Fashion Week Highlights – Sustainability Recap

New York, London, Mailand, Paris - und Kopenhagen. Alles rund um die Fashion Weeks und was die Big Four in Sachen Nachhaltigkeit von der CPHFW lernen können

Fashion Week
Source & Copyright by Copenhagen Fashion Week | Stine Goya, AW 22 Runway

Autor: Julia Schindler

Fashion erlebt sein ersehntes Revival. Nachdem die neusten Trends und Designinnovationen aufgrund der Pandemie nur in der heimischen Bubble konsumiert werden konnten, pulsieren die Mode Capitals wieder. Die Fashion Weeks sind zurück. Nicht ganz live, aber zumindest hybrid. Nachdem die Kopenhagener, New Yorker und Londoner Modewochen nun bereits vorbei sind, ist es höchste Zeit für ein Recap. Und zwar insbesondere, weil es neben dem designtechnischen Fokus auf Streetwear einen Change of Mindset gibt. Nachhaltigkeit statt Masse, Inklusion statt Exklusion.

Weniger Fashion, mehr Purpose

Im Zeitraum der Fashion Weeks liegen die Augen der Modewelt jeweils auf den veranstaltenden Metropolen. Mit steigender Bedrohung der Klimakrise, wachsender Achtsamkeit durch COVID-19 und einem allgemeinen Wandel zum New & Purposeful Luxury, erweitert sich allerdings die Aufmerksamkeit. Schon lange wecken die Modewochen nicht nur das Interesse der Fashion Bubble. Auch andere wirtschaftliche Zweige, Branchen und Gruppen beobachten die Entwicklung der Designtrends. Wieso?

Die Modeindustrie ist eine der konsumstärksten Branchen mit den verheerendsten Umweltauswirkungen. Dass der Fokus in Anbetracht jüngster klimapolitischer Entwicklungen auf der Modewelt liegt, ist also kein Wunder. Aber Ausgangspunkt einer steigenden Nachfrage sowie wachsenden Drucks auf Labels, ethisch und nachhaltig zu agieren. Bedeutet: Mode ist längst mehr als eine Frage des Designs. Mode ist eine Frage des gesellschaftlichen Interesses und Potenzialträger die Zukunft proaktiv umzugestalten. Und genau das realisieren eben auch die Veranstalter*innen sowie Teilnehmer*innen der Fashion Weeks.

Copenhagen Fashion Week

Vorreiter dieses Wandels: Die Copenhagen Fashion Week. Die skandinavische Modewoche gewinnt zunehmend an Relevanz und bestimmt neben New York, London, Paris und Mailand den Diskurs der Fashion Branche. Grund dafür sind aufstrebende Labels wie Ganni und Stine Goya, ihre mutige Vision sowie ihr beispielloses Engagement. Ready-to-wear statt Haute Couture, Verfügbarkeit statt Exklusivität und Verantwortungsbewusstsein statt profit- sowie prestigegesteuerter Opulenz. Oder kurzum: Demokratisierung, Simplizität, Minimalismus und Nachhaltigkeit. Und somit Sinnbild der mühelosen Eleganz des Scandi Chics, des Zeitgeistes und der Berücksichtigung der wertvollen Gen Z.

Fashion Week Ganni (1)

Source & Copyright by Copenhagen Fashion Week | Ganni, AW 22 Runway

Vom 1. bis 4. Februar konnte das kontemporäre Konzept der CPHFW endlich wieder hybrid stattfinden. Die Strategie: Ein physisches Programm mit 21 Live Showcases in Verbindung mit starken Kommunikationsstrategien wie digitalen Screenings Events sowie Premieren. Während diese Dichotomie das post-pandemische New Normal einleitet, zeigt das Revival die Kopenhagener Modewoche in einem puncto konsistent: Zukunftsorientiertes Denken. Und zwar insbesondere im Bezug auf die drei Buzzthemen Nachhaltigkeit, Collaboration und Digitalisierung.

Nachhaltigkeit @ CPHFW

Eines der wichtigsten Commitments der CPHFW ist der jährliche Launch des Nachhaltigkeitsberichts. Genauer handelt es sich dabei um ein Status Update zur Umsetzung der Ziele des CPHFW Nachhaltigkeitsaktionsplans. Dieser steht im Einklang mit den SDGs und wird alle drei Jahre aktualisiert. Die Bilanz: Neben vielen positiven Fortschritten arbeitet die Modewoche an der Umsetzung der Ziele des Aktionsplans 2022 und verfeinert Strategien für die Agenda von 2023 bis 2025 für noch mehr nachhaltige Entwicklung. Angesichts der Verbreitung von Greenwashing im Fashion Kosmos, ist diese Dokumentation und Berichterstattung vermeintlichen Engagements zum Most-Do für glaubwürdige Brands avanciert.

