Luxus-Lodge bietet einzigartige Vielfalt im Naturreservat Südafrikas

Grootbos vereint Natur, Tiere und Menschen durch Tourismus und Nachhaltigkeit

Im Interview mit Michael Lutzeyer, Gründer Grootbos Private Nature Reserve

Michael Lutzeyer
Source and Copyright by Grootbos

Autor: Vivien Vollmer

Eine luxuriöse 5-Sterne-Lodge, zwei Stunden außerhalb von Kapstadt, und gleichzeitig ein preisgekröntes privates Naturreservat. Michael Lutzeyer will mit diesem Konzept eine Brücke zwischen Tourismus und Nachhaltigkeit schlagen. Grootbos, die UNESCO World Heritage Site, liegt zwischen Bergen, Wäldern und dem Meer an der südlichen Spitze Afrikas. Mit seiner Grootbos Foundation werden Projekte initiiert, die die lokale Biodiversität schützen und Community fördern. Die dazugehörige Luxus-Lodge ist als Hotelbetrieb und Unternehmen klimanegativ und hilft so seinen Gästen den Co2-Fußabdruck zu minimieren.

Im Interview mit Michael Lutzeyer spricht der Südafrikaner mit deutschen Wurzeln über sein holistisches Nachhaltigkeitskonzept. Dabei wird schnell deutlich, dass es um weitaus mehr geht als ein Engagement für die Umwelt. Es geht um Artenschutz, soziale Gerechtigkeit sowie das Verständnis darüber, wie alles in der Natur voneinander abhängt und wie wir Menschen als Teil der Erde hineinpassen. Im Dialog entsteht ein neuer Blick auf die Vielseitigkeit des Tourismus.

Michael Lutzeyer, Gründer von Grootbos Südafrika

Cape Floral - Die Vielfalt der Natur erforschen

1991 fuhr Familie Lutzeyer an einem Schild mit der Aufschrift „Farm zu verkaufen" vorbei. Wie Michael Lutzeyer beschreibt, war es die atemberaubende Sicht und Lage, die ihnen keine andere Wahl ließ als das Grundstück zu kaufen. „Wir haben die Farm anfangs für Wochenenden und Urlaube genossen. Doch schnell wurde klar, dass wir die Aussicht mit dem Rest der Welt teilen wollten". So entstand ein Bed & Breakfast, welches sich im Laufe der Zeit in ein hochklassiges Hotelbetrieb und Naturreservat entwickelte. Das neuartige Konzept sollte die Tourismusbranche im Luxussegment nachhaltig verändern.

Bei so viel unberührter Natur viel eines immer mehr auf: Fremdpflanzen. „1997 fingen mein Vater und der Botaniker Shawn Privett daher damit an, eine Studie zu entwickeln, mit dem Ziel die Heimatpflanzen zu schützen. Allen voran den Fynbos, der die einzigartige Landschaft der Region prägt. Dabei wurde gezählt, identifiziert und kategorisiert. Es wurden sieben neue Arten entdeckt. Das kleinste Pflanzenreich weltweit war und ist zugleich das reichste und vielseitigste." In dem Naturreservat lassen sich heute 880 Pflanzen- und Tierarten entdecken, davon sind über 120 gefährdet.

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Mit Pflanzen die Community fördern

„Wir haben etwas für die Pflanzen gemacht, wir müssen nun auch etwas für die Menschen tun“, sagt Michael Lutzeyer. Als Konsequenz gründete er 2003 eine Gärtnerschule. Für Südafrika war das Konzept der Ausbildung neu. Unabhängig vom Alter, konnten sich hier Menschen aus der ganzen Umgebung bewerben und erlangten einen professionellen Abschluss als Gärtner sowie wichtige „Life Skills“. „Viele hatten noch nie mit einem Computer gearbeitet oder wussten nicht, wie man einen Lebenslauf schreibt. Das sind wichtige Faktoren, um später einen Job zu finden.“ Mittlerweile konnten bereits über 200 Menschen die Ausbildung bei Grootbos absolvieren.

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Währenddessen entwickelte sich das Bed & Breakfast zu einem luxuriösen Hotelbetrieb. Der Ausbau bot weitere Möglichkeiten: Später wurde eine Hospitality Schule eröffnet, welche Arbeitslose das Hotelfach lehrt.

