Awaycation vs. Staycation – Urlaub in Zeiten von Corona

Die Welt möchte sich wieder bewegen. Doch wie wird der Tourismus in Zukunft aussehen? Das zeigen die drei Reise-Dimensionen Awaycation, Staycation und digitales Wandering

By Expertin Julia Riedmeier „Neo Luxury“

Staycation, urlaub in zeiten von corona

Autor: Julia Riedmeier

Menschenleere Straßen, Hotels, Flughäfen. Ein Bild wie im Blockbuster, welches 2020 plötzlich zur Realität wurde. Ein Blick nach draußen und auch auf Instagram zeigt, dass dieses Szenario schon fast wie ein schlechter Traum scheint. Mit Masken, Abstands- und Hygieneregeln wird der Weg in den gewohnten Habitus zurück gesucht, in ein Next Normal gegangen. Welche Formen des Reise-Eskapismus gibt es in Zeiten von Corona? Was bedeuten die Entwicklungen für die Travel-Industrie im Licht des NEO Luxus? Was steckt hinter Trend-Begriffen wie Staycation und Awaycation?

Drei Reise-Dimensionen – international, national, mental

Als der Lockdown endete, Ländergrenzen wieder öffneten, war zu spüren: die Welt möchte sich wieder bewegen. Reiseanbieter, Hotels, Airlines nahmen ihre Direktmarketing-Maßnahmen wie Newsletter oder sponsored Posts auf Instagram wieder auf. Flexible Buchungs- sowie Stornierungsoptionen, Bilder von Sehnsuchtsorten gelten dabei als Kernkriterien und treffen auf den Wunsch nach Vitamin Sea. Nun stellt sich auf individueller Ebene die Frage: wie groß ist der Reiz des Verreisens? Wie verhält es sich mit Planungssicherheit, Reise-Art und -Ziel? So haben sich drei Reise-Dimensionen in Relation zum eigenen Mindset und Reise-Wunsch entwickelt:

  1. Awaycation – Destinationen-Revival
  2. Staycation – lokal oder national
  3. Mind- und digitales Space-Wandering

So wirkt bei Ersterem der Eskapismus als Belohnung für das Durchstehen des Lockdowns, Heilmittel gegen die Sehnsucht nach Abwechslung, Erlebnissen. Denn die Muster scheinen zu verankert in unserer Struktur, als dass wir diese so einfach über Bord werfen können, wollen. Der New Luxury, Erlebnisluxus, ist besonders durch die Reisebranche geprägt und seit Jahren aufstrebend. Dabei durch das Sammeln von Best-Of-Momenten in Form von Erlebnissen charakterisiert. Bei Zweitem erfährt die Reise oder Auszeit eine neue Form und Qualität im Sinne einer Hinwendung zur Entdeckung der eigenen Wohnregion, des eigenen Wohnlandes. Die dritte Dimension ist dabei losgelöst vom physischen Raum.

1. Awaycation – Destinationen-Revival

Der Radius der möglichen Sommer-Reisziele weitete sich aufgrund gelockerter Reisebeschränkungen vom eigenen Land hin zu europäischen Destinationen aus. Pittoreske Orte wie Capri, Côte d'Azur, Mykonos oder mondäne Seebäder erleben ein Revival und kommen dem Wunsch des New Luxury in Kombination mit Nostalgie nach. Instagrammable Plätze wie Positano, Èze-sur-Mer dominieren den Newsfeed und wecken Reiselust. Auch wenn die Maske das Must-Need-Accessoire ist, findet diese selten den Weg in die kuratierte Instagram-Welt.

Anstatt dem Credo der letzten Jahre von immer ferner, exotischer zu folgen, geht somit der Blick auf exakt diese europäischen Places-to-be, die als Kurz- oder Mittelstreckenziele zu erreichen sind. Alternativ wird die Abenteuerlust gemäß eines Robinson Crusoe auf einem Segelboot im Mittelmeer oder Atlantik gestillt und dabei dem Over-Tourismus entgangen. Digitale Plattformen im Yachting-Bereich bieten dabei gemäß des Sharing-Konzepts Lösungen an. Kombiniert mit individualisierten Erlebnissen an Land werden Kunden in ihrer Lebenswelt abgeholt und ihnen genau die Art von Privatem gegeben, die in dieser Zeit so essentiell und notwendig ist.

2. Staycation – lokal oder national

Als Gegenpol zu den europäischen Top-Destinationen steht aber auch die gezielte Staycation am eigenen Wohnort oder im Land. Letzteres gerne in Refugien auf einer der weniger überlaufenen Nordseeinseln oder in einer Berg-Idylle. Hideaways, die durch Weite, Stille, Natur punkten, werden zum Insider-Tipp. Besonders in Zeiten von Corona. Der Hype um diese privat geführten Holiday Homes, die als Luxus-Ferienhaus nicht zu den Fünf-Sterne-Häusern zählen, diesen aber in fast nichts nachstehen, treffen gezielt das Herz der NEO Luxury Aficiandos.

