News: Nike kommerzialisiert Biomaterial AirCarbon für CO2-Reduktion

Nike kollaboriert mit Biotech-Unternehmen Newlight Technologies, um seinen CO2 Footprint durch die Verwendung des Biomaterials AirCarbon zu verringern

AirCarbon

Autor: Haus von Eden

  • Nike kollaboriert mit Newlight Technologies
  • Das Biotechnologieunternehmen entwickelt regenerative Praktiken zur Produktion von Biomaterial: AirCarbon
  • AirCarbon könnte die Zukunft nachhaltiger Produktion einläuten

Nikes jüngste Zusammenarbeit rückt eine regenerative Technologie, die nachhaltige Produktion wesentlich vorantreiben könnte, in den Fokus. Der Kollaborationspartner Newlight Technologies, ein Biotechnologieunternehmen, nutzt Mikroorganismen aus dem Meer, um Luft und Treibhausgase (CO2e) in natürliches Biomaterial umzuwandeln. Dieses lässt sich schmelzen und anschließend zu neuen Produkten formen sowie verarbeiten. Der Name des zukunftsweisenden Materials: AirCarbon.

Wie ist die Idee zu AirCarbon überhaupt entstanden?

Trends wie regeneratives Design oder Architekturbionik beweisen, dass Innovation nicht gleich neuartig bedeutet. Oft passiert Innovation nämlich auch durch die Imitation der Natur, den Transfer biologischer Vorgänge in technische Prozesse. Und genau dieses Potential hat Newlight Technologies erkannt: Das Unternehmen imitiert das natürliche Verfahren, in dem Bäume Kohlenstoff aus der Atmosphäre ziehen, um neue Blätter zu bilden oder Korallenriffe Kohlenstoff aus dem Meerwasser extrahieren, um zu wachsen.

Auf Basis dieser Erkenntnis entwickelt Newlight Technologies seit 2003 eine Technologie, die sich eben der Natur zu Nutze macht, um ein Material zur Verbesserung der Lebensqualität sowie Umweltbilanz herzustellen. Das Material AirCarbon besteht aus Mikroorganismen, die im Laufe der 18-jährigen Forschungsreise im Meer gefunden wurden. Diese Mikroorganismen ernähren sich von Methan oder Kohlendioxid und bilden deshalb in ihren Zellen eine Art Muskel. Das Molekül PHB (Polyhydroxybutyrat).

Seit dem Fund der Mikroorganismen müssen allerdings keine ozeanischen Exkursionen mehr stattfinden. Der Produktionsprozess besteht darin, Chargen der Mikroorganismen zu züchten, einen Teil der Charge in die nächste einzusetzen und Zellen des anderen Teils mit PHB zu extrahieren. Dabei wird die Biomasse der Mikroorganismen von dem Molekül getrennt, sodass wirklich nur das PHB Teil eines Produktes wird. Ist das Molekül also extrahiert, lässt es sich in feines weißes Pulver verwandeln. Dieses ist schmelzbar und somit produktiver Ersatz für Dinge wie Plastik.

Wie funktioniert die Produktion von AirCarbon?

Die erste Produktionsstätte des Alternativstoffes liegt in der Nähe von Los Angeles und besteht aus einem großen, mit Salzwasser gefüllten Edelstahltank. Ein künstliches Stück Ozean. Hier setzt Newlight Technologies die natürlichen, nicht genveränderten Mikroorganismen ein und fügt ihnen Gase als Nahrungsquelle zu. Dadurch füllen sie sich mit PHB. Sobald dieser grundlegende Prozess also fertig ist, werden die Chargen in das anschließende Gebäude geleitet, wo sie einen Hochdruck-Filterprozess durchlaufen.

Das simple Prinzip: Die Biomasse der Mikromasse geht durch den Filter, sodass nur PHB zurückbleibt. Anschießend wird es mit Wasser gespült und es entsteht eine reine aber feuchte Masse. Also heißt es diese in einen Trockner zu geben, um das weiße Pulver zu erhalten. Für das Endprodukt wird dieses noch in einem Extruder erhitzt, geschmolzen und anschließend durch Wasser gelassen, sodass lange sowie feste Stränge entstehen. Diese werden zu Pellets zerkleinert - die "Währung" der heutigen Kunststoffindustrie.

