BrewDog CEO Marcus Thieme über Bier, das den Planeten rettet

Mit "Equity For Punks" sammelt die Craft Biermarke BrewDog Investitionen für eine grüne Infrastruktur. Im exklusiven Interview erzählt CEO Marcus Thieme, wie Bier Natur- und Klimaschutz fördern kann

 

nachhaltiges bier
Quelle & Copyright by BrewDog

Autor: Haus von Eden

Auf dem doch recht konservativen Biermarkt Deutschlands, sorgt ein einzigartiger Player für immer mehr Aufsehen: BrewDog. Eine schottische Brauerei, die die Welt revolutionieren will. 2007 wurde das Unternehmen von James Watt und Martin Dickie, die von der uninspirierten Bierszene Großbritanniens gelangweilt waren, gegründet. Seither finanziert sich BrewDog auch über Crowdfunding und setzt dabei innovative und einzigartige Projekte um, die nicht nur in köstlichem Bier, sondern auch in der Förderung von Nachhaltigkeit resultieren.

Im Interview verrät Marcus Thieme, CEO BrewDog Deutschland, mit welchen Herausforderungen ein nachhaltiges Unternehmen in der Beverage Industrie konfrontiert ist, wie BrewDog CO2 negativ wurde und wie das Unternehmen Klima- und Naturschutz langfristig voranbringen will.

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BrewDog CEO Deutschland Marcus Thieme

Unternehmen sollten das Mindset haben, Gutes tun zu wollen

Nachhaltigkeit und Ethik repräsentieren Werte, an die wir und unsere Community glauben. Wir wollen einen Beitrag für unseren Planeten leisten, weshalb wir stets motiviert sind, gemeinsam umweltfreundlich zu agieren. Um diese Mission voranzutreiben, haben wir uns mit Professor Mike Berners-Lee, einem ausgewiesenen Experten für Nachhaltigkeit zusammengetan und dieses Thema in unsere Unternehmens-DNA integriert. So erreichen wir unser Ziel: Unseren Planeten zum Bierbrauen und Trinken zu erhalten.

BrewDog: So geht CO2 Kompensation beim Bierbrauen

Einige dieser "Planetenrettungsmaßnahmen" beziehen sich auf Wege, CO2 zu reduzieren oder zu kompensieren. So verwandelt BrewDog beispielsweise Treber, ein natürliches Nebenprodukt beim Brauen, in Bio-Methan. Künftig werden so jegliche fossile Brennstoffe, die im Brauprozess entstehen, kompensiert. Auch CO2 ist ein Nebenprodukt der Gärung. Deshalb arbeitet BrewDog aktuell daran, dieses einzufangen bzw. zurückzugewinnen, um es später für das Karbonisieren der Biere zu nutzen.

Stichwort Logistik: Ein weiterer Weg, den wir für eine bessere CO2 Bilanz umsetzen, ist die Umstellung auf eine elektrische Lieferflotte. Generell sollten alle Lieferfahrzeuge grün und somit elektrisch betrieben werden. Wichtig ist dabei, dass wir mit all dem schneller werden – BrewDog, andere Beverage Unternehmen und alle andere Branchen. Nachhaltigkeit muss jetzt und effizient umgesetzt werden.

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Innovation muss Sinn ergeben

Bei BrewDog war Innovation von Tag 1 an ein wichtiges Thema. Wir wollten und wollen stets innovativ sein – aber nicht "just for the sake of it". Anstatt irgendwas sinnfreies auf den Markt zu bringen, sollen unsere Produkte Bedeutung stiften und ein Ziel verfolgen. Und so macht es bei uns eben Sinn Bier zu brauen, das durch innovative Initiativen sowie Produktionswege- und Distributionswege Nachhaltigkeit fördert.

Allgemein durchzieht Innovation unsere Unternehmens-DNA und unser Mindset. Das zeigt sich auch bei unseren Marketing- und PR Kampagnen. Dabei geht es nicht darum immer gegen etwas zu sein und das vor allem laut – wir wollen Dinge eher produktiv hinterfragen und wenn wir einen besseren Weg finden, diesen auch umsetzen.

Klar, manchmal findet es der ein oder andere cool, wenn ein Unternehmen hier und da etwas aneckt, aber unser anfängliches Image des Rebellen hat sich doch etwas weiterentwickelt. In erster Linie geht es einfach darum, unsere Haltung zu kommunizieren und ein deutliches Statement zu setzen. Wenn das dann auch noch medial ankommt, ist das natürlich fantastisch.

Equity For Punks - Crowdfunding im Namen der Nachhaltigkeit

Wenn man sich auf Nachhaltigkeit fokussiert, möchte man einen Unterschied machen. Unser Glück war es dabei von Anfang an, dass unser Team sowie unsere Supporter motiviert waren, Gutes zu tun. Deshalb hat BrewDog mit "Equity For Punks" seit 2009 Pionierarbeit für ein einzigartiges Geschäftsmodell geleistet. Einem Crowdfunding Programm, welches die Kraft hinter unserem stetigen Wachstum ist: Mittlerweile unterstützen uns mehr als 145.000 Teilhaber weltweit, die gemeinsam Wandel bewirken.

