Greenstyle Gründerin Mirjam Smend über Kollektionen im Einklang des Zeitgeists

Das Prinzip der Modeindustrie "immer mehr", "immer billiger" führte zu einer verloren gegangenen Wertschätzung für Fashion. Nun ist eine Trendwende gefordert: Let’s make eco the new Normal

Nachhaltige Brillen von Neubau
Quelle & Copyright by Neubau Brillen

Autor: Haus von Eden

Greenstyle munich ist die erste Fair Fashion Fair & Conference für Konsumenten, Fachbesucher und Medien. Das neuartige Format verbindet erstmalig Fachpublikum und Endverbraucher, denn Wandel muss aus allen Richtungen kommen. Das Ziel ist der Blick in eine gemeinsame Zukunft. Ein international besetzte Konferenzformat mit Speakern aus Politik, Wirtschaft, Handel, NGOs. So wird der derzeitige Bewusstseinswandel aufgegriffen und kreative sowie innovative Lösungsansätzen vorgestellt.

Bei uns räumt Gründerin von Greenstyle munich Mirjam Smend, ehemalige ELLE Redakteurin und jetziger Fair Fashion Ambassador, mit Vorurteilen über Fair Fashion auf.

greenstyle Munich

Mirjam Smend, Gründerin Greenstyle "home of sustainable fashion"

Wofür steht Greenstyle in einem Satz?

Greenstyle steht für innovative Eco Brands, die alle Facetten der nachhaltigen Mode abbilden, smarte Konsummodelle wie Leihen, Tauschen, Second Hand und natürlich für Let’s make eco the new Normal. Und für die besonderen Greenstyle vibes, von denen alle Besucher immer sprechen.

Sie haben Ihren Job bei der ELLE aufgegeben, um sich voll und ganz Greenstyle zu widmen, was waren Ihre Beweggründe?

Ich habe 16 Jahre als Redakteurin für Hochglanzmagazine gearbeitet - Mode macht mir mächtig Spaß. Beziehungsweise sie hat mir Spaß gemacht, bis ich immer mehr Einblick in die Produktionsbedingungen bekommen habe. Leider ist die Wertschätzung für Mode dank des „immer mehr“ und „immer billiger“ auf der Strecke geblieben.

Als ich festgestellt habe, dass es Brands gibt, die fair produzieren und trotzdem großartige Looks designen, habe ich mir vorgenommen, die Brands zu unterstützen und ihnen mit meinen Mitteln Sichtbarkeit zu geben, damit sich mehr und mehr Menschen für nachhaltige Mode interessieren. Ich wünsche mir, dass Kleidung wieder respektvoll produziert wird und Konsumenten ihre Kleidungsstücke wertschätzen.

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© DAWAN Denim

Greenstyle verbindet Konsumenten, Unternehmen und Medien, warum ist das wichtig?

Veränderung muss aus allen Richtungen kommen. Der Konsument muss nachfragen und mit seinen Kaufentscheidungen ein wichtiges Zeichen setzen. Die Unternehmen/Industrie müssen ihre Produktionsbedingungen umsetzen und die Medien müssen ihre XL-Reichweite nutzen und über die richtigen Themen berichten. Bewusst handeln kann man nur, wenn man über bestimmte Dinge Bescheid weiß. Und gemeinsam kann man viel bewegen.

Was sind derzeit die drei größten Herausforderungen der Fashion-Industrie?

Aktuell ist alles noch mehr im Argen als vor der Krise. Beauftragte und fertiggestellte Produktionen werden von namhaften (auch deutschen) Firmen nicht bezahlt und nicht abgenommen, was zu einer humanitären Krise in Asien geführt hat. Hierzulande sind die Lager der Geschäfte voll.

Mit Sales wird versucht Platz für die Herbst-/Wintersaison zu machen, die bereits im Hochsommer in die Stores kommt. Was nicht verkauft wird, wird häufig vernichtet. Die Krise hat deutlich gemacht, dass zu viel, zu billig und zu weit entfernt produziert wird. Es muss eine Trendwende zu weniger ist mehr stattfinden. Die Zukunft der Mode liegt in der Zirkularität.