Pellets lassen sich nicht nur mit vielen verschiedenen Techniken, sondern auch in eine Menge Produkte verarbeiten. Brillen entstehen beispielsweise durch das sogenannte Spritzgussverfahren, während die Zugabe von Kokosschalen mit Aktivkohle zu langen Bahnen aus PHB Pellets dazu führt, dass ein Lederimitat entsteht. Das beweist: Das Biomaterial ist ein produktiver Ersatzstoff, da seine Haupteigenschaften denen von Kunststoff ähneln - Aufgrund seiner Schmelzbarkeit ist es anpassungsfähig sowie formbar und kann so Plastik oder Leder ersetzen.

Was unterscheidet das Biomaterial von anderen "nachhaltigen" Stoffen?

Obwohl bereits eine Vielzahl nachhaltiger Lederalternativen erhältlich ist, gibt es einen entscheidenden Unterschied zu AirCarbon: Den CO2-Footprint. Das Biomaterial ist nämlich kohlenstoffnegativ und hat so zumindest in Puncto Umweltbilanz keine vergleichbare Konkurrenz. Und genau aus diesem Grund hat sich auch Global Player Nike dazu entschieden, eine Kollaboration mit Newlight Technologies einzugehen. AirCarbon soll dem Unternehmen dabei helfen, seine Auswirkungen auf den Planeten - und somit seinen Kohlenstoff-Fußabdruck - weiter zu reduzieren.

Nachhaltigkeit meets Funktionalität

Kern der Zusammenarbeit ist es, gemeinsam herauszufinden, wie sich AirCarbon einsetzen lässt, sodass es zur Reduktion von so viel CO2 wie möglich kommt. Es geht darum, wo der Einsatz produktiv ist - und zwar nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit, sondern auch unter dem der Leistungsfähigkeit. Immerhin steht Nike für qualitativ hochwertige sowie funktionale Sportmode. Klar ist auf jeden Fall, dass eine Sohle aus AirCarbon entstehen wird. Für alles Andere werden die Kollaborationspartner ihr Bestes geben.

Nike x Newlight Technologies symbolisiert den zukunftsweisenden Schritt, dass PHB Kapazitäten durch das regenerative Verfahren jetzt im kommerziellen Maßstab verfügbar sind. Bedeutet: Das Unternehmen kommt an einen Punkt, an dem es der Industrie mehr Material zur Verfügung stellen kann, sodass Brands wirklich etwas damit anfangen können. So will das Unternehmen zu einem wichtigeren Teil der Modebranche aufsteigen. Insbesondere aufgrund der Vielzahl an Einsatz- sowie Lösungsmöglichkeiten.

What's next: Zukunftsmodell Innovation und Regeneration

Neben der Bereitstellung eines nachhaltigen Biomaterials, trägt Newlight Technologies durch seine kommerzielle Einführung von AirCarbon auch dazu bei, gesellschaftliches Bewusstsein zu verändern. In Richtung mehr Innovation und regenerative Praktiken, die umweltfreundliche Produkte inspirieren können. Das ist wichtig, da wir Nachhaltigkeit heute nicht mehr nur durch Richtlinien erreichen. Vielmehr geht es darum, zukunftsfähige Verfahren zu entwickeln, die im Einklang mit der Umwelt stehen. Während also noch nicht klar ist, wo genau die Zusammenarbeit von Nike und Newlight Technologies hinführt, steht fest, dass es essentiell ist, der regenerativen Praktik eine reichweitenstarke Plattform zu verleihen.

Zu vergessen ist nicht, dass Industriegiganten wie Nike oft Greenwashing betreiben. Um Kundennachfrage zu bedienen und sich dem Zeitgeist anzupassen. Die Kollaboration beweist allerdings aufrichtiges Interesse daran, Produktionsprozesse grundlegend zu revolutionieren und im Kern nachhaltiger zu gestalten. Und ist somit definitiv ein Schritt in die richtige Richtung.

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