Wie ein Designer die Kreislaufwirtschaft neu definiert

„Repurpose“ verlängert den Lebenszyklus von Kleidungsstücken und setzt neue Maßstäbe über nachhaltige Praktiken. Erfahren Sie alles über Oliver Spencers neuste Einführung

Oliver Spencer Repurpose
Source & Copyright by Oliver Spencer

Autor: Haus von Eden

Oliver Spencer hat eines der ersten 360-Grad-Kreislaufmodelle der Modeindustrie in Großbritannien eigeführt - das „Repurpose“-Modell. Dabei handelt es sich um ein Recyclingkonzept für Altkleider. Das Modell soll die Kreislaufwirtschaft des Wiederverkaufs und des Recyclings nutzen und den Lebenszyklus von Oliver Spencer-Kleidung verlängern. Das Ziel ist es, den ökologischen Fußabdruck der Marke zu minimieren und einen erneuten Kaufanreiz bei den Kund:innen auszulösen.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Oliver Spencer startete mit „Repurpose“ eine wegweisende Initiative in der Modeindustrie, um Kleidungsstücken eine längere Lebensdauer zu ermöglichen.
  • Seit der Gründung seines Labels setzt Oliver Spencer auf ethisch vertretbare Materialien und Produktionsstätten. Die jüngste Einführung von „Repurpose“ unterstreicht sein Engagement für nachhaltige Praktiken.
  • „Repurpose“ prägt die nachhaltige Modebranche in Großbritannien und weckt Hoffnung auf eine globale Implementierung.

Oliver Spencer: Nachhaltiger Pionier in der Herrenmodebranche

Oliver Spencer ist Designer und Gründer seines gleichnamigen Herrenmodelabels. Dieses gründete er im Jahr 2002 in London und hat sich seitdem einen Namen innerhalb der Branche gemacht. Heute gilt er als einer der bekanntesten Herrenausstatter Großbritanniens. Seine Produkte sind über den Oliver Spencer Online-Shop, seine vier Geschäfte in London sowie über Großhandelspartner erhältlich. Schon von Anfang an hat Oliver Spencer Nachhaltigkeit in den Mittelpunkt seines Geschäftsmodells gestellt. Er setzt auf ethisch vertretbare sowie qualitativ hochwertige Materialien und Produktionsstätten, hauptsächlich in Großbritannien und Portugal. Vor kurzem ging er mit der zirkulären Initiative „Repurpose“ erneut einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und hofft, dass andere Unternehmen seinem Beispiel folgen.

Oliver Spencer Laden

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Oliver Spencers „Repurpose“: Verlängerung des Kleidungslebenszyklus

Was ist das Ziel von „Repurpose“? Oliver Spencer strebt mit seinem neuen Konzept an, den Lebenszyklus der Kleidungsstücke seiner Marke zu verlängern und zu verhindern, dass diese nach Gebrauch entsorgt werden. Unabhängig vom Zustand der Kleidungsstücke, wie neu sie sind oder nicht mehr repariert werden können, sollen sie nicht auf Mülldeponien landen, sondern durch „Repurpose“ eine wertvolle, neue Zukunft erhalten.

Das Projekt startete im November 2023, nachdem es über ein Jahr in der Planungsphase steckte. Ehemalige Kund:innen von Oliver Spencer können pro Recyclingablauf bis zu drei Artikel einreichen, vorausgesetzt, es handelt sich um Produkte der Marke. Wer mehr Produkte recyceln möchte, muss einen neuen Ablauf einleiten. Der Recyclingprozess kann sowohl in den Läden als auch über den Online-Shop stattfinden. Bei Kund:innen, die die Online-Variante wählen, übernimmt die Marke die Versandkosten. Die abgegebenen Kleidungsstücke werden überprüft und dann entweder weiterverkauft, upgecycelt, wiederverwendet oder durch Zerlegen in die Einzelteile neu verarbeitet. Dies übernimmt das Partnerunternehmen Recomme.

Im Gegenzug erhalten die Kund:innen einen Gutschein, den sie sowohl im Laden als auch im Online-Shop einlösen können. Der Wert des Gutscheins hängt von der Art des abgegebenen Kleidungsstückes ab und nicht vom Zustand. Diese Gutschrift verfolgt das Ziel, die Kund:innen zu motivieren, „Repurpose“ zu nutzen, sowie sich bei ihnen für ihre verantwortungsbewusste Entscheidung zu bedanken.

