Konsumverzicht: Weniger Konsum, mehr Lebensqualität

Einfach und trotzdem luxuriös, geht das? Alles rund um Konsumverzicht und wie es funktioniert, ohne sich einschränken zu müssen

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Autor: Haus von Eden

Konsumverzicht. Klingt komisch - Immerhin leben wir doch in einer Konsumgesellschaft. Konsum ist ein zentraler Teil unserer Wirtschaft, gilt als Belohnung, Luxus oder sogar als Träger von Glücksgefühlen. Das macht ihn erstrebenswert, motiviert ihn und lässt Materielles zum Ausdruck von Status und Identität werden.

Doch ist genau dieser Umstand mit einer modernen, zukunftsorientierten Weltanschauung kompatibel und wie kann man Konsumverzicht positiv ausleben?

Was genau ist Konsumverzicht?

Konsumverzicht beschreibt den Verzicht auf übermäßigen Konsum. Ganzheitlich auf Konsum zu verzichten wäre heutzutage nicht realistisch. Das Vermeiden von Impuls-Shopping, dem Mitmachen jeglicher Trends oder Käufen aus Langeweile allerdings mit Leichtigkeit umsetzbar. So geht es darum, dann zu konsumieren, wenn es notwendig ist, sich sinnvoll anfühlt. Klingt das Wort Verzicht so im Zweifel zu radikal oder gar missverständlich, so lässt sich auch von Konsumreduzierung sprechen.

Konsumverzicht als Ausdruck des modernen Luxusverständnisses

Nachhaltigkeit und Individualisierung sind trendweisende Schlagwörter des aktuellen Zeitgeistes. Laut der 18. Edition der Bain & Company Luxury Study legen 80% der Befragten Wert darauf, dass Luxusmarken nachhaltig sowie ethisch agieren. Dabei geht es um Qualität statt Quantität, Exklusivität statt Mainstream und Zeitlosigkeit statt Wegwerfmentalität.

Oder kurz: Um ein modernes Luxusverständnis. Ein Luxusverständnis, welches sich nicht mehr durch materiellen Überfluss und somit Konsum, sondern durch Achtsamkeit, Langlebigkeit und Hochwertigkeit definiert. Abseits der konsumorientierten Dimension geht es dabei auch um Gesundheit, das Well-Being und Erfahrungen.

Warum konsumieren wir überhaupt - Belohnung, Frust, Identität

Durch die Werbe- sowie Medienbranche und Social Media sind neuste Trends stets sichtbar und ihre Umsetzung selbstverständlich. Verfügbar sind sie zudem online sowie offline. Konsum vom Sofa aus oder in der Boutique - Your Choice. Zu konsumieren ist schlichtweg verlockend, macht dazu Spaß und Freude.

Zudem kann eine neue Errungenschaft vermeintlich Bedürfnisse befriedigen. In Momenten des Frusts wirkt ein Designerpiece wie ein Trostpflaster, in erfolgreichen als Belohnung. Und auch auf sozialer Ebene wirkt Konsum wie eine vielversprechende Möglichkeit sich Wünsche zu erfüllen.

Oft definieren sich Gruppenidentitäten über Fashion, weshalb der Konsum dieser wie eine Eintrittskarte zu exklusiven Kreisen wirkt und manchmal geht es lediglich darum, jemanden zu beeindrucken. Konsum kann einen erstrebenswerten Lifestyle ermöglichen - das vermitteln die Medien sowie unsere Realität Tag für Tag. Die Devise: Ich brauche etwas, um etwas zu sein.

Zugehörigkeit, Gruppenidentität, Belohnung oder die bloße Verfügbarkeit an scheinbar endloser Ware - all dies motiviert Konsum, ist aber nicht von Dauer. Ein Kauf regt das Belohnungszentrum nur unmittelbar nach dem Kauf an. Die Glücksgefühle verfliegen schnell. Und auch Trends sind kurzweilig, überholen sich.

Ergo: Ein Kreislauf von Konsum, der über den Zwischenschritt eines temporären Highs, den nächsten Konsum motiviert - durch die Verbindung zum gesteigerten Well-Being geradezu legitimiert.