Besonderer Stellenwert wird dabei der Reduktion von Treibhausgasemissionen zur Verringerung der Klimaauswirkungen des Fashion Events beigemessen. Bereits seit 2019 arbeitet die CPHFW mit dem zertifizierten Klimaschutzanbieter Climaider zusammen. Ziel der Collaboration: Die CO2 Emissionen der Fashion Week reduzieren sowie ausgleichen. Und zwar in jeglichen Bereichen der Veranstaltungsproduktion. Ob E-Flotte, weniger Merchandise, Verzicht auf aufwendige Bühnenbilder sowie Papiereinladungen, kulinarisches Angebot für Vegourmets oder Wasserstationen für reusable Flaschen - Die CPHFW goes even greener. Und dass diese Strategie erfolgreich ist, zeigen die erfolgreichen Emissionssenkungen von 2020 bis 2022.

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Source & Copyright by Copenhagen Fashion Week | Stine Goya, AW 22 Runway

Als Motor dieser Entwicklung gilt unter anderem eine Gebühr für den Emissionsausgleich. Ab Januar 2023 ist die Kompensation von Emissionen ein Mindeststandard, um an der CPHFW teilzunehmen. Bedeutet: Alle Marken müssen ihre Emissionen über einen offiziellen Klimapartner ausgleichen. Design-Sustainability-Balance verpflichtend. Kein Wunder also, dass auch ein Statement gegen den Plastic Pain gesetzt wird. Nachdem eine Kooperation mit SmallRevolution die Labels bereits 2021 beim Upcycling von Plastikmüll unterstütze, haben die Organisator*innen nun Einwegplastik wie Bügel oder Kleidersäcke hinter der Bühne verboten. Das Ergebnis: Eine drastische Reduktion des Abfalls.

Collaboration @ CPHFW

Weiteres Buzzthema: Kollaboration. Die Modewoche führte neue Initiativen und Partnerschaften zur Umsetzung der Nachhaltigkeitskriterien 2023 sowie zur Verstärkung des Fokus auf soziale Verantwortung ein. Die Big 4 der Collaborations umfassen den Norwegian Fashion Hub, den Oslo Runway, den Icelandic Fashion Council und die Messe CIFF (Copenhagen International Fashion Fair). Praktisch bedeuten diese Zusammenschlüsse, dass grüne Commitments wie recycelte sowie upcycelte Textilien, nachhaltige Verpackungen und Zero Waste Bühnenbilder ab 2023 zum Standard für rund 1.600 Marken werden.

Laut offiziellen Mitteilungen der CPHFW markieren die skandinavischen Zusammenschlüsse Meilensteile für den nachhaltigen Wandel der Modeindustrie. Besonders wichtig ist dabei, dass die Collaborations, die Vorhaben der Nachhaltigkeitsanforderungen der Agenda für 2023 bis 2025 unterstützen und Unternehmen dazu inspirieren, ihr gestalterisches Potenzial im Rahmen verantwortungsvoller Business Practices umzusetzen. Die Vision für die kommenden Jahre umfasst außerdem auch neue internationale Partnerschaften, um den Wandel auf globaler Ebene zu etablieren.

fashion week samsoe

Source & Copyright by Copenhagen Fashion Week | Samsøe Samsøe AW 22 Runway

Besonders wertstiftende Collaboration für dieses Vorhaben: CIFF x CPHFW. Die Copenhagen International Fashion Fair ist die größte Fachmesse in Nordeuropa und in den letzten Jahren zu einem wichtigen Hotspot für die internationale Modeindustrie avanciert. Als dynamischste und innovativste Verkaufsplattform Europas zeichnet sie sich nicht nur durch einzigartige Kuration und kreative Kooperationen, sondern insbesondere durch das Entdecken sowie Fördern aufstrebender Talente aus. Ziel ist es dabei, diesen eine Plattform für den internationalen Verkauf zu bieten. Und genau aus diesem Grund ist das Zentrum richtungweisender Marken vielversprechender Potenzialträger für die internationale Ausrichtung der CPHFW.

Digitalisierung @ CPHFW

Feststeht, dass Live Shows für aufstrebende Designer*innen noch immer entscheidende Faktoren für den Erfolg von Markenaufbau sind. Allerdings haben die durch COVID-19 erkannten Möglichkeiten sowie die allgemein voranschreitende Digitalisierung verdeutlicht, dass besonders multimediale Strategien großes Erfolgspotenzial bergen. Instagram gilt beispielsweise als wichtiges visuelles Medium, das Live Updates und Eindrücke in Sekundenschnelle sowie in globalem Maßstab verbreiten kann. Immer relevanter wird allerdings auch die neuste Ergänzung zum Multi Channel Mix der Fashion Week: Tik Tok.

