit für eine breitere Masse erschwinglich. Hinzu kommt eben auch die junge nachhaltigkeitsorientierte Generation, die Resale aufgrund des guten Fashion Footprints kauft. Gen Z und Millennials sind die größte Zielgruppe von allen Resale-Plattformen. Sicherlich ist das insbesondere bei Services wie Vinted etc. der Fall. Richtig ist aber dass es in dieser Zielgruppe aktuell die größten Zuwachsraten im Resale gibt was aus unserer Sicht klar ideologisch geprägt ist.

Luxus Wardrobe Rebelle

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Wie sieht die Zukunft des Resale aus und was ist die Vision für Rebelle?

Ziel von uns allen sollte es doch sein, nicht den generellen Spaß an Mode zu verteufeln, sondern einfach mit nachhaltigen Antworten und Lösungen an den Konsum ranzugehen. Dabei ist uns wichtig, dass wir die Primärindustrie natürlich auch weiterhin brauchen, sie nur eben umdenken muss. Unsere Vision ist es, dass immer mehr Menschen sich aktiv mit Ihrem Fußabdruck auseinandersetzen und so Re-Sale in allen Bereichen des Lebens an Bedeutung gewinnt. Für unser Segment möchten wir dazu beitragen, dass Preloved Fashion einen stetig wachsenden Closet-Share in unseren Kleiderschränken einnimmt und dafür immer weniger Fast-Fashion gekauft wird.

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