Kering investiert in Echtleder aus dem Labor – ist dies Zukunft?

Luxus Fashion Group Kering hat sich mit VitroLabs - ein Biotech Start-up aus Kalifornien - zusammengetan um Lederalternativen zu entwickeln

Vitrolabls
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Autor: Sidney Kadziolka

  • Kering Group fördert zellkultiviertes tierisches Leder aus dem Labor
  • VitroLabs hat 46 Millionen US-Dollar Finanzmittel von Investoren aufgebracht
  • Eine echte Alternative für die Industrie und das Handwerk

Seit 2018 arbeitet Kering, zu der Gruppe gehören Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent, im Vertrauen mit VitroLabs an der Produktentwicklung des im Labor gezüchteten Leders zusammen. Nicht nur fördert er durch seine Investitionen in das Start-up sein eigenes Engagement für umweltbewusste Initiativen. Vielmehr ist dies ein weiterer Schritt seiner nachhaltigen Strategie, um das Ziel der Netto-Null Treibhausgasemissionen bis 2050 für das Unternehmen Kering zu erreichen.

VitroLabs hat mittlerweile Investment Funds von über 46 Millionen US-Dollar aufgebracht. Demnach ist es das jüngste Unternehmen, welches Investorengelder nutzt, um alternative Materialien zu entwickeln, die tierische Produkte nachahmen. Zunächst entwickelten sie eine ansprechende Alternative zu "veganem" Leder, welches oft aus Kunststoff hergestellt wird, was nicht besonders umweltfreundlich und hochwertig ist.

Leder von tierischen Stammzellen, die grüne Alternative aus dem Labor?

Dank des im Labor gezüchteten Leders erhält man echtes Leder mit all seinen Vorteilen, einschließlich Haltbarkeit und Geschmeidigkeit, ohne Tiersterben. Das Leder entsteht aus Zellen, die einer lebenden Kuh mit Hilfe von Biopsie entnommen werden. Dabei handelt es sich um ein harmloses und schmerzloses Verfahren.

Danach kann die entnommene Zelle in einem speziellen Bioreaktor zu Tierhaut heranwachsen. Dieser Prozess dauert nur wenige Wochen. Bei dem weiteren Verfahren durchläuft die Haut eine vereinfachte Version des gleichen Gerb- und Veredelungsprozesses wie herkömmliches Leder. Ein weiterer Vorteil ist, dass das VitroLabs-Leder kein überschüssiges Fett oder Haare enthält, die entfernt werden müssen.

In dieser Phase war Kering proaktiv involviert um sicherzustellen, dass Qualität und Spezifikationen den Anforderungen der Mode entsprechen. Dafür hat das Unternehmen Erfahrung sowie Wissen über die Lieferketten geteilt und gemeinsam verschiedene Gerb- und Veredelungsverfahren getestet.

Aber ist Echtleder aus dem Labor ein Produkt, das Kunden tatsächlich kaufen werden?

Derzeit verzeichnet der Sektor der Entwicklung von Lederalternativen ein explosives Wachstum, denn Marken fordern immer mehr nachhaltigere Optionen. Vor Allem VitroLab mit ihrer ersten Produktion von „echtem“ Leder hat, im Gegensatz zu einem realistischen lederähnlichen Material, damit einen innovativen Meilenstein gelegt. Denn im Vergleich zu neuen Materialien wie Ananas- oder Kaktusleder ist hier die Verarbeitung nicht verkompliziert. Die Herstellung schont zudem die Landwirtschaft und reduziert ohne die Verwendung von Tieren Treibhausgasemissionen erheblich.

Angesichts der Größe des Ledermarktes, ist echtes Leder nach wie vor dominant, insbesondere im Luxusbereich. Jährlich werden schätzungsweise 28 Milliarden Quadratmeter Leder produziert. Aber auch erkennen Modemarken zunehmend die mit der Lederproduktion verbundenen Schäden und Risiken. Die Möglichkeit, ein nachhaltigeres Echtleder zu beziehen, könnte für die Branche von entscheidender Bedeutung sein.

 „Es gab eine Explosion von Unternehmen, die alternative Materialien zu Leder entwickeln. VitroLabs kultiviertes tierisches Leder bewahrt die biologischen Eigenschaften des Materials und eliminiert gleichzeitig die umweltschädlichen und unethischen Aspekte von konventionellem Leder“

CEO und Co-Founder VitroLabs Ingvar Helgason

Das Pilotprojekt, welches voraussichtlich im nächsten Jahr live geht, wird genug Produkte für die Markteinführung von Markenpartnern herstellen können. Dennoch werden bis dato keine Einzelheiten über potenzielle Produkteinführungen preisgegeben. Ebenso können noch keine Einzelheiten über die Umweltauswirkungen des Prozesses getätigt werden, dafür soll es aber eine Lebenszyklusanalyse geben. Es bleibt also spannend zu sehen, ob das im Labor gezüchtet Leder in Zukunft die anderen umweltschädlicheren Alternativen sowie das echte Leder ablösen wird und auf dem Markt Fuß fassen kann.

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