Im Verlauf der CPHFW teilten die beliebtesten skandinavischen Tik Tok Celebrities ihre Erlebnisse und Eindrücke der Kollektionen, Shows sowie Events. Und zwar mit dem Ziel, die Mode für ein jüngeres Publikum zugänglich zu machen. Kurzum: Als immer bedeutsameres Medium der Gen Z und anderer junger Generationen kann Tik Tok mit alten Strukturen brechen und Berührungspunkte schaffen, um die Fashion Weeks demokratisieren.

Fashion Week Tik Tok

Source & Copyright by Copenhagen Fashion Week | Tik Tok Talents

Weniger Mut zum Fortschritt zeigte sich demgegenüber im Bereich Metaverse. Nur wenige Brands trauten sich den Umgang mit der technischen Innovation zu und lancierten NFTs, VR Applikationen, Games oder andere digitale Erweiterungen der Realität.

Nachhaltigkeit und Inklusion: Trends der New York Fashion Week

Dass sich auch die großen Modewochen im Wandel befinden, bewies bereits ihr Kick Off mit der New York Fashion Week. Nachdem im Januar der "Fashion Sustainability and Social Accountability Act", kurz Fashion Act, lanciert wurde, rücken Nachhaltigkeit und Ethik mehr und mehr ins Visier der gesamten Industrie. Der Act soll Modemarken gesetzlich dazu verpflichten, ihren Beitrag zum Klimawandel zu dokumentieren und Nachweise zu ihren Actions entlang der Wertschöpfungskette zu erbringen. Extra Pluspunkt: Der Fashion Act gilt nicht nur für New York-based Brands, sondern für alle, die geschäftlich in der Metropole agieren.

Das neue Mindset zeigte sich auch im Programm der diesjährigen New Yorker Modewoche. Aufstrebende Designer*innen wie Olivia Cheng oder Emma Gage konnten ihre nachhaltigen Kollektionen erstmals im Rahmen der NYFW präsentieren. Das Resultat: Mehr Aufmerksamkeit für umweltfreundliche Designprozesse wie Recycling. Doch auch renommierte Powerhouses wie Gabriela Hearst setzten mal wieder umweltfreundliche Statements. Neben nachhaltigen Praktiken wie Death Stock Upcycling, zeichnet sich ihre aktuelle Kollektion durch Gender und Size Inclusivity sowie Support von Bedürftigen und der LGBTQ+ Community aus. Inklusives Highlight: Model Jillian Mercado feierte ihr Runway Debut für THE BLONDS und repräsentierte in diesem historischem Moment die unterrepräsentierte Gruppe von Menschen mit körperlicher Behinderung.

Talent Hub London Fashion Week

In altbewährter Abfolge schließt die London Fashion Week an New York an und stellt eine beispiellose Plattform für Young Talents dar. Als Universitätszentrum der Modeindustrie steht London für Innovation und Experimente statt den Ausbau etablierter Fashion Imperien. Und genau diese Position konnte dieses Jahr sogar ausgebaut werden. Aufgrund der Entscheidung namhafter Designer*innen wie Vivienne Westwood oder Burberry sich auf digitale Angebote, beispielsweise aus dem Metaverse zu konzentrieren, gehörte die Bühne aufstrebenden Newcomer*innen.

Im Einklang mit dem aktuellen Zeitgeist gab es einen besonderen Hype: Fair Fashion. Der Diskurs der London Fashion Week drehte sich um zukunftsorientierte Marken, die mit starren Strukturen brechen, um Materialinnovationen, neue Designprozesse und radikale Transparenz als Status Quo zu etablieren. Besonders wertstarke Brands to Watch: SOHUMAN, Bethany Williams und Ahluwalia.

What's next?

Sowohl die New York als auch die London Fashion Week haben bewiesen, dass Nachhaltigkeit einen immer höheren Stellenwert in der Modeindustrie einnimmt. Allerdings zeigt sich das Commitment meistens nur im Kosmos einzelner Labels sowie in ihrer Förderung. Was es braucht sind zudem holistische Konzepte, entlang aller Veranstaltungsbereiche. Beispiel: Die Copenhagen Fashion Week. Bedeutet? Während es ein positiver Fortschritt der Modewochen ist, ein immer größeres Portfolio an nachhaltigen Brands zu präsentieren, muss sich auch die grundlegende Struktur der Events ändern. Emissionen, Flotte, Wasser- und Energieverschwendung sowie Abfall sind hier die herausfordernden Schlagwörter.

Es bleibt spannend, welche nachhaltigen oder ethischen Commitments Brands und Organisator*innen auf den noch ausstehenden Mailand und Paris Fashion Weeks präsentieren werden. Sicher ist dafür, dass die großen Fashion Hubs sich ein Beispiel an Kopenhagens ganzheitlicher Nachhaltigkeitsstrategie nehmen müssen. Um auch in Zukunft noch den Ansprüchen der kritischen Augen der (Mode-)Welt zu genügen, aber insbesondere, um eine gesunde Zukunft des Planeten proaktiv mitzugestalten.

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