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Grund für den Erfolg von "Equity For Punks" ist es in erster Linie, dass unsere Community unsere Philosophie, Vision, Mission und natürlich das Bier liebt. Zudem genießen alle Teilhaber auch einige Benefits: Exklusiven Zugriff auf besondere Biere, Discounts und Einladungen zu besonderen Events, wie dem Annual General Mayhem – einem Festival rund um Bier, Food und Musik, bei dem unsere Gründer mit der Community zusammenkommen.

Top 3 Tipps für erfolgreiches Crowdfunding

Klar, jedes Unternehmen muss seine Ziele individuell definieren. Trotzdem gilt: Es gibt allgemeine Leitlinien, die uns von Anfang an geholfen haben, unsere Projekte zu realisieren und so unsere Langzeitmission umzusetzen.

  1. Zielgruppe definieren. Ohne ein engagiertes Publikum ist Crowdfunding sinnlos. Im Prozess werden die Teilhaber zu den stärksten Befürwortern und zugleich auch schärfsten Kritikern, weshalb man über die Community stets wertvolles Feedback erhält.
  2. Visualisierung fokussieren. Es ergibt Sinn, viel Zeit und Energie in visuelle Inhalte wie zum Beispiel Videocontent zu investieren. Das ist die ideale Möglichkeit Werte und Mission zu kommunizieren. Es geht vor allem darum, der Community gegenüber konkret und transparent zu sein.
  3. Realistisch sein. Das Ziel muss erreichbar und somit auch für die Geldgeber übersetzbar sein. Die Community muss wissen, wie sich deren Betrag zusammensetzt und ob das Projekt, in das sie investieren, auch wirklich realisierbar ist.

Planen wir neue Projekte, berücksichtigen wir stets diese drei Aspekte. So können wir den Equity Punks transparent zeigen, dass es sich lohnt zu investieren, da sie die Verwirklichung unseres Ziels nicht nur zu unterstützen, sondern auch direkt mitgestalten können.

Grünes Investment: BrewDog sammelt für Klima- und Umweltschutz

Seit August 2020 sind wir CO2 negativ: BrewDog zieht doppelt so viel CO2 aus der Luft, wie es emittiert. Trotz dieses Erfolgs fragen wir uns immer, was wir zusätzlich machen sollten, um noch nachhaltig zu agieren. Dabei haben sich viele Projektideen - von einer anaeroben Biokraftanlage zur Ressourcenschonung über CO2-Rückgewinnungsinitiativen und einen eigenen neu aufgeforsteten Wald in den schottischen Highlands bis hin zu grüner Mobilität - ergeben.

Diese lassen sich nun mit unserer aktuellen "Equity Punks for Tomorrow" Investitionsrunde unterstützen. Alle Neuinvestitionen werden in nachhaltige Projekte fließen. 33 Millionen wurden bereits in grüne Infrastruktur investiert.

Save the Planet statt nur Fokus auf Profit

Da wir an Taten und nicht an leere Versprechungen glauben, ist es die größte Herausforderung, diese Projekte möglichst schnell umsetzen. Dabei kann die Zusammenarbeit mit Partnern herausfordernd sein aber wir haben nicht mehr viel Zeit und müssen zeitnah Lösungen entwickeln. Wir sehen aktuell viele erfrischende Formen der Zusammenarbeit und neue Ideen und somit einige vielversprechende Zukunftsprojekte.

Obwohl Investitionen zum Umweltschutz während COVID-19 oft nicht priorisiert werden konnten, kommen zum Beispiel kleinere Unternehmen zu uns, um etwa unseren übrigen Treber nachhaltig weiter zu verarbeiten. Hier zeigt sich ganz konkret, dass es eben nicht Profit geht, sondern darum den Planeten und unsere Zukunft zu schützen.

Bei den Konsumenten von heute hat Greenwashing keine Chance

Allgemein lässt sich in den letzten 10 Jahren ein starker Trend in Richtung Nachhaltigkeit erkennen. Heutzutage kann eigentlich kein Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit vernachlässigen. Das gilt für alle Branchen, auch über Beverage hinaus. Besonders toll ist dabei, dass diese Entwicklung dadurch begünstigt wird, dass auch immer mehr Konsumenten Umweltschutz konkret einfordern.

Insbesondere die kommenden Generationen: Diese bestehen auf Transparenz, überprüfen die Ziele eines Unternehmens und achten darauf, dass hier nicht nur Greenwashing betrieben wird. Generell wird in all diesen Bereichen von nun an stets die Leitfrage stehen: Ist dieser Ansatz wirklich nachhaltig?

Herzlichen Dank lieber Marcus!

 

 

 

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