Fast Fashion vs. Slow Fashion markiert Modeindustrie im Wandel

Nachhaltigkeit sorgt für einen Umbruch in der Modeindustrie – Ein Kampf namens Fast Fashion vs. Slow Fashion und das sind die Trends im Überblick

Fast Fashion vs. Slow Fashion
Source & Copyright by Ecoalf

Autor: Evgenia Lozinskaya

Mode macht Spaß – wahrscheinlich viel zu viel Spaß, wenn man bedenkt, dass die Branche für vier bis sechs Prozent der Treibhausemissionen im Jahr weltweit verantwortlich ist. Fast Fashion hat sich in der Industrie zum verhängnisvollen Konsumtrend entwickelt, welcher zur Umweltbelastung durch Überproduktion führt. Billiger, schneller und mehr – das sind die Schlagworte, die bis dato das erfolgreiche Geschäftsmodell dominiert haben.

Was ist Fast Fashion vs. Slow Fashion?

Fast Fashion Definition

Fast Fashion vs. Slow Fashion steht für massenproduzierte Ware mit entsprechend angepassten Produktions- sowie Vertriebswegen. Mit bis zu 11 verschiedenen Kollektionen pro Jahr mit sehr niedrigen Stückpreisen fördert Fast Fashion Überkonsum und daraus resultierende Wegwerf-Politik.

Ein Bericht von McKinsey macht die Misere der Fast-Fashion Industrie deutlich – weltweit konsumieren wir über 100 Milliarden Kleidungsstücke jährlich und sorgen für 92 Millionen Tonnen Abfall. Doch die Beschuldigungen gehen noch tiefer – denn bereits die Herstellung der Fast-Fashion Kollektionen schadet insbesondere unseren ökologischen und sozialen Systemen. Ein Report aus dem Jahr 2017 legte nahe, dass das Waschen synthetischer Textilien etwa 35 Prozent der Mikroplastik-Verschmutzung ausmacht.

Source & Copyright Asket

Slow Fashion Definition

Slow Fashion hat das Ziel genau dieser Kurzlebigkeit entgegenzuwirken. Angesichts der Klimakrise findet mit der „GoGreen“ Bewegung in der Modeindustrie ein Umdenken statt. Verbraucher*Innen zeigen zunehmend Interesse für nachhaltige Optionen und sorgen damit für eine Veränderung in der Branche.

Das Konzept von Slow Fashion vs. Fast Fashion basiert auf Entschleunigung und schafft Bewusstsein für ein respekt- sowie vor allem verantwortungsvolles Verhalten gegenüber Umwelt, Mensch sowie Konsum. Das Nachhaltigkeitskonzept der Slow Fashion Industrie setzt sich aus einer Reihe wichtiger Indikatoren zusammen. Diese reichen von umweltschonender Herstellung und Auswahl der Rohstoffe über hochwertige Verarbeitungsprozesse sowie fairen Handel und sichere Arbeitsbedingungen.

Um darüber hinaus einen zertifizierten Textilsiegel zu erhalten, muss jeder Schritt der Produktion sichtbar sein. Die Verwendung von Chemikalien ist untersagt sowie die Entwicklung neuer nachhaltiger und ressourcenschonender Materialien und Technologien erforderlich.

Folgende zentralen Fakten lassen sich hinsichtlich Fast Fashion vs. Slow Fashion zusammenfassen:

Nachteile Fast Fashion

Fast Fashion vs. Slow Fashion demokratisiert zwar die Mode, sorgt aber für Überkonsum in der Bekleidungsindustrie mit 92 Millionen Tonnen Abfall jährlich

  • Etwa 60 Prozent der gekauften Produkte werden nach einem Jahr durch Konsumenten entsorgt, während 40 Prozent ungekauft auf Mülldeponien landen.
  • Unfaire Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne liegen der Fast Fashion zugrunde
  • Durch Fast Fashion Textilindustrie entstehen Emissionen als alle Flüge und Schiffsreisen zusammen
  • Das Herstellen von Kleidung verursacht 2,1 Mrd. Tonnen CO2 und somit 4% der globalen Treibhausgase

Vorteile Slow Fashion

Mit den aktuellen Entwicklungen in der Klimakrise bewegt sich auch das Konsumverhalten durch Slow Fashion in Richtung nachhaltiger und bewusster Entscheidungen.