Umweltschutz funktioniert nur gemeinschaftlich

Michael Lutzeyer erklärt die Bedeutung seines Gesamtkonzept als Symbiose zwischen Mensch und Natur. Damit solle, neben der Natur, auch eine gewisse soziale Nachhaltigkeit entstehen.“ Mit diesem Gedanken könnten mehrere Hebel gleichzeitig bewegt werden. Michael Lutzeyer fordert deshalb: „Jedes Unternehmen sollte sich um die Menschen und Natur in seiner unmittelbaren Umgebung kümmern."

"Wenn man die Menschen nicht beteiligt und nicht ausbildet, dann werden sie nicht verstehen, warum Nachhaltigkeit wichtig ist. Denn will man etwas bewahren, was wertvoll ist, wenn man die Leute daran nicht beteiligt?“, fragt er. Deshalb unterstützt er mit seiner Grootbos Foundation die lokale Community. Unter anderem durch die Errichtung einer Kita, Schule und der Ausbildung von Lehrkräften. Die Stiftung fördert zahlreiche Projekte von der Imkerei und der Tierzucht über das Recyceln von Kerzen, Fußballtraining und Computerkursen bis hin zur Rodung nicht einheimischer Pflanzenarten. Dabei soll jedes Projekte den Menschen vor Ort eine bessere Zukunft bieten und die Natur schützen.

Vorbild für nachhaltigen Tourismus im Luxussegment

Darüber hinaus definiert Michael Lutzeyer den Wert von Tourismus neu: „Grootbos zieht den Tourismus weltweit an, weil dieses Paradies noch wie vor 30 Tausend Jahren unberührt erhalten ist.“ Genau diese Attraktivität nutzt Michael Lutzeyer aus, um die Nachhaltigkeit zu fördern. Denn aus Erfahrung weiß er, dass auch Nachhaltigkeit seinen Preis hat: „Wenn ich Luxus biete, kann ich mehr Geld verlangen, was wichtig für die Nachhaltigkeit ist, da die Prozesse nicht günstig sind und finanziert werden müssen.“

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Grootbos als Unternehmen und Farm Carbon-negative

Für Michael Lutzeyer ist die Richtung, in der sich der Tourismus bewegen muss klar: „Die Zukunft des Tourismus ist nachhaltig. Wie kann ich dem Gast helfen, umweltfreundlich Urlaub zu machen? Darauf muss hingearbeitet werden. So bekommen Gäste ein gutes Gefühl. Denn von dem Geld, was sie hier lassen, wird etwas Gutes getan. Grootbos ist als Unternehmen und Farm ist Carbon-negative und arbeitet weiter daran, seinen Gästen die CO2 Emissionen abzunehmen.“

Dabei sieht Michael Lutzeyer die junge Generation in einer besonderen Rolle: „Ich glaube, dass der Druck vor allem von den jüngeren Menschen kommt. Wenn sie etwas bei der Konkurrenz sehen, stellen sie die Frage, warum es nicht auch an anderen Orten so funktionieren kann." Durch die Aufmerksamkeit der Medien sei das Klimaproblem bei jedem angekommen und die Tourismusindustrie nun zur Veränderung gezwungen.

Blick in die Zukunft: Wenn Corona den Tourismus lahm legt

Der Tourismus sei bereits in einem Prozess der Veränderung, jedoch würde dieser noch Zeit brauchen. Gerade nach der Corona Krise, sagt Michael Lutzeyer voraus, dass sich viele Menschen eine Reise gönnen werden. Dabei würde der erste Gedanke nicht in Richtung Nachhaltigkeit gehen, erläutert er weiter. Allerdings ist er davon überzeugt, dass nach einer der Phase der Kompensation, der Fokus auf die Nachhaltigkeit zurückkehren wird.

Gleichzeitig ist sich der Naturverbunden Gründer bewusst, dass Sustainability beim Tourismus noch kein Alleinstellungsmerkmal ist. „Das wird eher von der Präferenz des Gastes abhängen. Gleichzeitig setzen zum Beispiel Reisebüros vermehrt auf nachhaltige Hotels, um ihr Negativimage loszuwerden. Somit ist die Zielgruppe für nachhaltigen Tourismus vorerst noch nicht direkt der Endkunde", erklärt er abschließend. Reisen und Sustainability scheinen oft wie Gegensätze. Doch Michael Lutzeyer hat es mit Grootbos geschafft den Luxustourismus mit der Natur zu vereinen.

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