Gründe für den Konsumverzicht

Während das Konsum-High nur kurzweilig ist, sind die Folgen des Konsums umso fortlaufender. Und zwar auf mehreren Dimensionen: der sozialen, der ökonomischen und der ökologischen. Zusammengefasst bedeutet dies folgende Gründe für eine Konsumreduzierung:

  • Mehr Zeit zur Pflege von Beziehungen
  • Mehr Zeit für Interessen und Hobbys
  • Unabhängigkeit von materiellen Zwängen und Trends
  • Individualität und Selbstbestimmung
  • Achtsamkeit und Well-Being
  • Wertschätzung des Wesentlichen
  • Mehr Sparsamkeit
  • Bewusste, hochwertige Kaufentscheidungen
  • Förderung von Nachhaltigkeit
  • Aktiver Umweltschutz im Alltag

1. Die soziale Dimension

Aus sozialer Sicht kann die Zeit, die ins Konsumieren investiert wird, effektiv genutzt werden, um Beziehungen zu pflegen und die Freizeit zu genießen. Sparen wir uns nämlich die obligatorischen Blicke in den Lieblingsonlineshop oder den Shoppingtrip in die Innenstadt, so haben wir plötzlich viel mehr Zeit für unsere Mitmenschen, die eigenen Interessen oder neue Hobbys. Entgegen der Kurzlebigkeit des Konsum-Glücks, findet so wieder eine Sensibilisierung für die kleinen, schönen Dinge des Alltags statt.

Zudem fördert Konsumverzicht Selbstbestimmung. Wer nicht jedem Trend folgt oder konsumiert, um eine gewisse Zugehörigkeit oder Persona zu kreieren, der wird schnell seinen individuellen Geschmack entdecken. Dass ein selbstbestimmter Lifestyle dabei nachweislich das Well-Being steigert, ist ein weiterer Pluspunkt.

2. Die ökonomische Dimension

Es ist klar: Wer weniger konsumiert, der hat auch weniger Ausgaben. Langfristig lässt sich so Geld sparen, um sich von Zeit zu Zeit tatsächlich ein qualitativ hochwertiges, zeitloses und schönes Piece zu gönnen.

3. Die ökologische Dimension

Konsumverzicht ist gut für die Umwelt. Jedes Produkt, das gekauft wird, muss hergestellt, verpackt, transportiert sowie irgendwann wieder entsorgt werden. Und zwar unter erheblichen Auswirkungen auf die Natur. CO2 Emissionen, toxische Chemikalien und Wasser- sowie Energieverschwendung sind dabei nur einige der zahlreichen negativen Umweltauswirkungen, die der Natur schaden und den Klimawandel vorantreiben. Wer bewusst auf Konsum verzichtet, kann diese vermeiden und sich so als Advokat der Nachhaltigkeit positionieren.

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Copyright by Tim Mitchell

Eine Studie beweist: Less is More

Dass sich der Konsumverzicht lohnt, zeigt die Konsumentenstudie "The Key To Confidence", die OEK-TEX gemeinsam mit dem Amerikanischen Marktforschungsunternehmen Anerca International durchgeführt hat. Laut der Studie seien insbesondere Millenials und junge Eltern bereit dazu, weniger zu konsumieren sowie Wert auf qualitativ hochwertige Produkte zu setzen. Dabei wurde Konsumverzicht auf Kleidung klar als produktiver Weg, etwas gegen den Klimawandel zu tun, identifiziert.

Laut der Studie sei die Weniger-Ist-Mehr Mentalität ein zusätzlicher Treiber der Bereitschaft zum Konsumverzicht. Aufgrund des Überschusses an verfügbarer Ware, wächst das Verlangen nach einer exklusiven Selektion persönlichen Besitzes. Dabei müssen Besitztümer nicht nur funktional oder ästhetisch sein, sondern auch persönlichen Wertvorstellungen entsprechen.

Diese Entwicklung zeigt, dass Minimalismus vielmehr als nur ein Interior Trend, sondern ein wahrer Lifestyle ist. Die Benefits des Minimalismus - Die Reduktion auf das Wesentliche, Ordnung und Struktur sowie Wertschätzung und Wohlbefinden - sind so klar mit dem Konsumverzicht als solchen in Verbindung zu bringen.

Konsumverzicht lernen: Top 10 Tipps & Tricks

Vorweg: Es geht nicht um den kompletten Verzicht auf Konsum. Das ist unrealistisch und abschreckend. Vielmehr geht es darum, Step-by-Step den Konsum zu reduzieren. Und das kann für jeden individuell passieren - manchen wird der Verzicht auf regelmäßiges Shopping leichter fallen, anderen dafür die Reduktion des Medienkonsums. Hauptsache, man fängt irgendwo an, Konsumverzicht lässt sich nämlich lernen.