  • Slow Fashion Herstellung und Produktion sind umweltschonend
  • Kurze Produktionsketten meist durch regionale Herkunft von Rohstoffen
  • Faire Handel- und Produktionsbedingungen sowie Arbeitslöhne
  • Verzicht auf Pestizide, Chemikalien sowie Giftstoffe

Mit Slow Fashion auf Vormarsch gibt es dieses Jahr einige vielversprechende Entwicklungen, mit denen Modeindustrie die Herausforderung Nachhaltigkeit meistern möchte. Der Fortschritt der letzten Jahre soll nun weiter skaliert und beschleunigt werden, damit der positive Einfluss sowohl auf ökologische als auch auf soziale Aspekte weiter ausgebaut werden kann.

Das sind die Slow Fashion Trends im Überblick:

1. Klimakompensation und Klimapositivität

Ziel ist es die CO2 Emissionen zu senken. Viele Unternehmen haben bereits begonnen die Treibhausgasemissionen auszugleichen, beispielsweise durch Aufforstungen. Der Trend der Klimapositivität geht einen Schritt weiter und basiert auf der Idee einen positiven Effekt auf die Umwelt zu ermöglichen, statt die negativen Folgen zu minimieren. Aktuell untersuchen Forscher Algen, welche Photosynthese betreiben. Durch die Verwendung dieser in der Kleidung soll somit Kohlendioxid aus der Atmosphäre entnommen werden.

2. Biodiversität und regenerative Landwirtschaft

Biodiversität deutet auf die biologische Vielfalt unseres Planets, welche aufgrund der Tatsache, dass unsere Kleidung meist aus Naturfasern besteht, vom Aussterben bedroht ist. So setzten immer mehr Konzerne wie LVMH auf Wiederherstellung von Biodiversität. Zusätzlich werden alternative Anbaumethoden erforscht, bei denen eine Vielzahl an Pflanzen angebaut wird, um den Boden mit Nährstoffen zu versorgen. Diese natürlichen Lösungen CO2 aus der Atmosphäre zu entnehmen, ermöglichen somit Produktion von kohlenstoffnegativer sowie nachhaltiger Kleidung.

Fast Fashion vs Slow Fashion

LVMH Life 360 Umweltschutzinitiative; Source & Copyright by LVMH

3. Upcycling und Zirkularität

Das Wiederverwenden von Abfallprodukten und nicht genutzten Materialien hat sich in den letzten Jahren zum Trend entwickelt - Große Modehäuser wie Vivienne Westwood, Balenciaga oder Miu Miu nutzen bereits eingesetzte Materialien in den neuen Kollektionen. Und auch jüngere Brands wie Ecoalf treiben positiven Wandel erfolgreich voran.

Fast Fashion vs Slow Fashion

Miu Miu Upcycled Collection; Source & Copyright by Miu Miu/Prada Group

Ein weiterer Trend der Zirkularität ist der Wiederverkauf – das Geschäftsmodell bekommt zunehmend Zuspruch in der Branche durch bereits etablierte Konzepte wie The RealReal oder Vestiaire Collective. Auch große Konzerne springen nach und nach auf den Zirkularitäts-Zug auf und kündigen Initiativen zum Wiederverkauf der Kleidung.

4. Innovative Materialien

Leder aus Ananas oder Kaktus, Soja-Kaschmir oder Seide aus Rosenblättern – das sind nur einige biobasierte Materialien, welche für eine umweltfreundliche Herstellung von Kleidung verwendet werden. Während Hermès, Adidas sowie Stella McCartney Pilzleder, Mylo, verwenden, setzen Konzerne wie Hugo Boss sowie Paul Smith auf Ananasleder. Durch natürliche Extraktion der Fasern, welche mit Maisbasis vermischt werden, benötigt diese Lederalternative zudem keine Petrochemikalien wie handelsübliches Kunstleder.

Fast-Fashion vs Slow-Fashion Paul Smith

Paul Smith Dusty Pinatex Low-Top Sneaker; Source & Copyright by Paul Smith

5. Ethischer Handel

Nachhaltige Mode impliziert nicht nur die Verwendung von umweltschonenden Materialien und Prozessen, sondern bezieht sich auch auf den sozialen Einfluss. Ethischer Aspekt ist somit erst erfüllt, wenn das Unternehmen gewissen Bedingungen hinsichtlich Arbeitsrechte und Löhne entspricht.

Nachhaltigkeit ist das Thema der Modebranche

Damit der Fortschritt bestehen bleibt, muss eine einheitliche klare Sprache gesprochen werden. In den vergangenen Jahren hat die Industrie einen Wandel vollzogen und ist sich der ökologischen sowie sozialen Auswirkungen bewusst geworden. Mit den aktuellen Nachhaltigkeitstrends zur Bewältigung der Klimakrise stellt Modebranche vielversprechende Entwicklungen vor mit denen sie den Herausforderungen hinsichtlich Fast Fashion vs. Slow Fashion entgegenwirken will.

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