Wie ein Parfum mit den Klischees der Beautybranche aufräumt

5 Fragen an Stefanie Hanssen von Frau Tonis Parfum über die Probleme der Parfumindustrie und warum wir mehr Toleranz und Vielfalt brauchen

Interview mit Stefanie Hanssen, Gründerin von Frau Tonis Parfum

Frau Tonis Parfum
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Autor: Haus von Eden

Stefanie Hanssen und Christoph Niedermeier sind 2009 ins Parfum-Business eingestiegen und merkten, dass deren Idealvorstellung einer Parfümerie nicht existiert. Vor allem aufgrund der Vermarktung Minderjähriger sowie dem Branchenmotto „sex sells“ als auch der Fokussierung auf Heterosexualität kritisieren sie die Branche. Somit gründeten sie mit Frau Tonis Parfum ihre eigene Brand und Manufaktur.

Frau Tonis Parfum

Stefanie Hanssen, Gründer Frau Tonis Parfum

Im Einklang mit ihrer persönlichen Philosophie, steht die Berliner Marke für Toleranz, Diversität, Generationenvielfalt und Wahrhaftigkeit. Ganz bewusst wird dabei keine Parfum-Empfehlungen für ein Geschlecht ausgesprochen. Gewidmet hat Stefanie Hanssen Frau Tonis Parfum ihrer Großmutter und Stilkone Toni-Luise. Wir stellen der Gründerin fünf spannende Fragen über ihre Marke und die Probleme der Parfumindustrie.

1. Was ist das Besondere an Frau Tonis Parfum?

Wir zeigen Düfte als das, was sie sind: Erinnerungen an unser Menschsein, in all seiner Widersprüchlichkeit und Komplexität. Für Frau Tonis Parfum ist nur wichtig, wie ein Parfüm getragen wird. Am besten selbstbewusst. Alle Düfte sind unisex, cruelty-free und werden mit viel Liebe zum Detail handgefertigt

Im Store lautet unsere Philosophie: Zuhören, statt aufdrängen. Helfen, wenn wir gebraucht werden. Kluge, dezente Beratung ist für uns dabei ganz selbstverständlich. Eigens dafür haben wir einen Dufttest entwickelt, der mit fünf Fragen zum Lieblingsduft führt.

2. Was macht das Parfum nachhaltig?

Unsere Manufaktur-Düfte werden nachhaltig in Europa produziert und beinhalten kontrolliert-biologisch gewonnene Rohstoffe. Die Parfums werden zudem in Berlin in Handarbeit verarbeitet und ausschließlich in Glas abgefüllt; alle Flakons und Verpackungen werden in Frankreich und Deutschland hergestellt. Außerdem verzichten wir grundsätzlich auf den Einsatz jeglichen Kunststoffs bezüglich des Verpackungsmaterials. Bei all unseren Paketsendungen befinden sich ausschließlich nachhaltige Materialien zum Schutz oder zur Stabilisierung unserer Produkte in unseren Kartonagen.

nachhaltiges Parfum

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3. Welcher Nachhaltigkeitsaspekt ist in der Parfumindustrie besonders wichtig?

In der gesamten Beautybranche ist das Aussparen von tierischen Produkten eine sehr positive Entwicklung, insbesondere in der Parfumindustrie sind synthetische Alternativen mittlerweile kaum vom natürlichen Original zu entscheiden. Auch die bewusste Auseinandersetzung, woher und unter welchen Umständen Rohstoffe gewonnen werden, wird immer wichtiger. Dass Produkte cruelty-free sind, ist mittlerweile genauso kaufentscheidend, wie eine gute Wirksamkeit.

Dabei sind die Formulierung häufig irreführend, denn ein Eau de Parfum muss immer auch einen gewissen Anteil synthetischer Substanzen besitzen, der sicherstellt, dass Duftöle über einen längeren Zeitraum hinweg stabil sind. Andernfalls wäre das Duftvergnügen nur von kurzer Dauer.

4. Was sind die größten Herausforderungen der Industrie?

In der Tat ist es eine Herausforderung, Nachhaltigkeit in Einklang mit großer Ästhetik zu bringen. Beim Design der Verpackungen steht bei uns beispielsweise das Motto „one fits all“ im Vordergrund. Auch hier gilt der Gedanke ressourcenschonend zu handeln, wenn wir Glasflakons verwenden, die nach der Nutzung wieder in den Recycling-Kreislauf gelangen können. Wenn sich die Industrie zudem von der meiner Meinung nach überflüssigen Cellophanierung ihrer Produkte verabschieden könnte, wäre ein großer Schritt getan.

Mein Appell: Hört endlich auf, Düfte als Mittel zur Paarungshilfe anzupreisen! Wer will das 2021 noch sehen? Für uns grenzt es an Menschenverachtung, leicht bekleidete Minderjährige als Testimonials für die Branche zu missbrauchen. Das ist für uns das Maximum an Negativ-Klischee, das wir kategorisch ablehnen. Wir plädieren branchenweit für ein Umdenken in der Beautybranche.

5. Was können wir in Zukunft von Euch erwarten?

Viel! Ich arbeite weiter daran, die Welt mit qualitativ hochwertigen Düften zu bereichern, die in Struktur und Aromen-Auswahl einzigartig sind. Dazu braucht man Mut und Selbstbewusstsein. Unsere Düfte bespielen daher ganz bewusst nicht den Mainstream, sondern positionieren sich „edgy“. In diesem November präsentieren wir zudem einen Duft, der das Thema „Gender Fluidity“ feiern wird. Auf diesen Duft freue ich mich ganz besonders!

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