  1. Bei einem bestimmten Lebensbereich anfangen, der als nicht allzu große Herausforderung erscheint
  2. Ordnung halten, um sich des eigenen Besitzes bewusst zu sein
  3. Klare Regeln aufstellen, um langfristig Routine zu etablieren
  4. Ziele setzen (z.B. einen Monat lang kein Shopping)
  5. Sich belohnen (z.B. einen Monat lang kein Shopping = Kauf eines begehrten Pieces)
  6. Scanning: Vor dem Einkaufen checken, was wirklich gebraucht wird
  7. Monitoring: Vor dem Einkaufen eine Liste schreiben, um sich beim Einkaufen nicht ablenken zu lassen
  8. Gebrauch von Sharing- & 2nd-Life-Konzepten machen
  9. Sich Zeit für den Kauf von Fashion, Interior etc. nehmen - nur was lange gefällt, lohnt sich
  10. Nachhaltig und qualitativ hochwertig einkaufen

Wichtig ist es somit zunächst, sich des eigenen Besitzes bewusst zu werden. Mit einem klaren Überblick sowie Ordnung lässt sich leicht feststellen, was wirklich gebraucht wird. Und das gilt für Fashion, Freizeitgegenstände sowie Lebensmittel. Vor einem Shopping- oder Einkaufstrip sollte dieser Überblick geschaffen werden, um unnötige Käufe zu vermeiden.

Außerdem produktiv: Auf Recycling, Upcycling und DIY setzen. Scheinbar Unbrauchbares oder Altes aus dem eignen zu Hause kann mittels kreativer Ideen sowie ein wenig handwerklichem Geschick leicht aufwertet werden oder sogar neue Zwecke erfüllen.

In Sachen Ernährung sowie Medienkonsum können außerdem klare Regeln und Regelmäßigkeit helfen. Beispielsweise können ein Ernährungsplan sowie klar definierte "Social Media Zeiten" als Struktur dienen, um sich langsam aber sicher an weniger Konsum zu gewöhnen. Stichwort: Detox. Und zwar nicht nur in Sachen Ernährung, sondern auch, was den Medienkonsum angeht. Ein Digital Detox kann das Well-Being nämlich nachweislich steigern.

Neue Werte durch Lean Luxury

Diese neue Mentalität manifestiert sich in der Neo Luxury Study 2025. Während Gesundheit und Nachhaltigkeit den Luxusmarkt in Zukunft neu definieren werden, sind es besonders innovative Geschäftsmodelle, die den aktuellen Mainstream Konsum unserer Gesellschaft zu überholen versprechen.

Sharing- & 2nd-Life-Modelle sowie ein fortschreitendes Bedürfnis nach Customization - individualisierter Produktion - stehen für Exklusivität, verlängerte Lebenszyklen und eben auch weniger sowie bewussteren Konsum. Das Prinzip: Kann ich mir Dinge leihen, so muss ich mir die Tasche nicht in verschiedenen Ausführungen kaufen, personalisiere ich meine Couch, so wird sie mir lange gefallen.

Das Ergebnis: Die Vermeidung häufigen, unnötigen Konsums. Passiert dieser Konsumverzicht bewusst, so ist die Rede von Lean Luxury. Einem Modell, welches ebenso als Luxury Trend 2025 angeführt wird. Aber was genau ist Konsumverzicht in einer Konsumgesellschaft?

COVID-19 als Türoffner für Konsumverzicht 2020

Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Appinio, kompensieren die Deutschen aufgrund der Pandemie nur einen geringen Teil ihrer Offline-Käufe online. Stattdessen wird verzichtet. Oft realisiert, dass die meisten Käufe gar nicht nötig sind. Bis auf Essentials wie Lebensmittel oder Hygieneprodukte, bezieht sich der Konsumverzicht insbesondere auf Kleidung, Schmuck, Uhren und Möbel.

Obwohl die Befragten angaben, nach der Pandemie voraussichtlich genauso viel zu konsumieren wie vorher, zeigt die Studie, dass es eben auch anders möglich ist. So sollte sie als Ansporn benutzt werden, um das reduzierte Konsumverhalten auch über COVID-19 hinweg als "New Normal" zu praktizieren.

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