Sustainability Gap: BoF vergleicht Modegiganten in Sachen Nachhaltigkeit

Der Business of Fashion Nachhaltigkeitsindex misst den Sustainability Gap und setzt neue Maßstäbe für Modekonzerne

Autor: Haus von Eden

  • BoF entwickelt Nachhaltigkeitsindex und vergleicht die 15 größten Modekonzerne
  • "The Sustainability Gap" Report deckt Lücken auf und setzt klare Maßstäbe für eine kontinuierliche Verbesserung
  • Durchschnitts-Score von 36 von 100 verdeutlicht, dass die Rhetorik der Modebranche den realen Maßnahmen voraus ist

Die Corona-Pandemie gilt als Beschleuniger für die Aufdeckung von Missständen in der Modeindustrie. Die internationalen Lieferketten der Fast-Fashion-Konzerne sind geprägt von Lieferengpässen. Deren Produktionsstopps haben Menschen in Entwicklungsländern teilweise noch tiefer in die Armut getrieben. Dies hat gezeigt, dass nachhaltige Modemarken sogar resilienter gegenüber Krisen sein können.

Nachhaltigkeit erkämpft sich den Weg zum Mainstream

Spätestens seit der Pandemie ist Nachhaltigkeit ein Fokus-Thema in der Modeindustrie und gilt schon lange nicht mehr als reine Marketingmaßnahme. Grund dafür ist auch die zunehmende Nachfrage nach Slow Fashion sowie veränderte Kaufgewohnheiten. So geben vor allem ein Drittel der jüngeren Generationen an, dass sie für nachhaltige Produkte mehr Geld ausgeben würden und umweltschädliche Produkte meiden möchten. Green Washing hat bei ihnen zunehmend keine Chance mehr.

Für Unternehmen heisst es daher nicht nur einzelne nachhaltige Maßnahmen umzusetzen, sondern Sustainability als Purpose in einem holistischem Ansatz der Unternehmenskultur zu integrieren. Die Wirkung aller Maßnahmen sollte zudem offen kommuniziert und der Fortschritt verfolgt und gemessen werden.

Doch wie misst man die Nachhaltigkeit bei Kleidung?

Ein direkter Vergleich von Produktionsstätten war bisher eher eine unübersichtliche Methode, sodass das online Magazin Business of Fashion (Bof) nun eine standardisierte und transparente Methode entwickelt hat, um die Nachhaltigkeit von Modeunternehmen objektiv zu messen und zu vergleichen. "Der BoF-Nachhaltigkeitsindex zielt darauf ab, einen transparenten und vertrauenswürdigen Maßstab zu schaffen, um klar definierte und messbare Fortschritte bei der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen in der Modebranche zu verfolgen."

Für die Entwicklung des BoF Sustainability Index bildete sich ein Komitee aus zwölf namhaften internationalen Akteuren der Fashion-Industrie. Die Grundlage ihrer Messmethode bilden dabei die folgenden sechs Kategorien, welche gleichzeitig die Hauptprobleme der Modebranche darstellen:

  • Transparenz: Vollständige Nachverfolgbarkeit der Lieferketten sowie messbare Nachhaltigkeits-Ziele
  • Emissionen: Das Komitee setzt das Ziel Treibhausgase bis 2030 um 45% zu senken
  • Wasser und Chemikalien: Reduktion des Wasserverbrauches, kein Einsatz schädlicher Chemikalien, mit dem Ziel die Wasserverschmutzung zu stoppen
  • Materialien: Vor allem das auf Erdöl basierende (virgin) Polyester soll durch nachwachsende Ressourcen ersetzt werde
  • Arbeiterrechte: Den Schutz von Menschenrechten und ethischen Arbeitsbedingungen als Teil der Unternehmensstrategie sicherstellen
  • Abfall: Verzicht auf Single-Use Plastikverpackungen und Umsetzung zirkulärer Business-Modelle

Das Ergebnis des Reports definiert einen "Sustainability Gap"

Der Report von BoF "The Sustainability Gap" misst den Fortschritt der fünf größten börsennotierten Modeunternehmen aus jeweils drei verschiedenen Branchen: Luxus, High Street und Sportbekleidung. Der Index enthält über 5.000 Datenpunkte und untersucht jedes Unternehmen anhand von 338 Metriken, um die Leistung anhand von 16 Umwelt- und Sozialzielen zu messen. Der Index deckt klare Schwachstellen auf, die dringende Gegenmaßnahmen erfordern, aber auch Chancen für eine langfristige Transformation.

BoF Sustainability Report Ergebnisse vom Index

Quelle & Copyright Business of Fashion "The Sustainability Gap"

Im Moment liegt der Durchschnittswert der Fashion-Unternehmen nach dem BoF-Index bei 36 von 100 möglichen Punkten. "Die Ergebnisse zeigen Anzeichen für ein positives Engagement, aber die Rhetorik der Modebranche ist den tatsächlichen Nachhaltigkeits-Maßnahmen weit voraus. Informationen zur Zielsetzung sind viel leichter verfügbar als Daten zur Messung oder konkrete Pläne für strategische Investitionen zur Erreichung dieser Ziele." Vor allem die Inkonsistenz der Berichterstattung würde ein größeres Problem der Rechenschaftspflicht widerspiegeln.

Das Resultat: Auf Platz eins der Rangliste befindet sich die Luxus-Gruppe Kering mit einem Score von 49, gefolgt von Nike (Score: 47) und Puma (Score: 44). Das Schlusslicht bilden das Luxus-Konglomerat Richemont (Score: 14) und der Sportbekleidungshersteller Under Armour (Score: 9). BoF plant eine stetige Verbesserung der gemessenen Werte, um das nachhaltige Handeln der Konzerne zukünftig in Einklang mit deren Versprechungen zu bringen.

Cover BoF Sustainbility Gap Report

Den vollständigen Report von BoF "The Sustainability Gap" hier downloaden. The Business of Fashion veranstaltet am 14. April eine Live-Übertragung mit weltweit führende Experten, Vordenker und Aktivisten zu diesem Thema.

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