Recomme: Nachhaltiger Recyclingprozess für Oliver Spencer's 'Repurpose' Kleidungsstücke

Den eigentlichen Recyclingprozess lagert Oliver Spencer an Recomme aus. Die im Jahr 2023 gegründete White-Label-Plattform ist auf das Recycling und den Wiederverkauf von Kleidung spezialisiert und übernimmt den praktischen Teil von „Repurpose“. Recomme verspricht eine transparente Rückverfolgbarkeit für die ausgemusterten Kleidungsstücke.

Repurpose

Source & Copyright by Oliver Spencer

Die abgegebenen Kleidungsstücke werden in die Lagerstätte von Recomme transportiert und vor Ort anhand ihres Zustands bewertet und sortiert. Abhängig vom Zustand und der Materialien, aus denen sie bestehen, kann die Entwicklung der Produkte am Ende ihres Lebenszyklus auf verschiedene Weise ablaufen. Sie werden in die folgende Kategorien unterteilt:

  • Kleidungsstücke, die für eine Wiederverwendung oder einen Weiterverkauf geeignet sind, mit oder ohne Reparatur.
  • Kleidungsstücke aus reinem Material bzw. Einzelfasern, die für eine Wiederverwendung oder einen Weiterverkauf ungeeignet sind. Dabei handelt es sich häufig um Materialien wie Baumwolle oder Wolle. Sie werden zu Brei verarbeitet, entfärbt und zu neuem Garn gesponnen. Aus diesem wird anschließend neue Kleidung produziert.
  • Kleidungsstücke aus gemischtem Material, die für eine Wiederverwendung oder einen Weiterverkauf ungeeignet sind. Diese werden an verschiedene Bildungseinrichtungen gespendet, um im Rahmen kreativer Projekte genutzt zu werden.
  • Schuhe, die für eine Wiederverwendung oder einen Weiterverkauf ungeeignet sind. Sie werden in ihre Einzelteile zerlegt und separat recycelt. Gummisohlen werden zum Beispiel zu neuen Sohlen für Turnschuhe verarbeitet oder in die Kunstlederproduktion eingeführt.
  • Accessoires, die für eine Wiederverwendung oder einen Weiterverkauf ungeeignet sind, werden entweder zu Kunstleder downgecycelt oder zu neuen Produkten upgecycelt.
  • Andere Beschläge wie Reißverschlüsse und Knöpfe werden von den Kleidungsstücken abgetrennt und finden in unterschiedlichen anderen Anwendungen ein neues Leben. Sie werden in der Reparatur von Kleidungsstücken, in neuen Produktmustern oder in künftigen Produktionsläufen eingesetzt.

Ausblick und Globalisierung von „Repurpose“

Der revolutionäre Ansatz von Oliver Spencer mit dem „Repurpose“-Modell prägt die nachhaltige Modebranche in Großbritannien. Die Initiative, den Lebenszyklus von Kleidungsstücken zu verlängern und gleichzeitig eine wertvolle neue Zukunft für sie zu schaffen, stößt auf positives Feedback von Kund:innen und Industriebeobachter:innen.

Bisher ist „Repurpose“ exklusiv in Großbritannien umsetzbar, doch die Möglichkeit einer Ausweitung auf internationaler Ebene bleibt spannend. Die Hoffnung besteht, dass dieser wegweisende Ansatz zur nachhaltigen Mode in naher Zukunft auch anderen Ländern zugänglich gemacht wird. Eine globale Implementierung könnte einen bedeutenden Beitrag zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks von Oliver Spencer leisten und den Weg für weitere innovative Initiativen ebnen.

Oliver Spencer setzt mit „Repurpose“ nicht nur Maßstäbe für die Branche, sondern inspiriert auch dazu, die Kreislaufwirtschaft weltweit voranzutreiben. Die Vision einer nachhaltigeren Zukunft könnte sich somit über die Grenzen seiner Marke hinaus ausdehnen, getragen von einem wachsenden Bewusstsein für Umweltverantwortung und nachhaltige Konsumpraktiken.

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