Möbel aus Manufakturen, regionale Lebensmittel, Concierge Service, Pillow-Menu, Private Spa sowie Beauty-Produkte von nachhaltigen Marken. Im Vordergrund steht hierbei weniger die Instagrammability, obwohl diese durchaus gegeben ist, sondern das Private, die Qualität und die Stille, die einem wiederfährt. Wie der norwegische Abenteurer Erling Kagge schrieb: „Stille enthält eine Qualität, die exklusiver und beständiger ist als jeder andere Luxus.“

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3. Mind- und digitales Space-Wandering

Die soziale und ökologische Komponente der Nachhaltigkeit ist bei der lokalen und nationalen Staycation auf einer Meta-Ebene gegeben – denn das Weniger an Fernreisen reduziert den ökologischen Fußabdruck und unterstützt zudem die lokale Gemeinschaft. Wenn physische Reisen doch zu abenteuerlustig sind und der Wunsch nach internationalen Reisen fortbesteht, kann ein Tapetenwechsel wortörtlich genommen werden. Digitalisierte Wände, können die Travellust nach Hause bringen und Sehnsuchtsorte auf Knopfdruck entstehen lassen.

Ob Wüste im Oman, Beach in Hawaii oder Polarlichter in Island. Das ganz ohne Carbon-Footprint. Sicher nicht die Art von Reise, die wir bis dato gewohnt sind und wie wir sie definieren würden. Aber bestimmt eine Art, die inklusiver, umweltfreundlicher und fokussierter ist. Eine virtuelle Reise und insbesondere eine zu sich selbst. Denn: „Du kannst nur von innen dazulernen; alles Äußere ist bloßer Anstoß“, so Peter Handke. Reisen kann demnach viel mit Eskapismus zu tun haben, aber eben auch konträr mit Achtsamkeit und Reflexion.

viruelles reisen

Bildquelle & Copyright by SAMSUNG

Das Vorne der Travel-Industrie - Reisen abseits des Massentourismus

In Summe stellt sich berechtigterweise die Frage nach der mittel- und langfristigen Perspektive: Wo wird das Vorne in der Travel-Industrie sein? Wird Reisen wieder exklusiver – aufgrund von Abstandsregeln, regulierten Auslastungsquoten und damit einhergehenden veränderten Preisstrukturen? Hierbei würde Reisen eine Rückbesinnung zum Ursprung abseits des Massentourismus, Billigairlines erfahren.

Somit eine Wertschätzung des Formats per se: Qualität statt Quantität. Nicht um von A nach B zu gelangen, sondern die Reise als solche bereits als Erlebnis zu sehen. Damit auch verstärkt eine Orientierung zum Privaten, im Bereich der Mobilität oder auch des Besitzes. In diesem Sinne auch die Hinwendung zu lokalen, nationalen Destinationen. Besonders, wenn Ländergrenzen wieder schließen sollten.

Urlaub und Erlebnis heißen von nun auch Verantwortung

Was bedeutet die Unsicherheit der Pandemie-Entwicklung für den Planungshorizont, Reise-Arten, Angebote und Services? Werden zwei Wochen die neue Langfristigkeit? Kurz- und Mittelstrecken-Destinationen die neue Reisezone? Wie werden hygienische Standards integriert? Als Naomi Campbell 2019 ihre First-Class-Flugzeug-Kabine desinfizierte, wurde sie belächelt. Heute wissen wir es besser. Hygiene und gesundheitliche Sicherheit werden zum Rahmen. Wie sicher und wohl fühlen wir uns auf Reisen?

Wie privat möchten wir reisen? Welchen Gegebenheiten, welcher Abenteuerlust möchten wir unserem größten Luxusgut, unserer Gesundheit aussetzen? Fragen wie diese werden die Gestaltung von Reisen und den Erlebnisluxus maßgeblich prägen, denn dieser heißt auch Verantwortung. Im Umgang mit sich selbst, mit der Gesellschaft und Umwelt. Auf Mikro- und Makro-Ebene. Besonders wenn das kostbare Gut Gesundheit heißt.

 

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New Luxury

Text: Julia Riedmeier

Julia Riedmeier ist Managing Partner von INLUX, einer inhabergeführten Strategieberatung mit Fokus auf Premium- und Luxusmarken. Als Millennial pflegt Julia einen kritischen Blick auf etablierte Geschäftsmodelle. In Kontakt mit Start-Ups in Frankreich, der Schweiz sowie Deutschland ist es ihr ein Anliegen, diesen Spirit in ihre Projekte einzubringen und neue Denkweisen anzuregen. Besonders im Bereich digitaler Strategien und Neo-Luxuskonzepten. Neben ihrer Beratungstätigkeit hält Julia einen Lehrauftrag an der International University of Monaco inne sowie die Leitung des Luxusmoduls an der Munich Business School. In ihrer Doktorarbeit widmet sie sich dem Thema des Luxusmarkenmanagements in Zeiten der Co-Kreation.

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