Gerhard Retter über guten Wein und Gastronomie Trends

Star-Sommelier - Fundament des gelebten Genusses & die Mündigkeit des Konsumenten

retter
Gerhard Retter österreichischer Maître und Sommelier

Gerhard Retter mehrfach ausgezeichneter Star-Sommelier, bekannt aus Fernsehen und diverser prominenter Gastronomie und Hotellerie als Maître in Deutschland, Österreich und Europa tätig. Hierzu zählen das Aubergine von Eckart Witzigmann sowie in London bei Gordon Ramsey als auch im Adlon Hotel Berlin. Retter betreibt heute das Cordo in Berlin. Das Restaurant liegt ihren Fokus bei den Getränken auf Naturweinen und biodynamischen Weinen neben einer erlesenen Küche.

Bei uns spricht Gerhard Retter über Gastronomie Trends und guten Wein.

Ihre Inspiration schöpfen Sie aus?

Dem Glanz der Augen meiner Kinder und den Gästen.

Ihr Lieblingswein ist?

Oh diese Frage ist wie die Frage nach meiner Lieblingsmusik. Es ist sehr situations- und stimmungsabhängig. Die einzige Antwort darf und wird wohl sein: der gute Wein! Im Idealfall biologisch oder noch besser biodynamischer Wein. Eindeutig sagen kann ich jedoch, dass ich Pinot Noir (Spätburgunder) sehr liebe.

Gerhard Retter als Gast: Haute Cuisine oder Soul Food?

Authentisch und ungekünstelt egal in welchem Segment.

Wie kann das Thema Nachhaltigkeit weiter gesellschaftsfähig werden?

Nun ich denke hier ist die Mündigkeit des Konsumenten gefragt! Er hat die Macht der Industrie den Spiegel vorzuhalten. Ja, er muss sich  den Anbiederungen der Industrie erwehren, auch wenn sie noch so bequem und wohlig verpackt daher kommen. Hinterfragen und das Hirn beim Kauf einschalten.

Wie setzen Sie Nachhaltigkeit in Ihren Restaurants um?

Regional, saisonal und natürlich soweit wie möglich individuell im Einkauf. Optimale Verwertung von Produkten und auch mal den Mut haben etwas nicht verfügbar zu haben, so wie es der Markt eben auch nicht bieten kann. Nachhaltig heißt eben auch nicht allzeit und unbegrenzt verfügbar.

Wie erklären Sie sich den anhaltenden Erfolg bzw. Präsenz von Kochshows in der heutigen Medienlandschaft?

Das geht sehr weit auseinander. Es gibt Kochsendungen und eben Unterhaltungsshows, in denen auch gekocht wird. Wenige Shows verbinden beides auf gleichem Niveau. Die Leute wollen eben „bekaspert“ werden. Das ist Ablenkung vom eigenen Alltag. Mich würde interessieren was daheim vor dem Bildschirm gegessen wird während im Bildschirm kulinarisch agiert wird.

Was bedeutet Luxus für Sie?

Zu dürfen nicht zu müssen.

Welche gastronomische Trends erwarten Sie für die kommenden 10 Jahre?

Ganz starke Hinwendung zu Bio, zum Gemüse und die Fusionsküche wird denk ich weiter im Alltag Fuß fassen. Sicherlich wird auch die Schere weiter auseinander gehen zwischen Junkfood/Convienence und täglich frisch gekocht. Die Mitte wird dünner und aus der Pyramide wird eine Sanduhr werden. Was ich persönlich sehr schade finde, denn die Wirtshaus- und Alltags-Restaurants sind das Fundament des gelebten Genusses.

Bitte bringt den Kinder daheim und in der Schule Genuss bei. Dies sollte in den Bildungsplan wie auch die Ethik.

Herzlichen Dank Herr Retter.

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