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© Rah Rah Studio

Die Mode-Giganten ziehen derzeit schnell nach: Faire Kollektionen von Fast Fashion Marken wie H&M und Zara als auch nachhaltige Capsule Collection von großen Luxusmarken, ist das für Sie Greenwashing?

Nachhaltig ist ein nicht eindeutig definierter Begriff. Bedeutet nachhaltig Bio-Baumwolle, recyceltes PET & Co.? Oder beinhaltet das auch faire Arbeitsbedingungen für die Arbeiter*innen? Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass die Big Player viele Menschen erreichen. Sie sind lauter, als alle Eco Brands zusammen.

Wenn sie ihre Stimme nutzen - auch wenn es nur eine Kapsel ist - finde ich das einen richtigen Schritt. Aber auch dort muss klar kommuniziert werden, wie die Ziele aussehen. Ist das nur eine Marketingmaßnahme oder soll Nachhaltigkeit Teil der DNA werden. Eine einzelne Kapsel aus Bio-Baumwolle ist zu wenig.

Fair Fashion muss oftmals mit Vorurteilen kämpfen wie, "nicht so stylisch, chic, cool oder einfach zu teuer", was ist Ihre Antwort auf solche Kommentare?

Echt jetzt?! Schaut mal bei uns auf die Seite - wir haben über 100 Brands gelistet, die maximal zeitgeistige Kollektionen herstellen. Zu teuer? Das liegt im Blickwinkel des Betrachters. Meiner Meinung nach ist die konventionelle Mode zu billig.

Was sind Ihre derzeitigen Lieblings-Brands?

Als Veranstalterin einer nachhaltigen Modemesse habe ich unglaublich viele Lieblingsbands. Meine Jeans von Dawn Denim trage ich fast durchgehend. Genauso wie meine Sneaker aus Eco-Leder von nat2-footwear. Dann wären da noch die streetwearigen Teile von Phyne, das Zero Waste Label AA Gold, die Cross Body Bags von Dzaino oder die Bum Bags von Bridge & Tunnel.

Ganz abgesehen davon bin ich ein großer Fan von Second Hand. Stichwort: The Renewery - die beiden kreativen Mädels arbeiten Second Hand zu neuen Stücken um und halten die Sachen somit länger im Kreislauf.

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© Phyne Collection

Laut “The State of Fashion" kann sich die Sustainable Fashion Bewegung durch die Corona-Krise beschleunigen, was ist für 2020/2021 noch zu erwarten?

Nachhaltigkeit ist schon 2019 an dem Point of no return angekommen. Unternehmen, die sich in diesem Bereich nicht engagieren wird es nicht mehr lange geben. Die Krise hat die Bedeutung von bewusster Produktion deutlich sichtbar gemacht. Langsam findet ein Umdenken auf allen Seiten statt. Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten ist krisenbedingt gestiegen. Stichwort: Sneakertrends. Im Herbst kommt endlich das Lieferkettengesetz. Große Häuser wie Armani reduzieren die Anzahl ihrer Kollektionen auf zwei Mal jährlich. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Entschleunigung.

Drei Tipps an unsere Leser für einen bewussten Fashion-Konsum?

Buy less, but better. Wenn neu, dann nachhaltig. Das waren nur zwei Tipps. Nummer 3: Loved clothes last. Nur noch kaufen, was man auch wirklich tragen möchte. Ansonsten haben wir einen sehr geeigneten Artikel zu diesem Thema in unserem GREENzine.

Herzlichen Dank liebe Frau Smend!

Vom 5. bis 8. November findet Greenstyle Munick  zum zweiten Mal mit einem Popup-Format innerhalb der Biolife Messe in Bozen statt, um nachhaltige Mode auch jenseits der Alpen greifbarer zu machen. Weitere Infos finden Sie unter Greenstyle.

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